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Christen wohnten; aber die Hauptsache, worauf es geradeankommt, den Namen Kaphar Minim für Kapharuaumkann er nicht belegen. Seine Gleichung: Lupstnr Mstom— Xaximr Nimm — Lastr Ntoioli (so Berghaus1835) — 6stirstet Niuiest ist zwar möglich, aber nichterwiesen.
In Kapitel 26 will Sepp aus der christlichen Tra-dition nachweisen, daß man zu Minieh das biblischeKapharuaum suchen müssen. Es ist höchst interessant,zu sehen, wie Quaresmius, Fröre Lisvin, Furrer(2vkV 1879), Sepp die Pilgerberichte für sich in An-spruch nehmen, wiewohl Quaresmius und Sepp fürMinieh, Lkövin und Furrer für Tel Hum eintreten, dieAnsichten also getheilt sind. Furrer hält den Beweis fürerbracht, daß bis zu Anfang des 17. Jahrhunderts nieirgend ein Reisender oder Geograph Kapharuaum anders-wo als zu Tel Hum gesucht habe. Liövin hält nur TelHum für die richtige Stelle, obwohl die erste Autoritätseines Ordens, der gelehrte Guardian Quaresmius, demer sonst fast überall folgt, in der Oesoriptio tsrrassnnotas 1628 (II, 854) ganz formell schreibt: „An derStelle von Kapharuaum sieht man viele Ruinen undeinen elenden Khan (äiversorium). Derselbe liegt 6 Mil-lien (— 2 Stunden) vom Jordaneinflnß und heißtMenieh."
Interessant ist ferner, daß Sepp und Lisvin fol-gende Stelle des Arkulf (670) für sich in Anspruchnehmen: „Kapharuaum liegt ohne Mauer auf engemRaum zwischen Berg und See beschränkt in die Längeam Meeresufer hin, hat den Berg gegen Norden, denSee auf der Morgenseite und dehnt sich von West nachOst aus." (Huas murura noir Kastens, anZustv intsrniontem et staZnuin eoarctata sxatio per illainmnritima.ro oram longo tramite proteuäitur, moniernäst aguilons plaZa, lacum vero äst australi Kastens,äst noeasn in ortum extevsa ZiriZitur. (^6amnanus2, 25.) Dazu bemerkt Sepp I, 162: „Diese Schilderungpaßt einzig für Chan Minieh." Die gegenwärtige Au-torität der Väter des hl. Landes, der Pilgerführer Lisvin(stavinius) de Hamme, behauptet das Gleiche von TeilHhoum. In seinem Oniäe-inäiaateur äss sanetuairesst Ilvux stistorigues <ie 1a 'Lerne Lainte, llerusalem1887, III, 139, ist Wörtlich zu lesen: lle Zelle ^ui<)uses soit Ze trouver snr tonte 1a rive OcoiZentale äust,ae un Lenk ewplaeeweot, c^ui oorresponäe ä, cettsclesoription, si ee n'est 'teil Hstoum." Ich habe imJahre 1894 beide Orte besucht und kann auf Grundeigener Anschauung nur Fröre Lievin beipflichten.
Wie wenig, namentlich bei dem gegenwärtigen Zu-stande der Pilgerschrifteu, Citate aus denselben unbesehenhingenommen werden dürfen, lehrt folgendes Beispiel.Furrer hält unserem Verfasser in seiner Besprechung desSepp'schen Buches (Ist,!? von Harnack u. Schürer 1896Nr. 18) eine Stelle aus Theodosius (530) entgegen, welchernach Furrer erzählt: „Die Distanz von Magdala bis zuden sieben Quellen betrage 2 Meilen und ebensoviel dieDistanz von diesen Quellen bis Kapharuaum." Darnachsei Theodosius für Tel Hum. Furrer versteht nämlichunter den 7 Quellen Am et Tin und Ain Tabira.Band I, Seite 180 allegirt Sepp die gleiche Stelle undübersetzt: „Von TibcriaS bis zu den 7 Brunnen sind5 Millien." Er bezieht also das inlls des Textes aufTiberias, Furrer auf Magdala ; Sepp sucht die 7 Quellenzu Ain Fulieh, wo es aber deren nur drei gibt, Furrermit mehr Recht zu Ain Tabira, wo 5 Quellen entspringen,
Sepp liest 5 Millien (— 1 Stunde 40 Minuten), Furrer2 Millien (— 40 Minuten). Die heillose Verwirrungwird noch größer, wenn man die wirklichen Entfern-ungen kennt:
Von Ain Fulieh bis Tiberias sind es 35 Minuten,
„ Magdala nach Ain Tabira „ „ 1 St. 30 Min.»„ Ain Tabira nach Tel Hum „ „ 35 Minuten.
Der Text des Theodosius ist demnach zu wenig ge-sichert und zu verworren, als daß aus ihm etwas Be-stimmtes zu folgern wäre.
Was Sepp sonst noch aus der Tradition über Miniehanführt, gehört entweder nicht zu der Beweisführung oderlaßt sich mindestens ebenso gut von Tel Hum verstehen.
Es zwingt uns also nichts, von der bisherigen An-schauung, daß Tel Hum — Kapharuaum sei, abzugehen.Zum Mindesten geht aus der ganzen Darlegung hervor,daß Sepp sich eine starke Hyperbel erlaubte, wenn erI, 164 folgende Zeilen schrieb:
„Wenn nicht Alles täuscht, so lassen die von un8zum erstenmal gesammelten Zeugnisse aus der hebräischen,arabischen, griechisch-römischen und deutsch -slavischen Li-teratur über die ächte Lage der „Stadt Christi" keinenZweifel mehr. Ungewiß mag bleiben, wer meine Schriftennicht zu Gesicht bekommt, und nur Ignoranz oder böserWille können dieselbe znr Schande der Christenheit heut-zutage in Frage stellen."
Ich will nun keineswegs behaupten, daß die Gründe,welche für Tel Hum angeführt werden, allen und jedenZweifel ausschließen; aber das glaube ich dargcthan zuhaben, daß die Gründe für Minieh nicht durchschlagendsind und daß daher, solange nicht evident bewiesen ist,daß Kapharuaum nicht mit Tel Hum identisch sei, dieHüter der Tradition keinen Tadel verdienen, wenn siedie Pilger zu jenen Ruinen führen, welche das ganzeMittelalter als Neste der Stadt des Herrn verehrt hat.
Der deutsche Verein des hl. Landes braucht aberdeßhalb die Erwerbung nicht zu bedauern, vielleicht hater die Stätte von Bcthsaida in Besitz genommen; jeden-falls hat er es in der Hand, durch methodische Aus-grabungen die Frage, ob es auch auf dem Westufcr einBcthsaida gegeben habe, in ein neues Stadium zu bringen,ja vielleicht zu lösen.
Sepp behauptet mit aller Entschiedenheit, daß es nurein Bcthsaida am Ostufer gegeben habe, und will eS inMesadijch wieder erkennen. Der Beiname Julias, welchenmanchmal Bcthsaida führt, scheint mir doch auf ein zweitesBcthsaida hinzudeuten; denn Beinamen werden oft zurUnterscheidung und nicht bloß zur Ausschmückung gegeben.Dagegen unterscheidet Sepp ein Chorazin auf der Ost-seite und ein Corosaim auf der Westseite des See's.
Sepp will auch die orux der Geographen und Ex-egeten, das «ir«? bei Marcus 8, 10: Dal-
manutha, lokalisiren und erklären. Nachdem er aus denbeiden Talmuden ein Beth Maon bei Tiberias nachge-wiesen hat, stellt er die Behauptung auf: Beth Maon— Dalmanutha. Der Beweis für diese Behauptungläßt sich am besten durch folgende Gleichung ver-anschaulichen :
Dalmanutha — Dalmanutha -- Dalmaus — BethMaus — Beth Mauu — Beth Maon.
Den etymologischen Harrassprung macht Sepp, indemer Dalmaus — Bethmaus, also äal — stetst setzt. SeineBegründung lautet I, 186:
„Dalmanutha liest der Vatikanische Codex, und un-schwer ist die Erklärung dieses zusammengesetzten Wortes.