Ausgabe 
20 (9.9.1860) 37
Seite
295
 
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ward finster, sprach wenig; ja, als der Seelsorger das Gespräch hinleitetc aufden Trost, den die Religion im Leiden verleihe, verabschiedete er sich sogleichtrotzig mit der Bemerkung, daß das anhaltende Sprechen seiner Gesundheit schade.Bald darauf verschlimmerte sich die Krankheit des jungen Mannes und derArzt sprach die Befürchtung aus, daß er wohl nur mehr wenige Wochen zuleben haben werde. Da war es nun die Pflicht des Seelsorgers ihn zu be-suchen und mit Ernst und Liebe auf sein ewiges Heil aufmerksam zu machen.Nachdem er am Morgen während der hl. Messe die bisher verlorene Seele desKranken dem guten Hirten empfohlen und um Beistand und Erleuchtung zuGott gesteht hatte, trat er den schweren Gang zu dem Leidenden an. Die treueSchwester geleitete den Seelsorger zu dem schwer kranken Bruder. Doch dieserwarf ihr einen zornigen Blick zu, und erklärte auch sogleich dem Seelsorger, daßsein Besuch ihm geradezu unangenehm sei. Vergeblich sprach der Seelsorgerdie freundlichsten Wörte, vergeblich waren alle Hinweisungen auf den vielleichtnicht sehr fernen Gang in die Ewigkeit, vergeblich alle Erinnerungen an diegläubigen Tage der Kindheit des Kranken. Alles vergeblich! Die Schwesterwar trostlos. Nicht genug! Kaum war der Pfarrer unverrichteter Dinge wiederzu Hause angekommen, da erhielt er auch schon ein Briefchen, das der Krankemit zitternder Hand geschrieben. Er verbat sich darin alle weiteren Besuche,und erklärte auch seiner Schwester, nicht länger in ihrem Hause bleiben zuwollen, wenn sie nochmals einen Geistlichen zu ihm führe. Aber welch' plötz-liche Gesinnungsveränderung des Kranken schon nach wenigen Tagen! EinesMorgens gleich nach der hl. Messe kam die Schwester eilig zum Pfarrer undrief voll Freude aus:Gott sei Dank! mein Bruder ist wieder ein Christ,kommen Sie bald zu ihm; er will Sie seines seitherigen Verhaltens wegen umVerzeihung bitten. Als der Pfarrer erschien, bat er ihn unter Thränen, desVorgefallenen nicht mehr zu gedenken und fügte bei:Danken Sie mit mir demlieben Gott; ich bin wieder ein Christ. Helfen Sie mir, baß ich als guterChrist sterbe. Gestern Abends sprach er durchmusterte ich die Bücher indem Wandschranke meiner Schwester. Da fiel mir das Gebetbuch meiner Mutterin die Hand. Ich öffnete es, und das Erste, was ich sah, war dieses Bildchenda. Sehen Sie, die gute Mutter hat darauf den Tag meiner ersten Communion,Den 14. April, bemerkt, und darunter dieses Gebet geschrieben:Jesus Christus! du bist in das Herz meines Sohnes herabgekommen; ich preise deine unendlicheLiebe, und bitte dich, erhalte ihn im Glauben und in heiliger Unschuld; führeihn durch die Gefahren der Welt zum ewigen Leben!" " O sagte er weiter als ich dieses gelesen, da trat meine gute Mutter mir klagend vor die Seele;ich gedachte ihrer Lehren und Warnungen, nicht minder auch der Versprechen,die ich ihr am glücklichen Tage meiner ersten hl. Communion gegeben, und zu-gleich meiner späteren Verirrungen. Endlich fand ich auch das Abendgebet, dassie mit uns Kindern täglich verrichtete. Da sank ich unwillkürlich auf meinezitternden Kniee. Ich betete nach drei Jahren wieder zum ersten Male. Eswar mir, als ob meine gute Mutter neben mir knieete und mit mir betete.Tief erschüttert und Thränen bitterer Reue weinend, legte ich mich zu Bette.Ich konnte lange nicht schlafen. Endlich bezeichnete ich mich mit dem Zeichendes h. Kreuzes und verfiel darauf in einen erquickenden Schlaf. Als ich heuteMorgen erwachte, betete ich das Morgengebet meiner Kindheit und wurde in demEntschlüsse bestärkt, mich wieder zu Gott zu wenden. Gott hat mich jetztes sei ihm tausendmal gedankt von meinen Zweifeln befreit; vor dem Lichteder Gnade verschwanden die Scheingründe, womit ich meinen Unglauben vormir selbst zu rechtfertigen suchte, und nun habe ich keine größere Sehnsucht,als nach langer Zeit wieder zum erstenmale die hl. Sacramente zu empfangen.Er empfing sie nach entsprechender Vorbereitung mit größter Andacht. Der