Ausgabe 
20 (23.12.1860) 52
Seite
410
 
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Munition, die der Stadt noch hätte geleistet werden können, abgeschnitten war,und dort blieben sie ohne sich zn rühren.

Die Einwohner Zahlchs erwarteten mit Ungeduld die Hilfe Joseph Kawam's,die ihnen angezeigt worden war. Als sie ihn nicht eintreffen sahen, und wederBrod noch Pulver mehr hatten, entschlossen sie sich, die Stadt zn räumen undsich kämpfend durch ihre Feinde nach dem Kesruan durchzuschlagen, Nicht Alleerreichten dieses Land der Rettung: eine große Anzahl blieb auf dem Wege;indessen kann man sagen, daß es der Mehrzahl der Bevölkerung von Zahleh ge-lang, sich zu retten.

Es waren in der Stadt einige Nachzügler, einige Frauen und einige Kin-der zurückgeblieben, Leute, welche hofften, nichts für ihr Leben befürchten zumüssen. Alle mußten über die Klinge springen. Zwei Jesuitenväter empfingenzu Zahleh die Martyhrer-Palme: der eine, ein Araber, wurde getödtet in demAugenblick, wo er auf seine Rettung bedacht war; der andere, ein Franzose, derPater Billotet wurde im Beichtstühle ermordet, wo er einigen Unglücklichen, diesich zum Tode vorbereiteten, die Absolution gab. Die Drusen des Hauran zeigtenvor allen andern eine besondere Wildheit. Die Drusen des Libanon zogengegen dieselben den Säbel, um aus ihren Händen die französischen Ingenieurezu befreien, die auf dem Wege nach Damakus beschäftigt sind, und die sie eben-falls morden wollten. Dieses geschah am l8. Juni.

Am folgenden Tag wandten die Würger sich in Menge von Zaleh nachDeck- el Kamar. Der türkische Divisions-General Feryk-Pascha war noch mitseinen Soldaten in der Stadt, und zwar unter dem Scheine, die Ausführungdes Vertrages zu garantircn, welchen er die Einwohner hatte unterzeichnen lassen.Als die Horden, welche Zaleh genommen hatten, vor Dew el Kamar anlangtenließ Feryk-Pascha die Christen sich versammeln und sagte ihnen, daß sie voneiner großen Gefahr bedroht seien; daß sie derselben aber entgehen könnten,wenn sie ihre Waffen ablieferten und sich in das Serail zurückzögen unter demSchutze der türkischen Ehre. Die Unglücklichen glaubten seinem Worte, liefertenihre Gewehre ab, und zogen sich so entwaffnet, theils in das Serail, theils indie Kirche und Häuser zurück. Daraus wurden die Stadtthore den Drusen ge-öffnet, welche, unterstützt von den türkischen Soldaten, die Schlächterei begannen.Alle Häuser wurden mit Gewalt genommen; was aber die Christen betrifft,welche in das Serail geflüchtet waren, so wurden sie mit Stockschlägen und Bayonnet-stichen gezwungen, einer nach dem andern das Serail zu verlassen und sich denSchüssen der Mörder auszusetzen, welche aus sie gerichtet wurden, sobald sie vorder Thüre erschienen. Das Blutbad dauerte vom Morgen bis zum Sonnen-untergang; 2730 Personen verloren dabei das Leben. Ich kann Ihnen dieseZahl verbürgen; sie ist auf authentische Weise durch ein Actenstück beglaubigt,das den verschiedenen Consulaten zugestellt worden ist/')

Was nun die Details betrifft, welche erzählt werden von einzelnenPersonen, die dem Blutbad haben entrinnen, so wie von Verwundeten, die sichbis Beirut haben schleppen können, so sind sie grausenerregend. An diesem Bluttagebestand der Lieblingsscherz der Drnsen und Türken, darin, die unglücklichenChristen von De>r el Kamar aus dem Kreuze zu ermorden, indem sie ihnen zu-riefen:Warum rettet dich jetzt dein Gott nicht?" Andere sind auf der fran-zösischen Flagge mit ähnlichen Worten getödtet worden. Die Schule der Stadthatte, als Zeichen des Schutzes, die dreifarbige Fahne aufgezogen; sie ist nichtsdesto weniger verbrannt und die Farben Frankreichs in den Koth getreten worden.

Was wird Europa? was wird Frankreich zu diesen Greuelthateu sagen?

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*) Als die französischen Truppen nach De'i'r el Kamar kamen, fanden siedaselbst in denStraßen noch 300 unbegrabene Leichen, welche von ihnen bestattet wurden.