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ganzen Jahrhundert werden gezählt, in denen nicht größereKriegsoperationen stattfanden. Und in diesen Kriegen,unter denen die Karls V. gegen Franz I. von Frank-reich eine besonders wichtige Rolle einnehmen, lag dieEntscheidung vielfach geradezu in der Summe derverfügbaren Mittel. Mehr als einmal sehen wirKarl V. seinem Verderben nahe und noch zu rechter Zeitwird er immer wieder aus seiner Lage befreit. Undfragen wir: wodurch? so ist die Antwort: durch das Geld;durch Eröffnung eines neuen Kredites, womit er sichdie nöthigen Truppen verschaffen konnte. Am deutlichstenkommt indeß die Macht des Geldes zum Ausdrnct beider Kaiserwahl Karls V. Hier hat bekanntlich dasGeld eine außerordentliche, um nicht zu sagen widerlicheRolle gespielt. Die Bedeutung Franz' I. in seiner Eigen-schaft als Rivale bei der Kaiserwahl beruhte vorzugs-weise in den reichen Geldmitteln, über die er verfügte;die Wahlfrage war geradezu eine Geldfrage; dieKurfürsten gaben ihre Stimme nur gegen enorme Zahlungs-versprechen, für deren Erfüllung zugleich die beste Sicher-heit geboten werden mußte. Die Wahl zum Kaiser kosteteKarl V. nahezu 1,0 0 0,0 0 0 fl., eine ungeheure Summe,wenn man den damaligen Werth des Geldes im Augebehält.
Ein weiterer Punkt, der ungeheure Geldmittel er-forderte, war die allmählige Umwandlung des mittel-alterlichen Feudalstaates in einen Beamten st aat. DasMittelalter hatte nach der ganzen Natur seiner Wirth-fchaftsverfassung lediglich Grundeigenthnm als Zahlungs-mittel für öffentliche wie für private Dienstleistungen ge-kannt; die Neuorganisation der Verwaltung machte un-geheure Geldmittel nothwendig.
Dazu kam, daß die Staatsthätigkeit allmählig be-deutend an Umfang gewann und deßhalb auch das Geld-bedürfniß entsprechend zunahm.
Wir finden somit, daß die ganze Entwickelung zueiner immer steigenden Bedeutung der Macht des Geldesführte uist> daß bereits in der Zeit, welche wir uns vor-zustellen haben, das Geldbedürfniß der Fürsten einenhohen Grad erreicht hatte.
Demgegenüber taucht von selbst die Frage auf, wiediesem Bedürfnisse genügt wurde?
Um diese Frage gebührend würdigen zu können,muß man die ganze staatsrechtliche Stellung eines Fürstendieser Zeit und dessen Finanz wirthschaft im Augebehalten; und uns möchte es dünken, als ob der Ver-fasser in dieser Beziehung die Stellung des Fürsten nicht scharf genug hervorgehoben, sondern etwas zu vielals bekannt vorausgesetzt hat.
Durch die goldene Bulle (1356) war die Reichs-gewalt den Kurfürsten ausgeliefert worden; letztere warenzu wirklichen Landesherren geworden. Damit ward dieStellung des Kaisers eine bedeutend andere, eine ab-hängige. Aber auch die Stellung der Landesherren warin dieser Zeit eine durch die Macht der Landständesehr beschränkte; gerade in unsrer Zeit waren die Land-stände zur Blüthe ihrer Bedeutung gekommen. DieseMacht der Landstände und die entsprechende Ohnmachtder Fürsten tritt gerade in der Finanz Wirth schuftderselben am deutlichsten zu Tage. Die Fiuanzwirthschaftdes Staates fiel auch jetzt noch im wesentlichen zusammenmit der Fiuanzwirthschaft des Fürsten , er hatte eine be-schränkte Zahl von Einnahmequellen, die Staatsthätigkeitund damit die Bedürfnisse wuchsen immer mehr. Nehmenwir außerdem estuzu, daß die Fürsten vielfach zudem
noch außerordentlich schlecht wirthschafteten, so fehlt nichtsmehr, um uns deren ständige Geldverlegenheit zu er-klären. Die Einkünfte des Fürsten bestehen im wesent-lichen in Grundgefällen, in den Erträgnissen der sogen.Regalien, der nutzbringenden Hoheitsrechte: eine Einnahmeaus eigentlichen Steuern in unserm Sinne kannte dasMittelalter nicht,
Der Fürst suchte deßhalb seine Einkünfte gegenüberden steigenden Bedürfnissen zunächst zu steigern durch einerationelle Ausbeutung der ihm zustehenden Rechte; dieDomänen werden verpachtet, der Bergbau erhält einenneuen Aufschwung. Allein diese legale Steigerung derKammereinkünfte reichte nicht hin zur vollen Befriedigungdes Geldbedürfnisses, und da stand der Fürst vor derWahl: entweder von seinen Ständen gegen Verzicht aufdie wichtigsten Rechte, gegen Einräumung der weitgehendstenZugeständnisse Abgaben bewilligt zu erhalten, oderunabhängig von den Ständen außerordentliche Maßregelnzu ergreifen, insbesondere auch den Kredit in Anspruchzu nehmen. Die zweite Art der Befriedigung wurdevielfach vorgezogen und kam in verschiedener Weise zurGeltung.
(Schluß folgt.)
Neue hochwichtige Entdeckungen auf der zweitenPaliistinafahrt.
Erwerbung Kapharnaums für das katholischeDeutschland und des Johanniterspitals fürPreußen von Professor Dr. Sepp.*)
Dr. 8. L. Schon vor 50 Jahren hat der Verfasserdes zu besprechenden Werkes seine erste Orieutreise unter-nommen und deren Resultate in dem „Pilgerbuch nachPalästina, Syrien und Aegypten" (2 Bde. 1863, 2. Aufl.mit 550 Illustrationen 1873 u. 1876) niedergelegt. 1874hat er zum zweiten Male das hl. Land durchforscht undwar seitdem bemüht, durch Forschen und Vergleichen diebiblische Geographie und Topographie zu bereichern. Be-sonders lebhaft trat und tritt der Verfasser dafür ein,daß auch Deutschland im hl. Land Besitz erwerbe undvon dem Nachlasse der Kreuzzüge soviel als möglich zuretten suche. Er hat vor allem auf den Muristan, dasehemalige Johanniterspital in Jerusalem , und auf ChirbetMinieh am See Genesareth hingewiesen und kann sichschmeicheln, daß seine Mahnungen williges Gebor fanden,indem der Muristan von den Protestanten, Chirbet Miniehvon den Katholiken Deutschlands erworben wurde. Esist das ein schöner Erfolg, dessen sich der energische Forscherrühmen kaun. Warum gerade Chirbet Minieh dem ka-tholischen deutschen Palästinaverein so sehr an's Herz ge-legt wurde, erklärt sich aus der von Professor Dr. Seppmit aller Entschiedenheit vertretenen Ansicht, daß ChirbetMinieh mit Kapharnaum identisch sei. Dem Beweis fürdiese Behauptung ist ein ziemlicher Raum im vorliegen-den Werke gewidmet. Bei der Wichtigkeit der Sache istes wohl gestattet, näher darauf einzugehen.
Sepp nimmt an, daß die Juden wegen der mKapharnaum ansässigen Christen, welche in der Rabbinen-sprache: Nimm — Abtrünnige heißen, diese Stadt spott-weise Kaphar Miuim (richtiger wohl K. phar Miuim) ge-nannt hätten. Sepp belegt zwar den Ausdruck Nimm— Christen, sowie die Thatsache , daß in Kapharnaum,
*) Mit zwei Karten und zahlreichen Illustrationen.2 Bände. (386 -s- 292.) München : Lit. Institut Dr. M.Huttler. 1896. Preis 12 M.
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