Ausgabe 
20 (25.11.1860) 48
Seite
378
 
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da geht er leicht hin, wenn kein ollstseulum sonst ihm im Wege steht. Diekatholische Religion ist die Religion der Freiheit, und das HerzDessen, der nach Religion verlangt (und das Himmlische nicht blos in gutEssen und gut Trinken setzt), findet in der katholischen Kirche allein die vollsteBefriedigung. Und hier in Amerika, wo alle? menschliche Zwang aufhört, da istso ein glücklicher Schritt (zur Conversion) leichter geschehen, als drüben inEuropa, wo konfessionelle und andere Rücksichten oftmals einen großen Hemm-schuh anlegen. Kurzum, es ist hier die Religionsfreiheit und der Drang derSeele nach Wahrheit auf der einen, und die geistige Gewalt der Kirche auf derandern Seite die Ursache, warum wir Katholiken nicht ab-, sondern immer mehrzunehmen in Amerika. "

Dieser vollständigen Glaubensfreiheit in Amerika stehen noch andere Mo-mente helfend zur Seite. Während nämlich die Katholiken in ihrer Minderheiteine einheitliche geschlossene Masse bilden, ist der Protestantismus in unzähligeSeelen zerfallen, von denen auch nicht eine dem Katholicismus an Zahl derBekenner gleich kömmt. Zudem ist der weitaus größte Theil der Protestantenim vollständigen Jndifferentismus befangen, so daß die Berichterstatter in denJahrbüchern der Glaubens-Verbreitung (1850) nicht mit Unrecht sagen, daßehemals Amerika in der That protestantisch war, während dasselbe es heutenur noch dem Namen nach ist." Von der damaligen Bevölkerung gehörtennämlich zwei Millionen der katholischen Kirche, 4 Millionen zur einen oder zurandern der unzähligen Seelen, wovon die Vereinigten Staaten wimmeln, dieübrigen 14 Millionen haben sich noch für keine Religion entschieden, hoffen aber,wie sie sagen, noch vor ihrem Tode ihre Wahl zu treffen.Nach ihren Redenzu urtheilen, dürfen wir größere Hoffnungen hegen, als jede andere Religion.Aus diesen Thatsachen erhellt, daß der Protestantismus sich in dem nämlichenMaße aus Amerika zurückzieht, als der Katholicismus darin fortschreitet; daßderselbe bei der großen Mehrzahl nur noch Gleichgiltigkeit findet und jeden Tagmehr dahin strebt, sich in dem Nichts seines Ursprunges aufzulösen."

Mit dieser Beobachtung des katholischen Priesters stimmt der Aussprucheines protestantischen Angloamerikaners vollständig überein, dessen Jarke erwähnt:Wir sind Indifferentsten dem Gesetze nach, aber Religionseiferer durch dieSitte und das religiöse Gefühl. Was das Dogma betrifft, so wird Amerika injenem Zustande der Trennung der Kirche vom Staate bleiben, bis wir in völligunbeirrter Freiheit, unsere Wahl getroffen haben werden." (Principiensragen,Paderb. 1854. S. 109.)

Das ist aber der Unterschied zwischen den amerikanischen Jndifferentistenund denen der alten Welt, daß jene, mögen auch Tausende von ihnen ihr Lebenim Zustande der Unentschiedenheit beschließen, dennoch dem Grundsätze nach dieNothwendigkeit des Entschlusses anerkennen und Keinen verlästern und beschimpfen,der seine Wahl getroffen, während unsere Liberalen, seien sie Freimaurer odernicht, jeden, der sich nach seiner Ueberzeugung auf einen conservativ-religiösenStandpunct stellt, mit Koth beweisen. In dem amerikanischen Jndifferentistender noch keine Wahl getroffen" (i Nave not ^et msllo elioice, ist ein über-aus häufig gehörter Ausdruck), lebt ihm unbewußt ein tiefes religiöses Gefühl,und es muß dies eine in die Augen fallende Erscheinung sein, da so vieleBeobachter amerikanischen Lebens und Treibens darin übereinstimmen. Sofällt ein protestantischer Schriftsteller, Jacob Naumann, der viele Jahre inAmerika gelebt und mit scharfem Blicke die dortigen Verhältnisse beobachtet undgeprüft, ein merkwürdiges Urtheil über das dort bestehende Verhältniß zwischenReligion und Staat.In keinem Lande der Erde," sagt er,gibt es so vieleverschiedene, obgleich ursprünglich sämmtlich dem Christenthum entstammte Re-ligionsparteien und Seelen, wie in den Vereinigten Staaten, aber es gibt auch