Ausgabe 
(22.1.1897) 3
 
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einsieht, wenn man nicht Emmaus hier finden will. Amwas-Nikopolis hat den Namen, den hl. Hicrcmymus und Eusebinsfür sich, sowie eine Anzahl CodiceS , wie die meisten ar-menischen Handschriften, die Peschito, die 6ollä. graeLU8LanFörwLiius, illulllonsis, Oz'prus, Linuitious, welche160 Stadien lesen. Doch die Entfernung von 160 bis175 Stadien 3032^2 Kilometer ist für die Luc. 24erzählte Begebenheit zu groß. Kolonieh hat den Vorzugder Nähe von nur 30 Stadien 5'/g Kilometer1 Stunde 20 Minuten und einen Brunnen Bet Amüs.Eine Handschrift des Josephus schreibt nach Sepp30 Stadien, ebenso hat Nufiuus; alle sonstigen Hand-schriften des Josephus haben 60 Stadien. Die Stadienwaren aber nicht immer gleich groß, z. B. in Aegypten 216 Meter, anderswo 180, 182, 185 Meter.Die Tradition nehmen natürlich alle drei Ansichten fürsich in Anspruch. Die Vulgata - Lescart 60 Stadienist wohl die ursprüngliche, da nur eine solche Entfernungmit der evangelischen Geschichte im Einklang steht; dieNummer 1 scheint von denjenigen vorgesetzt worden zu sein,welche Nikopolis dem evangelischen Emmaus gleichsetzten,in Wirklichkeit aber ist Nikopolis von Jerusalem 176 undnicht 160 Stadien entfernt. Auch glaube ich, daß, geradeum den Leser vor einer Verwechselung mit Emmcms-Nikopolis zu warnen, der Evangelist oder ein früherGlossator die Entfernung beigesetzt hat, ein Vorgang, derganz ungewöhnlich ist; hätte Lucas die Stadt Emmausim Auge gehabt, so wäre ein solcher Zusatz unnöthiggewesen.

Ich bin leider gezwungen, zu gestehen, daß ich wederfür Kolonieh noch für Amwas-Nikopolis mich entscheidenkann, auch nachdem ich Scpp's Ausführungen gelesen habe;ich neige mich vielmehr der Ansicht zu, daß Kubebe sehrviel für sich hat. Wenn es sich auch nicht sicher alsdas evangelische Emmaus erweisen läßt, so haben dieFranziskaner mindestens ebensoviele und ebenso gewichtigeGründe für sich, als die Anhänger von Amwas und Ko-lonieh. Daher ist Sepp durch nichts berechtigt, II, 248,den Franziskanern folgende Zeilen zu widmen:DieOrdensväter in der hl. Stadt brauchen gerne das Wort:No o äa, tolle, nag, solarnonto äolla trallitiono!Wohlgesprochen, wenn man traäitio im Sinne von,Verrath' an der Wahrheit nehmen darf." Es gibt eindeutsches Sprichwort, welches einem hier unwillkürlich ausder Feder fließt:Mein Freund, Du hast unrecht, dennDu wirst grob!" Uebrigens hege ich die feste Ueber-zeugung, daß die Väter nicht no S sondern iron Z sprechenbeziehungsweise schreiben, ferner daß keiner der so sehrvon oben herunter behandelten italienischen Patres jemalstr> ikiono gedruckt hätte, sondern wie jedes Wörterbuchder italienischen Sprache ausweist: tralliriono mit 2 .

Die Franziskaner haben jedenfalls ebensoviel Recht,ihre eigene Ansicht zu haben, wie jeder andere, der sichmit der hl. Geographie beschäftigt. Solange sie ihreTradition mit Gründen belegen können, solange hat mankein Recht, ihnen den schwer wiegenden Vorwurf desVerrathes an der Wahrheit zu machen. Ich halte keines-wegs jede und alle Tradition der Väter vom hl. Landfür wissenschaftlich haltbar; aber daran habe ich keinenZweifel, daß alle Traditionen optimg, 6äo empfangenund überliefert werden. Quaresmius, auf den sich dieHüter der Tradition fast immer berufen, wird selbst vonSepp I, 163 dergewissenhafteste Mann unter den Vaterndes hl. Landes" genannt und mit dem Prädikatgelehrt"geehrt. Wenn die Patres gegen die wissenschaftlichen

Forschungen vielleicht zu skeptisch sind, so ist das ihnennicht so sehr zu verargen; denn die Franziskanertraditionhat gar viele Hypothesen entstehen und vergehen sehen.

Z. B. nach einem Brief des Missionärs und Palästina-forschers Don Gatt in Gaza scheinen die neuen Aus-grabungen am Ophel in Jerusalem die bisher so ver-pönte traditionelle Ansicht vom Sion zu bestätigen. ^

Man bekämpfe also die Tradition, wo sie unhaltbar ist,mit wissenschaftlichen Waffen, aber werde nicht gleichnervös, wenn der Gegner auf seiner Meinung besteht,weil er gnte Gründe dafür zu haben glaubt. Die Fran-ziskaner haben für das hl. Land mehr gethan, als alleeuropäischen Palüstinaforscher mit einander, sie haben oftihr Leben eingesetzt, ihr Blut vergossen, um die heiligenStätten zu vertheidigen; daher ist es undankbar undungerecht, sie jetzt als guautitö noZIiZonbis zu be-handeln.

Damit will ich die Besprechung der geographischenAusführungen Sepp's beschließen. Zu meinem Bedauernmußte ich fast immer erklären, daß mich die vorgebrachtenBeweise nicht oder nicht ganz überzeugen konnten. Sepp'sMethode krankt vor allem daran, daß er die Einwürfeseiner Gegner zu wenig ernst nimmt. Würde er sichder Mühe unterzogen haben, die Gründe der Gegner >

eingehend zu prüfen und zu widerlegen, dann hätte ererkennen müssen, daß es auch seinen Gegnern mit demStreben nach Wahrheit Ernst ist, und daß auch sie Gründehaben für ihre Meinung, und gar manches bittere undverbitternde Wort wäre ungeschrieben geblieben, und mancheHypothese wäre nicht aufgestellt worden.

(Schluß folgt.)

Die Ode Papst Leo's XIII. an Frankreich .

ch Wie in Nr. 13 der Postzeltung (Aus der kathol.

Welt. Frankreich ) bereits gemeldet wurde, bringen diefranzösischen Blätter die Uebersetzung der von Leo XIII .zum 1400jährigen Chlodwig -Jubiläum ge-dichteten Ode. Das Poöm berührt mehrere großeEreignisse in Frankreichs Geschichte, z. B. Chlodwigs Be-kehrung, die Pipinische Schenkung, die Krenzzüge, Jeanned'Arc, die Reformation u. a. Der hl. Vater sandte dieOde an den Cardinal von Reims, welcher sie am heil.

Christtage in seiner Kathedrale den Gläubigen verlas. >

Soeben veröffentlicht das neueste Heft der Oivlltäeattolioa vom 16. Januar den Originaltext. Die Ueber-schrift lautet in Nachahmung der bekannten Stelle imProloge zur 1 -ox Laliea:Vivat Odristus gui äi-liAitk'rg.noos! Ob moworiain auspieatissiwi ovontusguum I'ranoornw natio praosnnto Oloäovoo ro^o ssObristo acläixit, oäo." Was die historischen Anspielungendes Gedichtes betrifft, so kann man vom geschichtswissen-schaftlichen Standpunkte aus bisweilen anderer Meinungsein. Die Befürchtung, daß eine chauvinistische Aus-nutzung der Ode durch unsere Nachbarn erfolgen wird,dürfte auch nicht unberechtigt erscheinen. Dazu verleitetschon das Wortspiel mit^ranoi" rc. rc., obwohl derPapst z. B. in der 2. Strophe nicht ohne Absicht undangesichts seiner versatilen Sprachkunst gewiß nicht ausmetrischem Zwang das Wortloutonum" gewählt hatstatt des näher liegenden, aber gerade sür Franzosen zwei-deutigen und darum leicht mißbräuchlichen ,,^Iaman-norum"! Das wirklich klassische Sprachgefühl und dasjugendliche Gcistesfeuer des 87jährigen Papstes kann man ^

nur anstaunen.

Es folgt hier der Text der Ode:

Oontinm oustos Osus est. RspsntsLtornit üwiZuss bumilssgus prowit:

Llxitus roriim tonst atguo nutu

lomporat asguo.

Doutoniim pro 88 U 8 Olollovous arrnis,

Ot 8U08 viciit tropicioo porioli,