Ausgabe 
20 (23.12.1860) 52
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Coreth wohnt nämlich ein paar Meilen von Braunsfeld entfernt, nnd HerrCarl v. Mayerhofen ungefähr 30 Meilen. Letzterem schrieb ich. Er kam mitseiner Gemahlin, was mich sehr erfreute, und wohnte dem Schluß der Mission bei.

Ich begab mich von Braunsfeld nach Austin, der Hauptstadt des Landes.Die Anzahl der Deutschen ist daselbst klein. Ich predigte vorzüglich englisch.Wer sollte es glauben selbst hier wurde ich bedroht. Man schrieb nämlichganz absurde und infame Lügen in die deutschen Zeitungen, als hätte mich dieBevölkerung von Castroville, aufgeregt durch meine anstößigen Standespredigtcn,bis St. Antonio verfolgt rc- rc. Von allem war kein Wort wahr. Dochschlechte deutsche Radicale übersetzten diese Berichte ins Englische, und lasendieselben auf Gassen und Straßen den Amerikanern vor. Indeß, diese konntenmich selbst hören, und somit verzog sich das Ungewitter auch hier. Es erübrig-ten noch drei deutsche Gemeinden in der Nähe von Friedrichsburg. Auch dawar ich in einer dieser Gemeinden in großer Gefahr. Ein Protestant, dessenFrau katholisch war, und die ihm erklärte, daß alle Kinder katholisch erzogenwerden müßten, kam in Raserei und sprengte an die Kirche heran. Nachdemer sich um dieselbe herum satt geflucht, wollte er den Mob einleiten. AlleinGott fügte es, daß gerade Der, welchen er zum Leiter des Aufstandes sich erkoren,bereits zur Beichte gekommen war und ihm erklärte, er schieße ihn sogleich nieder,wenn er etwas gegen mich unternähme. So kam ich auch hier unversehrt davonund hatte noch den Trost, in der nächsten Pfarre acht Protestanten in die h.Kirche aufzunehmen, d. h. alle, die in jener Pfarre sich befanden. Ich wohntebei dieser Mission in einem ganz bethlehemitischen Pfarrhaus, nämlich in einemPferdestall. Es war dies die einzige Hütte nahe an der im Walde gelegenenKüche. Indeß bietet ein solches Pfarrhaus doch mebr Trost in meinem Beruf,als alle die bequemen Wohnungen, die ich als Missionär in Deutschland beiMissionen bewohnte.

Die Bisthnmer Asiens .

Asien , der größte Welttheil, die Wiege des Menschengeschlechts, dessengrößere Hälfte er allein in sich birgt, die Geburtsstätte des Christenthums, dessengöttlicher Stifter daselbst seine irdische Laufbahn wandelte, hat hinsichtlich derAusbreitung der christlichen Religion durch Gottes Zulassung ungemeine Rück-schritte gemacht. Alle jene blühenden Gemeinden und Bischofssitze, Zeugen derruhmvollen Wirksamkeit der Väter der Kirche, sie sind zerstört, auf ihren Trüm-mern Hausen rohe Horden, fanatische Feinde des Christenthums, deren Wuth erstganz neuerdings Ströme christlichen Blutes geflossen sind. Auch in den weitergelegenen Ländern dieses ungeheuren Welttheils kämpft Satan mit äußersterMacht für seine Herrschaft, und weicht nur Schritt vor Schritt vor dem vonallen Seiten eindringenden Evangelium zurück. Ob aber auch dieses Eindrin-gen bisher nur sehr langsam von Statten gegangen ist, so dürfen wir uns doch 'der Hoffnung hingeben, baß auch für diese im Todesschlaf befangenen Gegendender Tag des Erwachens nahe sei.

Unter 650 Millionen Bewohnern befinden sich im Ganzen annähernd sechsbis höchstens sieben Millionen katholischer Christen (die Anzahl der Protestantenist kaum nennenswerth), von welchen die größere Hälfte allein auf die Philip-pinischen Inseln kommen. Sie sind unter 109 Diöcesen vertheilt, von denen38 allein auf die asiatische Türkei kommen, 25 auf Ehina und seine Nebenlande,

22 auf Ostindien, 8 auf Anam, 4 auf die Philippinen, 3 auf Persten, aufJapan, Siam, Java, Borneo je 1. Die der Zahl der Gläubigen nach größtenDiöcesen befinden sich begreiflicher Weise auf den Philippinen, wo 3Vr Million