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des-Unterricht. Man erwartete des Nachts einen Angriff auf das Haus, woich bei den Schulbrüdern wohnte. Es geschah jedoch nichts. Des andern Tageshingegen war die ganze Stadt voll Drohgerüchte. Man wolle, koste es wases wolle mich Abends in der Kirche ermorden, oder außer der Kirche aufhängen.Das erfuhren nun auch die Katholiken, und ohne daß ich etwas davon wußte,bewaffneten sich dieselben. Namentlich zeigte sich dabei der französische Charakterin seinem eigenthümlichen Lichte. Es gab Franzosen , die wohl 30 Jahre nichtmehr in die Kirche gingen, Allein als andere zu ihnen kamen und ihnen sagten:
^ujourciliui notre »sinkt! ivligion sora stlsguee — venex pour 1s llekencle-:!
(Heute wird unsere h. Religion angegriffen, — kommt, um sie zu vertheidigen)
-— da zogen sie sogleich ihr Pistol und gingen mit: Ssn» cloukv, oui — il t'smI,. lletenäl't! ! (Ohne Zweifel — ja — man muß sie vertheidigen). Als dieRebellen davon Wind bekamen, da kühlte sich ihr Müthchen ab. Die ganzeKirche war gedrängt voll und bewaffnet; auch der Major der Stadt war gegen-wärtig. Ich feierte die Erwählung Mariä zur Mutter, und Alles lauschte aufjedes Wort mit Ehrfurcht und Bangen. Es geschah nichts und ich beschloß denandern Tag hochfeierlich die Mission. Hierauf gab ich noch den Ursulinerinnenin französischer Sprache die ltou-siie, und ging nach Castroville.
Da lebt eine große Anzahl von Elsäßern und Schweizern. Auch da ge''lüftete es einem She'rif, das Beispiel von St. Antonio nachzuahmen. Doch mitElsäßern und Schweizern ist nicht viel zu scherzen. Er gab sein Ansinnen baldwieder aus. Dagegen war die nächste Station eine höchst gefährliche. Es wardie letzte, sehr nahe an der Gränze von Mexico gelegen. Der Priester, der michdahin begleitete, sagte: Ich kenne die Leute; ich gehe nicht dahin, es sei denn,ich habe zuvor eine Generalbeicht abgelegt. Es gab dort ganz wüthende Ra-dieale. Der Ort heißt D'Haunis. Al» wir dort ankamen, da rotteten sichdiese Kameraden sogleich der Kirche gegenüber in einem Gasthause zusammen,und fingen zu saufen und zu singen an. Ich hatte die Nacht allein in einerhöchst unsaubern von Ungeziefer wimmelnden Sacristei zuzubringen. Das wareine in der That sehr unsichere Nacht, die ich lange nicht vergessen werde. Dochauch hier verzog sich das Drohgewitter. Gott fügte es nämlich hier und anallen folgenden Orten, daß sich jedesmal ein Haupträdelssührer bekehrte, dermich dann beschützte.
So hier zu D'Haunis. Als ich allein im Wohnhaus war, das ich nachjener Nacht bewohnte, da kam er zu mir und sagte: Fürchten Sie sich nichtvor mir; ich komme um Ihnen meinen Respect zu beweisen. Man wird Ihnengesagt haben, ich stünde an der Spitze des Mob, den man gegen Sie angezettelt.Hochwürdiger Herr! ich habe Ihre Predigt gehört, und jetzt solle Einer etwasgegen Sie anfangen, da rechnen Sie nur auf meine Hilfe. — Es trug sichübrigens in D'Haunis ein sehr merkwürdiger Fall zu. Ich pflege nämlich inden Kirchen, wo ich Missionen gebe, wenn das Kreuz sich nicht im Freien aus-richten läßt, in der Kirche selbst ein Kreuz, 12 Fuß hoch, aus Wallnußholz ver-fertigt, aufzurichten. Jedes dieser Kreuze trägt die Inschrift in Gold: „Werausharrt bis ans Ende, wird selig." Da nun in dem kleinen Städtlein D'Hauniskein Vergolder war, so ließ ich das Kreuz zu Castroville verfertigen, und mitder Inschrift in Gold zieren- Man wickelte das Kreuz ein und legte es auf einenWagen. Mir bangte gleich anfänglich, die Inschrift würde beim Fahren ab-gerieben und verletzt werden. So war es auch. Als das Kreuz ankam undenthüllt wurde, da war dir Inschrift beinahe unleserlich und ganz weggerieben.Der Pfarrer war trostlos. Doch siehe, was geschieht. Das Kreuz blieb so dreiTage lang in meinem Zimmer stehen. Als die Zeit kam, daß man dasselbezur Einweihung in die Kirche bringen sollte, siehe, da stand die Inschrift un-versehrt in vollem Goldglanze da. Wie der Pfarrer das sah, rief er: das haben