Ausgabe 
20 (16.12.1860) 51
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thut deyr Auge wohl, wenn man das anmuthige Städtlein Victoria mit wald-begränzten Anhöhen vor sich erblickt. Ich bemerke hier gelegenheitlich etwasüber die Beschaffenheit des Staates Texas, von dem so viel für und wider inDeutschland geredet und geschrieben wird. Texas unterscheidet sich, was denBoden betrifft, wesentlich, je nachdem man den nordöstlichen oder südwestlichenTheil betrachtet. Der Norden und Osten unterscheidet sich wenig von denübrigen südlichen Staaten. Hingegen die Südwest-Seite ist häufig sanddürresLand und leidet oft sehr an Wassermangel. Es kann geschehen, daß es da sechsbis acht Monate mrd noch länger nicht regnet. Der Boden an und für sich istjedoch durchweg fruchtbar, auch in diesen trockenen Theilen; namentlich was dieHaupterzeugnisse, Baumwolle und Welschkorn betrifft. Für beide ist Texas daseigentliche Vaterland. Merkwürdig ist es, daß einige Flüsse auch von der größtenjahrelangen Trockenheit nicht beeinflußt werden. Ihre Quellen sprudeln immergleichmäßig hervor, ja manchmal bei großer Trockenheit noch reichlicher. Glück-lich, wer sein Land an diesen Flüssen gelegen hat, und dasselbe mit Cauälenbewässern kann. So ist namentlich der St. Antoniusfluß beschaffen.

Was das Klima betrifft, so hat Texas ein beinahe mexikanisches Schön-wetter. Winter und Sommer unterscheiden sich, was die Sonnenhitze selbst be-trifft, wenig von einander. Das heißt, wenn kein Nordwind weht, so hat dieSonne immer große Kraft; doch wenn der Nordwind heult, dann kann es auchin zehn Minuten eine solche Veränderung geben, wie Niemand es glauben kannder es nicht erfahren hat. Es kann geschehen, daß ein paar Männer ohne Rockmit einander reden und schwitzen, und auf einmal erhebt sich im Winter einNordwind, der bis in das Mark der Gebeine dringt und selbst das Wasser ge-frieren macht, und wo Alles beeilt ist, in den Oefen und Kaminen Feuer an-zuzünden. Doch wie der Wind nachläßt, tritt sogleich die Wärme an seineStelle. Man sollte meinen, ein so schneller Wechsel der Temperatur müsse nach-teilig auf die Gesundheit einwirken; in der That ist aber das in Texas den-noch nicht der Fall. Texas ist am Golf bis 12 Meilen landeinwärts ein wegender Pest des gelben Fiebers höchst gefährliches Land. Hingegen im Innern istTexas das nach Minnesota gesundeste Land, das ich in Amerika angetroffen.Ich fürchtete die drückende Hitze, allein ich fand dieselbe in der That nicht solästig wie in den nördlichen Staaten, oder wie in New-Orleans und überhauptin Louisiana. Es weht nämlich durch die zehn warmen Monate beständig dieangenehmste Brise vom Golf landeinwärts, so daß beide Winde, der Süd- undNordwind, kühl und erfrischend wehen. Während in New-Aork an einem heißenSommertag zehn Todesfälle am Sonnenstich sich ereignen können, ist ein Sonnen-stich in Texas unerhört. Doch wehe, wenn die Brise ausbleibt; da schnapptman auch im Innern von Texas nach Luft wie der Fisch nach Wasser; alleines ist selten der Fall- Ich fand auch durchweg, daß die Leute, die in Texas einpaar Jahre gelebt nicht ohne Schrecken an die Winter des Nordens gedenkenkönnen. Die göttliche Vorsehung vertheilte das Angenehme und Unangenehmeso in der Welt, daß jeder Theil seine Bewohner an sich zu fesseln geeignet ist;sonst würden wohl Alle sich gerade nur an die besten und angenehmsten Stättendrängen, und die Erde würde nicht allgemein bewohnt, sondern nur an gewissenOrten ganz überfüllt sein So anziehend z. B. das Klima von Texas im Ver-gleich mit den nördlichen Staaten ist, so hat es doch anderseitsso abschreckendeEigenthümlichkeiten, daß Tausende ohne Bedenken ihm jede Strenge des Wintersvorziehen. Dieses Abschreckende sind die unzähligen ekelhaften und höchst gefähr-lichen Jnsecten. Die lästigen Moskitos sind freilich nur am Golf, das Innerevon Texas ist von dieser Plage des Nordens frei; aber welch eine Unzahl vonschwarzen Spinnen, Seorbionen, Taranteln und besonders von den berüchtigteneoini^ oder Tausendfüßlern durchwimmelt das Land. Am wenigsten gefähr-