Ausgabe 
20 (12.8.1860) 33
Seite
257
 
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12. August 1860.

Das Augsburger Sonntaasblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 2V kr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

Deutsche Missionen in Brasilien .

(Fortsetzung.)

V.

Brief des 1'. Klüber.

Picada dos duos Jrmaos, im November 1858.

Wie wir am 27. Juni glücklich hier angelangt sind, werden Sie schon ver-nommen haben. Wir fanden ein weites, weites Feld, das noch manchem apo-stolischen Arbeiter, den sein Eifer nach Südamerika hinzieht, Raum, Beschäfti-gung und Beschwerden bietet. Ich hoffe auch, daß der Boden in religiöser Be-ziehung mit der Zeit eben so ergiebig sein wird, als er es im Pflanzenreicheist. Von der erstaunlichen Fruchtbarkeit habe ich mich selbst überzeugt, als ichdie Plantagen besuchte. Aus Einem Roggen- oder Weizen- oder Gerstenkornhabe ich 30, äO, 60 und noch mehr große volle Aehren mit ihren Halmen auf-gesprossen gezählt. Das sogenannte Milienkorn trägt das <100- bis 500 fache.Dazu jährlich mehrere Ernten. Der Mangel an leichten Communicationsmit-teln hindert die Colonisten, ihre Producte besser zu verwerthen. Aller Trans-port geschieht durch Pferde und Maulthiere. Aber ein kleiner deutscher Knabezu Pferd an der Spitze und seine kleine Schwester zu Pferde im Nachtrab reichenhin, um die längste Karawane meilenweit über Flüsse und Berge zu comman-diren. Ueberhaupt können hier schon die kleinen Kinder bei der Arbeit behilf-lich sein, da außer dem Waldhauen, das sehr beschwerlich ist, verschiedene derübrigen Arbeiten leicht und gesund sind; aber alle müssen fast nur durch Men-schenhand verrichtet werden. Das Klima, obwohl einen guten Theil des Jahressehr warm, ist doch in der Provinz Rio Grande für die Deutschen so ausneh-mend gesund, daß es unter ihnen beinahe keine Krankheiten gibt und sie trotzder Arbeit sehr alt werden, an die hundert Jahre und darüber. Alle Ritte dieich zu den Kranken mache, bestätigen es. Außer den Kindern, die etwa in ihrenersten Jahren verscheiden, sterben die Andern ungefähr nur vor Alter, oder durchein äußeres Unglück. Wie viele Achtziger, Neunziger habe ich schon gesprochen,welche die Zahl ihrer Kinder und Enkel nicht zusammenbringen können, indeßsie selbst noch ganz rüstig wie ein Vierziger alle schwere Arbeiten verrichten.Die schon mehrmals mit den letzten heil. Sakramenten Versehenen wollen gar-nicht sterben und stehen oft den andern Tag wieder in der Plantage. Hätteneinmal die Gottesfurcht und der heil. Glauben in den einzelnen Familien Wur-zel gefaßt, so würde bei dem patriarchalischen Leben, und dem Mangel äußererGelegenheiten Das Gute sich leicht erhalten und fortpflanzen. Die Protestantensind hier größer an Zahl und mächtiger an Einfluß, was daher rührt, daß vieleKatholiken ganz arm herkamen; Loch auch diese können, wenn sie arbeitsam sind,nicht nur der drückenden Noth entgehen, sondern selbst wohlhabend werden. Nur