Ausgabe 
20 (16.12.1860) 51
Seite
407
 
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lich find aus diesen die Scorpionen. Ihr Biß schmerzt wüthend eine sehr kurzeZeit, dann ist es vorbei. Es gibt Wespen, die ärger stechen. Die schwarzenSpinnen können lebensgefährlich werden. Die Taranteln sind noch weit gefähr-licher; am giftigsten aber sind die Lenripeä. Diese colossalen ekelhaften giftigbefaßten Würmer erreichen die Länge von 9 bis 16 Zoll. Ihr Biß ist mehrgefürchtet, als der einer Klapperschlange. Sie halten sich in altem oder feuchtemGemäuer, und in faulem Holze aus. Was die Klapperschlangen betrifft, sokommen selbe selbst in den Städten bis in die Zimmer, wie z. B. nach St.Antonio, wo es jährlich Todesfälle in Folge von solchen Bissen gibt. Es istHiebei jedoch zu bemerken, daß jedes dieser giftigen Thiere den Menschen flieht,so lange es kann. Darum thun die Mexicaner nicht schwer mit denselben.Sie lassen solche gewähren, d. h. diese Jnsecten halten sich über den Zimmernunter denMächern auf, und dableiben sie. So wie man sie aber dort verfolgtkriechen sie überall herum und werden um so gefährlicher. Der Deutsche bliebtein reinliches Haus, und so kommt er nicht selten mit dergleichen Miteinwoh-nern in Conflict. Ich halte es jedoch für etwas außerordentliches, daß trotzder Menge dieser Thiere es doch jo selten vorkömmt, daß Jemand verletzt wird.Es kam mir nicht ein einziger Fall vor, daß ein Deutscher von einem Oemipeägebissen wurde, und doch sind deren überall zu finden, kriechen manchmal dieKleider hinan oder fallen in der Stube vor dem Gesichte auf den Boden nieder.Ja die Scheu, die anfänglich jeden Einwanderer vor diesem Ungeziefer befällt,verwandelt sich bald in eine wirkliche Verachtung dieser Gefahr. Es gibt Viele,welche das ganze Jahr im Freien schlafen ohne die geringste Angst vor demnächtlichen Besuch solcher Jnsecten. Wenn somit einer meiner geehrten LeserLust hat, nach Texas einzuwandern, so darf er sicher sein, die Angst vor dieserLandplage dürfe ihn durchaus nicht zurückhalten. Es bewährt sich da ganz auf-fallend das Wort des Herrn: Kein Haar werde ohne den Willen Gottes voneuerem Haupte fallen. So viel im Vorübergehen von dem Lande selbst. Ichrathe Keinem hin, ich rathe Keinem ab; aber würden die guten Tiroler vonPriestern begleitet auswandern, so meinte ich doch, Minnesota und Texas imInland wäre, weil so gesund, eine weit geeignetere Aösiedlung als Peru . Ichnehme den Faden meines Missionsberichtes wieder auf.

In Victoria hatte ich wie in Houston englisch und deutsch zu predigen.Das ist in der That lästig und anstrengend. Ich mußte dabei den Heißhungerdes englischen Volkes nach dem Worte Gottes bewundern. Menschen aus denbesten Ständen, selbst Advocaten und Prediger, saßen durch eine ganze Stundeda, bis die deutsche Predigt vorüber war, und dann die Reihe an sie kam. Esfing der Methodisten-Sauerteig allda zu gähren an; doch kam die Sache erst nachmir zum Ausbruch. Es reute die Methodisten, daß sie mich so unbeirrt gewährenließen, besonders da ich zu Victoria, wie auch zu Houston und Galveston Prote-stanten in den Schooß der katholischen Kirche aufnahm. Ich ging nach St. An-tonio ab, um allda zuerst die Charwoche zu feiern, und dann am hl. Ostersonn-tag selbst mit der Mission zu beginnen. In St. Antonio lebt eine große An-zahl Mexicaner. Sie haben eine große Kirche. St. Antonio kann ungefähr12,000 Einwohner zahlen. Auch die Deutschen sind dort sehr zahlreich. TexaSerhielt einen beträchtlichen Theil der Einwanderer vom Jahre 1848. Ich hättenie geglaubt, daß diese Stadt es sein sollte, wo das Gewitter der Methodisten-und Radicalen-Verfolgung sich über mich entladen sollte, um mich dann durchganz Texas zu begleiten.

(Fortsetzung folgt.