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Sie gethan! — Freund, wie können Sie so etwas denken, war meine Antwort,ich habe doch kein Gold mitgebracht, und verstehe mich auch nicht darauf. Allesverwunderte sich. Das Kreuz stund die ganze Zeit in meinem Zimmer. Nie-mand berührte es. Da sagte ich den Leuten: Wisset ihr, Freunde, was dieszu bedeuten hat? Weder mein Predigen, noch eure Vorsätze können uns dieGnade der Beharrlichkeit versichern, sondern sie ist und bleibt eine Gnade.Bitten wir Gott recht oft und inständig um dieselbe vor diesem Kreuze. —Mir war dieser Fall um so trostreicher, weil es die äußerste Station meinerMissionsreisen in dieser Richtung war. Ich ging von D'Haunis nach Friedrichs-burg. Diese Stadt liegt säst an dem Territorium der wilden Comanches-
Jndianer. Da zog sich wieder gegen mich das Gewitter des Hasses und der
Wuth der Radikalen schwarz in den drohendsten Formen zusammen. Eben zurZeit der Mission sollten auch die Sänger von Texas ihr Sängerfest dort feiern.Was konnte diesen ungelegener kommen, als eben diese Mission?
Es fügte, sich, daß die Kirche, wo ich Mission hielt, gerade an dem ent-gegengesetzten Theil der Stadt gelegen war. Dies war ein sehr erwünschter
Umstand. Die Sänger hatten sich ein Gezelt für Musik, Spiel und Tanz auf-geschlagen, und vor der Kirche wurde auch ein Zeltdach aufgespannt, um dieMenge der Zuhörer zu beschatten, welche nicht Raum in der Kirche fanden.Die Sänger wagten es nicht, sich dem Stadttheil der deutschen Kirche zu nahen;selbst nicht als sie ihre Proeessions-Umzüge hielten. Man hörte ihr Lärmennur von ferne, während das andächtige Glöcklein der Kirche die Leute zu den geist-lichen Uebungen rief. Das ganze war eine lebhafte Illustration der Meditationvon den zwei Fahnen. Indeß, die Sache sollte doch nicht ohne Mobversuchgegen mich ablaufen. Es erhoben sich einige der Haupträdelsführer und bean-tragten, mich in der Nach: zu besuchen unb aus Friedrichsburg zu verjagen.Dagegen nahm ein Advokat aus St. Antonio das Wort. Wie, sagte er, meineHerren, Sie thun sich so viel auf die Redefreiheit von Amerika zu Gute! wiekönnen Sie einem Priester verwehren, in der Kirche rundweg seine Meinungherauszusagen? Wenn Ihnen seine Predigt nicht zusagt, so bleiben Sie davon.Im Falle Sie sich unterstehen und thun dem Priester Gewalt an, dann meineHerren haben Sie es mit mir zu thun; ich werde ihn vertheidigen. Darauferwiederten die Haupträdelsführer: Nun denn, wenn es hier nicht geschieht, daßder Missionär gemobt wird, so soll das doch gewiß in Neu-Braunsfeld geschehen.Sie gingen darauf eine Champagner-Wette ein, mich in Braunsfeld zu über-fallen. Ich ging dahin ab, und es kostete sehr viel, einen Priester als Begleiterdahin zu bekommen. Jeder fürchtete sich. Die Gemeinde war schon drei Jahreohne Priester, um so weniger durfte ich dort die Mission unterlassen. Endlichentschloß sich der Generalvicar von St. Antonio mit mir zu gehen. Die Lageder Kirche selbst erleichterte jedes Attentat gegen mich. Die katholischen Bürgersind seit Erbauung derselben größtentheils 5, 6 bis 8 Meilen weg von derStadt auf das Land gezogen. So war ich mitten unter deu Protestanten.Sie konnten ihre Wette leicht gewinnen. Man warnte mich besonders vor einemWirthe daselbst. Ich jedoch ging, als ich ankam, gerade zu ihm, und speistedaselbst. Der Mann wurde ganz enthusiastisch für mich und die Mission ein-genommen. Als die Mitte der Mission herankam und die Rädelsführer an ihreChampagner-Wette dachten, da sprachen sie ganz offen im Gasthaus von ihremPlan. Allein der reiche Gastwirth nahm meine Partei und sagte: Meine Herren,ich warne Sie, dem Missionär etwas anzuhaben. Sie sollen wissen, daß ichbereit bin. denselben zu vertheidigen, und koste es mich mein ganzes Vermögen.Sogleich bezahlen Sie den Champagner, nnd wir trinken denselben im Friedenmit einander aus. So geschah es auch. Ich bemerke hier gelcgenheitlich, daßich in Braunsfeld auch den Trost hatte, zwei Tirolerfamilien zu begrüßen. Graf