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Corps der Consuln, begleitet von ihren Dolmetschern, bis nach Bladah zu demPascha. Dieser empfing dasselbe mit den Versicherungen der besten Art. Alles,was man von ihm verlangte, bewilligte er auf der Stelle. Auf Ehrenwort ver-pflichtete er sich die Einnahme Zahleh's zu verhindern, und um die Consuln zuberuhigen, ließ er vor ihren Augen mehrere Regimenter abziehen mit der Wei-sung der Belagerung ein Ende zu machen.
(Fortsetzung folgt.)
Missionsberichte -es hochw. 1^. Franz Xaver Weninger .
(Fortsetzung.)
Ich reiste von Galveston ab; indeß das Methodisten-Blatt stieß die Dro-hung aus, daß im Fall ich es wagen würde durch Texas durchzureisen, sie mirzweifelsohne den Garaus machen und die Haut über die Ohren herabziehenwürden. — Ich konnte natürlich auf solche Drohungen nicht achten, und begabmich in die große, Galveston zunächst gelegene texanische Handelsstadt Houston ,wo auch die nächste deutsche Gemeinde sich befand. Die Mission ging ohneStörung vor sich. Die Protestanten und Radicalen murmelten sich nur in dieOhren, was sie aus den Zeitungen erfuhren; „das ist Der," hieß es — aberdabei blieb es auch.
Ich trat nun meine Reise in das Innere von Texas nordwestlich an. Dieerste deutsche Gemeinde in dieser Richtung befindet sich in Victoria. Man fährt,um dahin zu gelangen, über den Golf von Merico nach Port-Lavaca, DerGolf ist als ein sehr bösartiges Meer bekannt. Er ist nicht tief und da ge-wöhnlich eine sehr starke Brise sich Nachmittags erhebt, so schaukeln die kleinerenDampfboote ungemein, und Alles wird seekrank. Ich leide nicht an dieser Krank-heit, allein man fühlt doch immer sehr deutlich, daß man nicht auf dem festemLande sei. So wie man an das Cap Powderhocn gelangt, und um so mehr,so bald man in die davon nicht ferne liegende Seestadt Port-Lavaca kommt, damerkt man, daß man in ein Land kommt, welches mehr den Typus von Mexicoals von den Vereinigten Staaten an sich trägt. Die Vereinigten Staaten sindbuchstäblich Neu-England . Die ganze Lebensweise ist die der Engländer, ebensoder Bau der Wohnhäuser. Nebstbei sind die Vereinigten Staaten nun kreuz undquer von Eisenbahnen durchschnitten. Texas hat erst einige Ansäge von Houston aus mit Anlegung von Eisenbahnen gemacht. Bis jetzt werden die Transportemit Ochsen-Caravanen bewerkstelligt, und Passagiere reisen mit den berüchtigtenamerikanischen „Stages," eine Art Eilpost aus der älteren Zeit. Da ist mandoch auf den so gefährlichen amerikanischen Eisenbahnen noch weit sicherer alsin diesen Postkutschen, in die man wie Pickelhäringe eingepfercht sitzt. Es ist inder That ein merkwürdiger Anblick, eine ganze Stadt gleichsam mit Ochsen-Zügenbelagert zu erblicken. Alle Straßen sind mit Wagen der ganzen Länge nachbesetzt, vor welchen gewöhnlich mindestens sechs Joch Ochsen gespannt sind, dieganz majestätisch vor denselben auf der Erde liegen, bis die Zeit zur Abfahrtda ist; da fahren dann mehrere zugleich fort, zehn bis zwanzig Wagen, um sichan schlechten Sumpfstellen auf dem Weg wechselseitig Hilfe zu leisten. Welchein Contrast im Vergleich mit den mächtigen Eiscnbahnzügen, wo die Ochsenselbst zu Tausenden in Wägen sitzen! —
Was das Land selbst betrifft, so bietet dasselbe von Port-Lavaca bis Vic-toria den Anblick einer unabsehbaren Steppe. Hat man so eben im Golf nurHimmel und Wasser gesehen, so sieht man jetzt nur Himmel und Gras. ES