Ausgabe 
20 (12.8.1860) 33
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Mal vvm leiblichen Tode erweck!. Wie oft hat er Dich schon vor dem Todeder Seele, des Leibes bewahrt?

Dies nun, o Mensch! sind einige der Empfindungen, welche sich Dir auf-drängen müssen, wenn Du Jesum Christum im heiligen Altarsaeramente alsKind, als Lehrer in Wort und Wandel betrachten willst. Welche heiligen Ge-fühle müssen Deine Brust durchschauen:, wenn Du Deinen Heiland als Mittlerzwischen seinem himmlischen Mater, dem Reinen, und Dir und Deinen Mit-Lrüdern, den Unreinen, als Sühnopfer für fremde Schuld auffassen willst! dieVermittlung und das Sühnopfer sind es ja, welche in diesem hochheiligenGnadenmittel ihre Bethätigung und unblutige Erneuerung finden.

Wie lehrreich ist die Betrachtung von Jesu und seinem Verräther, da wirin ihr so ganz das Bild einer ungiltigen Deicht und unwürdigen Communionenthüllt sehen? Nicht offen warnte Christus den Verräther, nur im Geheimenwarnte er ihn mit liebevoller Stimme. Und dasselbe thut er heutzutage mitDir durch den Mund Deines Beichtigers. Warum nun heuchelst Du im Beicht-stühle den Bußfertigen, während Du eine schwere Sünde verschweigst, da esDich doch Nichts fruchtet? Unglücklicher! So verrathe denn Deinen Heiland!Wie Judas den Bissen genossen, Du dir das Gericht und geh hinaus in dieNacht und Finsterniß der Sünde!

Du empfängst Jesum im Geheimnisse seines göttlichen Leibes und Blutes,ihn, welcher seinen drei geliebten Jüngern am Oelberge zugerufen:Nicht ein-mal Eine Stunde könnet Ihr mit mir wachen? O wachet und betet, damit Ihrnicht der Versuchung unterlieget!" Allein die Jünger schliefen: dennoch wiederein. Siehe! diese Jünger hingen Christo, Du hängst der Welt an. DieseJünger waren gleich Dir kurz zuvor durch den Genuß des beiligen Abendmahlesgeftärl: worden. Sie konnten keine Stunde wachen. Glaubst Du dein:, eineeinzige Minute wachen zu tonnen, wenn Du nicht beständig um die GnadeGottes stehest?

Als der göttliche Dulder von den Häschern und Dienern des hohen Rathesgefangen genommen werden sollte, zeigte er seine Allmacht, die nur freiwilligdie Verfolgungen und Qualen der Ohnmächtigen über sich ergehen lassen wollte,dadurch, daß auf sein einfaches Wort:Ich bin es!" Alle zu Boden stürzten.Siehe! auch Dich könnte seine Allmacht augenblicklich zu Boden stürzen odertödten, wenn Du durch den unwürdigen Genuß des heiligen Abendmahles nocheinmal seine namenlosen Qualen und Leiden über das göttliche Osterlamn: ver-hängest. Allein seine Langmuth, welche nicht den Tod des Sünders will, son-dern daß er sich bekehre und lebe, duldet nochmals freiwillig die Qualen undMartern. Der Herr ist zwar ewig, aber auch in seiner Langmuth gegen Dich?

Wir empfangen Jesum in der heiligen Hostie, welcher zu Annas sprach:Was fragst du mich über meine Lehren? Frage meine Zuhörer! Sie wissen es,was ich gelehrt." Siehe! Dein Erlöser in höchst eigener Person, mit Fleisch undBlut kommt zu Dir im heiligen Abendmahle. Warum forderst Du, daß erauch noch unmittelbar aus seinem göttlichen Munde seine heilige Lehre Dir ver-künde? Glaube doch den Lehrern, die er gesandt hat, den Büchern, die unterEingebung des heiligen Geistes niedergeschrieben worden sind. Willst Du aberauch diesen keinen Glauben beimessen, o so glaube dem Schauer und der Süßig-keit, welche Dein Herz durchdrungen nach dem Empfange des allerheiligstenLeibes und Blutes! Dieser Schauer, diese Süßigkeit verkünden Dir die Erha-benheit und Lieblichkeit eines Gottes, welcher es nicht verschmäht hat, in einemmenschlichen Herzen Wohnung zu nehmen.

Merke auf, o Christ, wie tief Dich Judas , der Verräther, beschämt. Alser das Todesurtheil seines verrathenen Herrn und Meisters vernahm, wollte erihn noch retten. Er bekannte den Hohenpriestern, daß er einen Unschuldigen ver-