Ausgabe 
20 (25.11.1860) 48
Seite
377
 
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25. November 1860.

Mr. 4?.

Das Augsburg er SonntagSblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 2V rr., wofür es durch alle r. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

Die katholische Kirche in den Bereinigten Staaten Nnrdamerika's.

(Fortsetzung.)

Wunderbar! Die katholische Kirche in Nordamerika ist vollständig souverain;sie kann frei und ungehindert sich nach allen Richtungen entfalten und aus-breiten, Klöster aller Art errichten und llor-istliite stiem! sogar Jesuiten für ihreZwecke verwenden, und-der Staat geht nicht unter? schreitet vielmehr trotz die-serFeinde der Freiheit, dieser Werkzeuge des absolutesten Despotismus" mitRiesenschritten in seiner Entwickelung vorwärts? Seltsame Gegensätze! DieGothaer in Baden fuhren entsetzt in die Höhe, als sie den Abschluß desbadischen Concordates vernahmen; Himmel und Erde setzten sie in Bewegung,um das Volk gegen dasselbe aufzustacheln und den Fürsten des Landes dadurchzum Bruche eines rechtsgiltigen Vertrages zu bewegen; die bloße Angst vor derungefesselten Kirche spiegelte sich in all ihren Reden und Handlungen ab, undriß sie zu den unsinnigsten Expectorationen gegen dieselbe hin. Sie haben da-durch sich und der Sache, der sie dienen, ein vollgiltiges Armuthszeugniß aus-gestellt. Die Kirche anderseits hat vor ihnen keine Angst, ob sie auch in ihremblinden Hasse gemeinschaftliche Sache mit der Revolution machen. Denn wennGaribaldi, der jetzige Herrscher von Sicilien von Louis Napoleons und VictorEmanuels Gnaden, in einem seiner letzten Erlasse die Jesuiten und Liguocianerfür Feinde der Freiheit und willige Werkzeuge der bisherigen absolutistischenRegierung erklärt, sie demgemäß aus dem Lande jagt und ihre Besitzungen ein-zieht und für Staatseigenthum erklärt, was hat er Schlimmeres gethan als dieLiberalen in allen den Ländern, wo sie zum Unheil des Landes das Heft derRegierung in die Hände bekamen? Garibaldi ist ein Revolutionär von Pro-session, es war nichts Anderes von dem Manne der Gewalt zu erwarten, aberdie Thaten jener, unter dem Scheine der Gesetzmäßigkeit verübt, stinken nochweit mehr zum Himmel, um mit Shakespeare zu reden.

Die katholische Kirche ist keine Feindin der Freiheit. Die Geschichte lehrt,wie sie jederzeit sich der Unterdrückten angenommen, wie sie stets der Schirmund Schutz der Völker gegen die Despotie der Fürsten gewesen; daher das ge-waltige Anstürmen der mächtigen Dynasten aller Zeiten gegen sie; wir erinnernnur an die Hohenstaufen, Philipp den Schönen, Napoleon rc. rc. Auch ist dergewaltige Aufschwung, den die Kirche in den Vereinigten Staaten genommen,nicht zum geringsten Theile der vollständigen Freiheit der Bekenntnisse zuzu-schreiben. Wäre es anders, sie hätte längst aufhören müssen zu sein. In diesemSinne spricht sich auch die New-UorkerKatholische Kirchen-Zeitung" dahin aus:Das Katholische nimmt hier zu, denn der Protestantismus nimmt hier ab.Ein besonderer Grund, warum unsere Kirchen sich immer mehr füllen, währendprotestantische Prediger zu leeren Stühlen reden, liegt wohl in der freienVerfassung unseres Landes, wo Jedermann ungenirt dem Dränge seinesGeistes und Herzens folgen kann. Und wo das Innere den Menschen hindrängt,