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Damascus, den 12. Juli.
Dies ist ohne Zweifel mein letzter Brief, und ich schreibe ihn, damit Du,Wenn ich nicht mehr bin, die Verluste beanspruchen kannst, die wir durch Plün-derung und Feuer erlitten haben .... Das christliche Quartier besteht nichtmehr, das jüdische Quartier ist zerstört, und das Feuer dehnt sich schon nach demtürkischen aus; der Anfang wurde von den Türken gemacht, später fielen nochvielleicht 50,000 Drusen, Araber, Beduinen u. s. w. über die Stadt her, dieüberall plündern und brennen, selbst in den muselmännischen Quartieren: diechristliche Bevölkerung zu Damascus besteht aus 20,000 Seelen und 5—6000von jenen, welche in benachbarten Städten und Dörfern dem Blutbad entronnensind^ in diesem Augenblicke haben sich 4—5000 in die Festung geflüchtet, 1000in türkische Häuser, die andern sind unter der Axt gefallen oder verbrannt;später, wenn Gott will, daß ich der Gefahr entgehe, werde ich das Nähere mit-theilen. Der Emir Abd-el-Kader wird zuletzt angegriffen werden; er hat 3000entschlossene Algierer um sich, aber das Feuer kann auch ihn zwingen.
(Schluß folgt.)
Misstonsberichte -es hochw. t?. Franz Xaver Weninger.
(Fortsetzung.)
Meine Feinde hatten die Sache sehr schlau angelegt. Sie verbreitetendurch Zeitungen, ich zöge durch das Land, um alle katholischen Frauen vonihren protestantischen Männern zu jagen. Das wirkte; denn das allarmirte^ alle diese Portestanten und gab auch den Radicalen einen erwünschten Anhalts-punet. Sie wußten wohl, daß sie mit den Verleumdungen der Missionen an undfür sich nicht durchdringen konnten. Es traf sich nun, daß der reichste und ein-flußreichste Protestant zu St. Antonio, ein Bierbrauer, eine katholische Frauhatte. Dieser Mann stellte sich wie ein Absalon an die Kirchthür und fordertedie Hineingehenden auf, mich zu lynchen, d. h. durch Volksjustiz zu richten.Davon weiß man in Deutschland und überhaupt in Europa nichts mehr, seitden Tagen der Revolution. Hier in St. Antonio ist das kein ungewöhnlicher Fall.Derselbe ereignet sich auch sonst in den Vereinigten Staaten. Wenn das Volkeines großen Verbrechers habhaft wird, so hängt man denselben ohne Weiteresauf. Es geschah schon, daß um St. Antonio herum mehrere Leichen zugleich vonden Bäumen hingen. Die Sache wollte jedoch nicht ziehen, bis sich ihm einSherif der Stadt selbst anschloß. Er hatte ein Weib, die früher schon dreiMänner hatte. Als diese ihm erklärte, sie könne keine Lossprechung erhalten,sondern müsse ihn vorerst verlassen, da brach der Stnrm los. Er kam zu einemkatholischen Bürger, zeigte ihm einen Dolch und sagte: Dieser Dolch ist fürden Missionär heute Abend bestimmt. Man sagte es mir. Ich predigte den-. selben Abend von der Verehrung des h. Herzens Jesu, und sah eine Menge ganz
, ungewöhnlicher Gesichter in der schönen, großen deutschen Kirche, die 30,000
l Thaler gekostet. Ich hatte auch da in zwei Sprachen zu predigen. Man hörtemich mit gespannter Aufmerksamkeit an. Als die Predigt vorüber war, erhobsich ein Gemurmel. Die Verschworenen besprachen sich, was zu thun, und wag-ten sich nicht an mich. Ich gab den Segen mit dem allerhl. Sacrament undentließ das Volk. Es sollte nun der besondere Standesunterricht der Jünglingebeginnen. Ich bemerkte, daß sich das Volk nicht entfernen wolle. Ich fragteum die Ursache; da hieß es, die ganze Straße sei voll von bewaffneten Prote-stanten. Der Rädelsführer kam ganz nahe an mich. Ich trug ihm dagegenganz ruhig einen Platz an. Da wendete er sich um, und sagte ganz entrüstet:Jetzt haben wir ihn doch nicht. Er entfernte sich und ich hielt meinen Stan-