Die glaub enstreuen Gefangenen.
Sechszehn spanische Gefangene, welche von den Marokkanen nach Tetuangebracht worden waren, erzählen von ihrer Gefangenschaft, daß sie die unwür-digste Behandlung erfuhren. Sie wurden mit Ketten beladen mit einem eisernenRing am Halse in verpestete Keuchen gesteckt. Man versuchte alle möglichenMittel, sie zur Verleugnung ihrer Religion zu verleiten; aber nichts hat ihrenGlauben und ihren Muth erschüttert. Sie haben Vergnügungen, Reichthum,Grade und Besehlshaberstellen, die man ihnen anbot, verachtet; sie wollten lieberHunger, Durst, Nacktheit, Beschimpfungen und die Aussicht auf einen gewissenTod erdulden, als ihre Pflicht als Christen und Soldaten verletzen. Ein ein-ziger von den Gefangenen hat sein Vaterland und seinen Glauben verrathen,es ist ein gewisser Carranque, Freiwilliger in den baskischen Bataillonen. DieserElende war der eingefleischteste Feind der Gefangenen, welcher den Fanatismusund die Wuth der Marokkaner gegen seine Brüder und ehemaligen Landsleuteaufstachelte.
Eines von den schrecklichen Mitteln, welche die Mauren anwandten, umdie Gefangenen mürbe zu machen, bestand darin, daß sie die Köpfe der andernChristen, welche sie als Siegeszeichen nach Fez brachten, unter sie warfen.
Diese tapferen und unglücklichen Soldaten haben endlich am Mai Fezverlassen; als sie aus der Stadt abzogen, bekam jeder einen vollkommenen sehrreichen und eleganten maurischen Anzug: die Verkündigung des Friedens hattedie Mauren ihnen geneigter gemacht. Welcher Art die Begegnung war, welchesie erfuhren, davon mag auch zeugen, daß Hauptmann Roeamora, welcher sichunter ihnen befand, in seiner Gefangenschaft wahnsinnig wurde. Das Zusammen-treffen dieses Unglücklichen mit seiner Mutter, welche nach Tetuan gekommenwar, war eine rührende und zugleich herzzerreißende Scene: der Sohn kannteseine Mutter nicht.
Praktische Nächstenliebe.
Vor Kurzem gingen vier Soldaten von der Linie in einem französischen Dorfe, der Gemeinde Jakob, spazieren; da sahen sie eine arme alte Frau trost-los an der Schwelle ihres Hauses stehen. Auf Befragen versetzte sie, ihr Mannwäre seit lang her krank, es wäre jetzt der Augenblick, wo im Weinberge Grubengemacht werden müßten; sie bekäme keine Arbeiter, weil sie sogleich bezahlt seinwollten und sie die Mittel dazu nicht habe.
Es war Mittag. Unsere Kriegskameraden sahen einander einen Augen-blick an, ziehen ihre Weste aus, lassen sich Werkzeuge geben und machten sichbis vier Uhr an die Arbeit. Den andern Tag kamen sie wieder und machtendie Arbeit vollends fertig. Das arme Weib dankte ihnen lebhaft und bot ihneneine Maß Wein an. Aber sie wollten nichts annehmen und sagten erfreut imWeggehen, wenn vor der Herstellung ihres Mannes noch eine Arbeit zu thunwäre, wollten sie wieder kommen.
Diese gute That christlicher Liebe erhöht noch die Einfachheit und Uneigen-nützigkeit, mit der sie vollbracht ward, ganz im Sinne der Lehre dessen, der dasagt: „Was ihr dem Geringsten unter euch thut, das habt ihr mir gethan."
Redaction und Verlag: Dr. M. Huttler.
Druck »an I. M. Klcinlc.