Ausgabe 
20 (18.11.1860) 47
Seite
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Einiges über die Verhältnisse der Katholiken in Sachsen.

Dem Oesterr. Volksfreunde wurde vor Kurzem aus dem Königreiche Sachsengeschrieben:Die Berichte Ihres geschätzten Blattes über die gedrückte Stellungder Katholiken in Mecklenburg , Holstein und anderen protestantischen Ländernveranlassen mich, auch einiges über unsere Lage in Sachsen zu bringen. Auchsie ist keine beneidenswerthe. So hat man jetzt gleichsam zum Höhne des katho-lischen Königshauses ins Schloß die protestantische Capelle gesetzt, um ja zuwachen, ob nicht der Fürst etwa in der Nacht einen Jesuiten sähe, da es beiTage durch andere Mittel verhindert ist. Auch sorgt die Presse ihrerseits hin-reichend für Haß und Verachtung des Katholicismus, damit der Katholik Sachsensnur als Paria des Landes erscheine. Zum Beweise hierfür diene eine Corre-spondenz derDeutsch . Allg. Ztg." über den St. Vincentius-Verein Sachsens.Ist esDummheit" oderBosheit," wenn jenes Blatt in Betreff dieses Ver-eines, der doch meistens aus Laien besteht, also schreibt:Es handelt sich hier-bei (nämlich bei der Zulassung des St. Vincentius-Vereines durch die Regierung)um Zulassung und Zutritt eines in Spanien, Frankreich , Oesterreich und sonstverbreitetenOrdens" (?), dessen Stiftungszweck darin besteht, seine Mitgliederüberall hinzuschicken, wohin sie durch Bischöfe berufen oder von Pfarrern zu-gelassen werden, um verwahrlosten Menschen, wozu von der römisch-katholischenKirche selbstverständlich" (?) die protestantischen Ketzer gezählt werden, durchUnterricht und Seelsorge beizustehen; daneben beschäftigen sich die Mitglieder,welche auch Lazaristen heißen" (das Lächerliche einer solchen albernen Un-wissenheit leuchtet ein, abgesehen von der Bosheit sonstiger Motive), allerdingsauch mit Krankenpflege; dies ist aber weder Haptzweck noch Hauptbeschäftigung."Ist esDummheit" oderBosheit," wenn die Zeitung weiter behauptet, daßder St. Vincentius-Verein oderOrden" (?) in engster Verbindung mit demJesuitenorden stehe, oder vielmehr ihm affiliirt sei (?), weshalb das ErstaunenDerer, welche die Verhältnissegenau kennen" (?), gerechtfertigt gewesen sei,als sie lesen mußten, daß in Sachsen einer der in Evangelicis beauftragtenMinister kein Bedenken getragen habe, dem St. Vincentius-Verein den Zutrittin Sachsen zu gestatten." Ist es fernerDummheit" oderBosheit," wenn weiter-hin behauptet wird,es sei Thatsache (!), daß der Verein zwei Schulen (?) habe,eine für Mädchen, die andere für Knaben; er beschäftige sich also mit Unterrichtund namentlich mit Religionsunterricht, wie es die Regeln des Ordens (?) vor-schreiben." Ferner sei esThatsache (!), daß in den Schulen desselben bereitsjetzt schon mehrere Kinder protestantischer Eltern und Protestantisch getauft, inden Lehren der römisch-katholischen Kirche erzogen werden, alsschlagender"Beweis, Laß der Vincentius-Verein allerdings das Kirchliche und Confcssioncllesehr stark ins Auge faßt." Ein Zeichen mehr vonBosheit" alsDummheit"scheint uns schließlich die Behauptung jener Zeitung: es gehöre bekanntlich (!)zu den Pflichten jedes römisch-katholischen Geistlichen, ganz besonders aber auchder Mitglieder desVincentius-Ordens" (?), die Glaubensfreiheit als Ketzereinach Kräften zu bekämpfen, und es sei ein alter und bekannter (!) Kunstgriffder römisch-katholischen Geistlichkeit, über Bedrückung zu klagen, wenn ihr dieFreiheit genommen wird, die Glaubensfreiheit Anderer zu unterdrücken." Derkleinste Theil aller dieser lügnerischen Verleumdungen und Entstellungengegen einen protestantischen Verein, oder die protestantische Geistlichkeit gerichtet hätte genügt, die ganze «katholische Presse in Alarm zu setzen, oder auchdie Confiscation des Blattes, das sie enthielt, zu verhängen. Aber wir Katho-liken in Sachsen scheinen kein Recht zu haben, denn man hat ungehindet dieseInjurien und Lügen gegen und über uns verbreiten und lesen dürfen."