In Folge dieser Versprechungen verließ er Beirut mit 750 Mann regel-mäßiger Truppen, mit Kanonen und einer großen Anzahl von Baschi-Bozuksund wandte sich nach dem Gebirge unter dem Vorgeben, dort den Frieden wiederherzustellen.
Aber kaum hatte er die Stadt verlassen, so hielt er Plötzlich an und ließohne scheinbaren Grund zwei Kanonenschüsse abfeuern. Man hätte denken können,dies sei ein Signal gewesen, denn so zu sagen in demselben Augenblicke erhobsich eine große Flamme auf einem der obern Puncte des Libanon. Es wardies das schöne christliche Dorf Veit Meri, zwei Stunden von Beirut , welchesso eben von einer beträchtlichen Schaar Drusen überrascht und in Brand gestecktworden war. Bald darauf sah man die Feuersbrünste, sich über das ganze Ge-birge verbreiten, und man hörte Gewehrfeuer in allen Richtungen.
Während der ersten Tage widerstanden die Christen mit Muth und Erfolg;sie drängten die Drusen in Unordnung zurück und drangen mit ihnen gemein-schaftlich in den Ras el Mein ein, dessen vorzüglichstes Dorf, genannt El Metn, sieals Repressalie in Brand steckten. Um diesen glücklichen Erfolg aufrecht zu er-halten, bedurften die Christen an den Orten, wo der Kampf stattgefunden hatteder Unterstützung; sie bedurften der Hilfe der Bevölkerungen aus den durchauschristlichen Districten, besonders jene ihrer Nachbarn, der kriegerischen Bewohnerdes Kesruan, die den Drusen ein Schrecken sind. Nun hatte aber Kurschid-Pascha auf seinem Marsche plötzlich Halt gemacht und sein Lager zwei Stundenvon Beiruth aufgerichtet, an einem Orte, genannt Babdah, das er seitdem nichtmehr verlassen, und wo er durch einen Zufall, der sorgfältig berechnet zu seinscheint, den einzigen Weg abschnitt, auf welchem die Männer des Kesruan zuden Maroniten hätten gelangen können, bei welchen der Kampf begonnenhatte.
Bis dahin hatte der Krieg, obgleich er einen ganz besonders wilden Cha-ratter trug, sich in den gewöhnlichen Grenzen dieser Art von Vorkommnissen ge-halten. Plötzlich erfuhr man aber, daß er eine bis dahin unbekannte Ausdeh-nung annahm. Der Dschihad oder „heilige Krieg" war gepredigt worden un-ter den Drusen des Hauran, und inmitten aller Beduinen-Stämme Coelesyriensin der Umgegend von Balbek, und Alle machten sich auf, um den Drusen desLibanon zu Hilfe zu eilen.
Zu derselben Zeit schloffen die Metualis aus der Umgegend von Saida mit den Drusen ein Bündniß, und ergriffen die Waffen, nm denselben beizu-stehen. In den Metzeleien und Feuersbrünsten um Sa-da und Sur machtesich bald eine gewisse Regelmäßigkeit bemerkbar, und schon waren die Bischöfedieser beiden Städte gezwungen gewesen, zu fliehen und sich nach Beirut zuflüchten.
Alle Stämme, welche ich soeben aufgezählt habe, und die sich in einemAugenblicke erhoben hatten, eilten alle nach ein und demselben Punkte. Welcherwar dieser Punkt? Niemand wußte es.
Auf den Abhängen des Anti-Libanon, nach der Seite von Damaseus hin,bestanden zwei reiche und blühende Districte, die beinahe ausschließlich von grie-chischen Christen bewohnt wurden, nämlich jene von Hasheia und Rascheia.Dies war der Weg, dem die Drusen des Hauran folgen mußten, um den Kammdes Libanon zu erreichen und ihre Vereinigung mit ihren Glaubensgenossenaus der Gegend von Beirut zu bewerkstelligen. Die Einwohner von Hasbeiaund Rascheia lebten in der vollkommensten Sicherheit. Der Krieg war weitvon ihnen entfernt, und nie hatten sie sich bei ähnlichen Gelegenheiten bedrohtgesehen. Sie lagen daher mit vollem Vertrauen ihren gewöhnlichen Beschäfti-gungen ob, als ihr Territorium von einer wahren Fluth von' Barbären über-