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schwemmt wurde; von Damascus, angeblich zur Aufrechthaltung der Ordnunggesandte Soldaten, keine Baschi-Bozuks, wie bei Beirut , sondern Nizams,Soldaten der regulären Infanterie, langten zur selben Zeit in den beiden Distrik-ten an. Nachdem sie sich von ihrem ersten Schrecken erholt hatten, begannendie Christen lebhaften Widerstand zu leisten, so daß die Entscheidung schwankte.Aber die Nizams sielen ihnen in den Rücken und begannen das Blutbad, andem nun die zurückkehrenden Drusen einen thätigen Antheil nahmen. DieSchlächterei dauerte mehrere Tage ohne Unterbrechung fort, und die christlicheBevölkerung von Hasbeia und Rascheia ist so zu sagen vernichtet. Kaum 2000Seelen dieser beiden Districte mögen entschlüpft sein, und sich inmitten vontausend Gefahren nach Beirut und nach dem Kesruan geflüchtet haben.
Bei diesem Schrecken fühlt das Herz sich erquickt durch einen Zug desMuthes und der Aufforderung. Den District von Hasbeia bewohnte eine gewisseAnzahl von muselmännischen Emir's, die inmitten der christlichen Bevölkerungund in großer Eintracht mit derselben lebte. Als die Drusen des Hauran dasLand überflutheten, hätten diese Emir's sich leicht außerhalb jeder Gefahr stellenkönnen. Sie thaten dies durchaus nicht. Sie griffen mit den Christen zu denWaffen, thaten alles um sie zu vertheidigen und theilten auch ganz ihr Schick-sal. Einunddreißig derselben fielen in dem Gemetzel, und gegenwärtig sindihrer nur noch drei vorhanden; nach Beirut geflüchtet, sind sie gezwungen, wiedie ärmsten der Flüchtlinge, ihr Brod in den Straßen zu betteln.
Von Hasbeia und Rascheia streiften die Drusen bis in die Umgebungenvon Damascus, wo sie ihre Vereinigung mit den Beduinen von Balbek bewerk-stelligten, und wo sie von Neuem alle christlichen Dörfer anzündeten. JedenAugenblick glaubte man sie in Damascus einziehen zusehen, und die ungeheueremuselmännische Bevölkerung dieser Stadt sprach mehrere Tage lang von nichts, als da-von, der Sache ein Ende zu machen und alle Giaurs (Ungläubige) zu tödten;sie warteten nur auf ein Signal. Die Christen der ersten Stadt Syriens werden nur durch die plötzliche Dazw i schenkunst und die Thatkraft Abd-el-Kader'sgerettet.
Aber bald sammelten sich alle muselmännischen Streitkcäfte vor Zahleh, demSchlüssel aller christlichen Positionen auf dem Libanon, einer bis dahin unbe-siegten Stadt, deren Einwohner-in den vorhergehenden Kriegen immer die Drusenzum Zittern gebracht hatten. Für die Feinde der Christen war die Eroberungdieser Stadt der größte Erfolg, den sie erringen konnten, der. Haupt- und ent-scheidende Triumph. So waren denn auch alle Anstrengungen gegen diesenPunkt gerichtet. Drusen vom Libanon, Metualis, Drusen vom Hauran, Araber,Beduinen Coelesyriens und aus der Ebene Esdrelon, Baschi-Bozuks, Arnauten,reguläre türkische Infanterie mit sechs Stück Kanonen, aus Damascus abgezogenund unterwegs ausständig geworden, versammelten sich vor den Mauern Zahleh's. Die Einwohner zählten nur 2000 streitbare Männer, sie hatten wenig Lebens-mittel und wenig Munition, und dabei waren sie mit einer großen Anzahl vonFrauen und Kindern beschwert, die aus benachbarten Gehöften in ihre Stadpgeflüchtet waren. Nichts desto weniger hielten sie sich mehrere Tage und wichennur der unverhältnißmäßigen Uebermacht ihrer Feinde.
Als in Beirut die Gefahr bekannt wurde von der Zahleh bedroht war, gabsich daselbst eine große Aufregung kund. Von Neuem hielten die Cosuln Rath,und da sie einsahen, daß das Geschick christlicher Dürfen, welche noch auf demGebirge bestanden, so wie die Sicherheit der Stadt Damascus selbst zum größtenTheil von dem Geschicke Zahle's abhänge, entschlossen sie sich, statt vereinzelterSchritte, einen feierlichen gemeinsamen Schritt zu thun, um die türkische Behördezu veranlassen, die Belagerung aufheben zulassen. So begab sich denn das ganze