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kommt das Ras et Metn, Her Mittelpünct der drufischen Macht, in dem.je-doch, aber ganz abgeschnitten von den andern maronitischen Gegenden, die christ-liche Stadt Dei'r el Kamar, die alte Residenz des Emir Beschir liegt; die-selbe zählt etwa 4000 Einwohner. Im Süden von Ras el Metn, auf dem Ge-birge und an dem Ufer bis nach Scuda (dem alten Sidon) ist das Land vonaußerordentlich verschiedenen Volksstämmen bewohnt: Drusen, Metuabrs oderMuselmänner von der Seele Ali's, arabische Sunniten, Maroniten, unirte undschismatische Griechen wohnen daselbst.
Nach der Organisation, die dem Libanon im Jahre 1840 von den fünfGroßmächten gegeben worden, ist das Gebirge beinahe ganz frei, regiert sich selbstund zahlt der Pforte nur einen Tribut; diese ernennt die Kaimakan's, welchedie höchste Gewalt inne haben und aus den Leuten des Landes gewählt werdenmüssen. Nördlich ist das Land einem maronitischen, südlich einem drufischen Kai-makan unterstellt, mit Ausnahme der Leiden Städte Zahl eh und Det'r elKamar, wovon die erste Stadt sich selbst regiert, die andere aber direct unterder Pforte steht. Händel , ja selbst Kriege zwischen Drusen und Maronitenkommen sehr häufig vor. So gab es noch im vorigen Jahre einige Kämpfe,weil die Maroniten den Kaimakan nicht annehmen wollten, den die Pforte ihnensandte; durch das Dazwischentreten der Consuln wurde diesen Kämpfen aberbald ein Ende gemacht. Aber keiner dieser Kriege, selbst nicht jener von 1845,der doch so viel Aussehen in Europa gemacht hat, kommt dem diesjährigen nurentfernt nahe.
Seit mehreren Monaten konnte man die Vorzeichen desselben bemerken:in den drufischen Dörfern waren christliche Reisende und ein maronitischer Priesterermordet worden, auch herrschte die größte Aufregung aus dem ganzen Libanon.Inzwischen hoffte man noch immer, daß die Feindseligkeiten nicht vor dem Endedes Sommers ausbrechen würden, und man ihnen vielleicht noch zuvorkommenkönne. Man näherte sich nämlich der Zeit, wo die Ernte der Cocons beginnensollte, und da die Unterbrechung dieser Ernte den Drusen und den Maronitengleichen Nachtheil bringt, so pflegen nm diese Zeit, selbst in den heftigstenKriegen, alle Feindseligkeiten aufzuhören.
Ungeachtet dieser Hoffnung versammelten sich, da der Horizont sich immerdrohender umwölkte, am 20. Mai d. I. die bedeutendsten europäischen Kaufleutevon Beirut in den Sälen der türkischen Bank, und unterzeichneten eine an dieConsuln der verschiedenen Mächte gerichtete Petition, um von diesen zu erlangen,daß sie sich hei dem Pascha zu dem Zwecke verwendeten, damit er die Sicherheitder Stadt und den Frieden im Gebirge aufrecht erhalte, welches Beides noth-wendig sei, wenn die Handelsthätigkeit fortbestehen sollte.
Zwei oder drei Tage später erfuhr man, daß am Nähr el Kelb ein Zu-sammenstoß stattgefunden hatte. Um unparteiisch zu sein, muß ich anerkennen,daß an diesem Tage die Christen zuerst das Feuer eröffnet hatten.*) Erschrecktdurch die von den Drusen verübten Mordthaten, und durch das Gericht, welcheseine allgemeine Metzelei der Christen in Aussicht stellte, wollten die Maronitendieser Gefahr dadurch zuvorkommen, daß sie selbst ihre Feinde angriffen.
Der Krieg hatte begonnen, aber seine Ausdehnung konnte noch immer ver-hindert werden. Die Consuln wendeten sich deshalb an Kurschid-Pascha, denGouverneur dieses Theiles von Syrien , und dieser machte die schönsten Ver-sprechungen von der Welt.