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das Glöcklein von G., das so lieblich „Ave Maria!" ruft. Ave Maria! sprachauch ich und erhob mich, und nur 20 Schritte von meinem Nachtlager ist der
gesuchte Weg und in einer Viertelstunde stehe ich am Vaterhause und klopfe, da
noch Alles in Ruhe ist, an die Thüre. Schnell kommt die Mutter und öffnetund als ich nach herzlicher Begrüßung ihr die Erlebnisse des gestrigen Tagsund der Nacht erzählt hatte, sprach sie: „O mein Sohn! da hat dich gesternAnbends der h. Schutzengel vom Wege abgeführt,?jum dir ein zweites Maldas Leben zu retten. Denn wisse! der letzte Bach über den du hättest gehenmüssen war zu einer furchtbaren Höhe angeschwollen, der Steg vom Wasserweggerissen und du wärest sicherlich ertrunken, wenn du in der Nacht hättestdarüber gehen wollen." — So die Mutter und sie hatte Recht, zweimal aneinem Tage hat mir der Schutzengel das Leben gerettet. — O wie oft ist im
Leben das, was wir für ein Unglück halten, ein großes Glück!
Macht'S nach.
„Wie geht es mit Ihrem neuen Hochaltar in F.", fragte vor einigerZeit einen Amtsbruder ein Pfarrer, der in wenigen Jahren alle Kirchen seinerGemeinde im Innern gänzlich und schön erneuert hat, und eben im Begriffewar, das edle Werk mit dem letzten Altare zu vollenden. „Wie geht es mitIhrem Hochaltar?" — „Gut; angebaut ist er schon!" antwortete derselbe. Vondieser Antwort überrascht, fragte der Andere weiter: „Was willst du mit deinem„angebaut^ sagen? — Der eifrige Pfarrer erwiederte ihm Folgendes: Beider letzten Aussaat habe er mit seiner Gemeinde die Verabredung getroffen, daßJeder, je nach der Größe seines Gutes und seines guten Willens einen kleinenTheil seines Fruchtfeldes oder Weinberges für den neuen Altar anbauen wolle.So sei es auch geschehen. Bei der Ernte und im Herbste habe ihm Jeder denversprochenen Beitrag an Korn, Weizen, Gerste, Most u. s. w. ins Pfarrhausgebracht, das Gesammelte sei alsdann verkauft worden, und aus diese Art habeer das Geld zu seinem Altare herbeigeschafft. Saget: ist das nicht ein schönertrefflicher Gedanke und Werth, nachgeahmt zu werden? Probirt's mal, ihr Land-leute, und ihr werdet bald, ohne daß es euch so wehe thut, als wenn ihr baaresGeld hergebet, euere neue Kirche oder Capelle „angebaut" haben; oder wenn ihrdie schon besitzet, dann „bauet an" zur Verschönerung und Ausschmückung der-selben. Euere Geistlichen werden euch schon sagen, und wenn ihr klare katho-lische Augen habt, werdet ihr auch selbst sehen, was euch noch Noth thut, bisdas Haus Gottes hübsch in Ordnung ist.
Redaction und Verlag: vr. M. Huttler. — Druck »an I. M. Äle inte.