Ausgabe 
20 (12.8.1860) 33
Seite
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Ich weiß, wie innig Ihr liebevolles Herz unsere Noth und meinen Kummermit mir suhlt, und wie gerne Sie helfen möchten, wenn Sie könnten. UmEines bitte ich Sie aber dringend, unterstützen Sie mich, Ihren schwachen Mit-bruder, mit Ihrem Gebete, damit sich Gottes unendliche Barmherzigkeit zuunsern deutschen Gemeinden Herabneige. Bonifacius Klüber, 8. 5.

(Fortsetzung folgt.)

Christus in der heiligen Communion.

(Schluß.)

0. Gläubige Seele! Du schauest und genießest in der Brodgestalt Deinengöttlichen Mittler, welcher sich einst seinen Jüngern Petrus, Jakobus und Johan-nes in seiner Gottverklärung auf dem Berge zeigte. Diese Apostel genossen nur mitdem Auge, was Du mit dem Auge, der Zunge, dem Herzen genießest. Und dennochwaren sie durchschauert von heiliger Gottesfurcht. Warum bist nicht auch Du durch-bebt von dieser heilwirkenden Furcht, durchglüht von der innigsten Liebe zu Gott,welche beide Anfang und Ende der Weisheit bilden? Denn wisse: Jene em-pfanden nur die Herrlichkeit, Du aber verkostest auch die Lieblichkeit des Herrn. Petrus sprach zu Jesus: Herr! hier ist gut sein" und er wollte ihm mitseinen beiden Freunden eine Hütte bauen. Jesus hat schon aus Deinem Herzennicht eine Hütte, sondern einen Tempel für sich erbaut, als er Einkehr bei Dirhielt. Was willst Du nun thun, ihn in diesem Tempel festzuhalten? denn:Wo der Herr ist, da ist gut sein."

Zachaus, welcher ein sündiger Zöllner gewesen war, sagte zum Herrn, alsdieser ihm versprach, in seinem Hause einzukehren:Herr! mein halbes Vermö-gen gebe ich den Armen, und, wenn ich Jemanden betrogen, erstatte ich es vier-fach zurück." Siehe! Jesus kehrt auch in Deinem Herzen ein. Warum willstDu nicht arm werden im Geiste, damit Deiner das Himmelreich sei? Umunzählige Stunden hast Du deinen Heiland betrogen, und sie der Welt geopfert.Willst Du von nun an auch nur den vierten Theil dieser Zeit Deinem Mittlerin frommen Tugendübungen widmen, und ihm so Einiges von dem zurücker-erstatten, was ihm gehört? Schon siebenzig Mal sieben Mal hast Du deinenErlöser und dein Herz betrogen. Willst Du es ihm auch nur ein einziges Malganz und ungetheilt zu eigen geben?

Jesus kommt zu Dir im heiligen Abendmahle, Er, der den Blindgeborncnwieder sehend gemacht. Dich Blindgebornen hat er in der heiligen Taufe vonder Blindheit der Erbsünde geheilt, Dich Selbstverblendeten im heiligen Büß-gerichte von der Selbstverblendung. Nun naht er sich Dir, Er, das Licht, dieWahrheit und das Leben. Siehe, o Christ! den Blinden hat er nur einmalsehend gemacht, und der Geheilte ward sein Anhänger. Dich hat er schon un-zählige Male geheilt. Warum willst Du ein Anhänger der Welt bleiben, dieDich wieder blind macht?

Maria hat aus Dankbarkeit zu Jesus, der ihren Bruder Lazarus von denTodten erweckt hatte, die Füße des Herrn mit köstlichem Oele gesalbt, als dieserin ihrem Hause weilte, und mit der Salbung nicht bis zum Bcgräbnißtage desgöttlichen Menschenfreundes gewartet, wie sie anfänglich gewollt. Erblicke hierin,o Christ! ein Beispiel zur Nachfolge! Du willst Jesum mit den Thränen DeinerReue, mit dem Oele Deiner Tugendübungen nicht eher benetzen, als bis dessenTodes- und Auserstehungsfeier wiederkehren, d. h. zur österlichen Zeit, wo Jederdie heiligen Sacramente empfangen muß. O warte nicht! Vielleicht mehr, alsMaria, hast Du dem Heilande zu danken. Maria's Bruder hat er nur Ein