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Neue hochwichtige Entdeckungen auf der zweitenPalästinafahrt.
Erwerbung Kapharnaums für das katholischeDeutschland und des Johanniterspitals fürPreußen von Professor Dr. Sepp.
(Fortsetzung.)
Dr. 8. L. Eine hübsche Beigabe ist I, Kapitel 55,in welchem Sepp's Interview mit dem HohenpriesterAmram der Samariter erzählt wird. Echt orientalischist die Zurückhaltung des Kohen, der nur etwas wärmerwird bei der Erwähnung der Anstreitung des Garizimdurch die Juden und beim Namen des Ozair — Esra.Sonst erfährt man mehr aus den Worten Sepp's, alsaus den Bemerkungen des Kohen. Echt orientalisch istder Schluß des Interview, welcher sich ganz kurz arabischin die bekannten Worte zusammenfassen läßt: Bakschisch,Chaivadsche (ein Geschenk, Herr!). Es hat mich übrigensgetröstet, daß Sepp auch nicht viel mehr herausgebrachthat, als ich bei meinen Fragen an Kopten, Syrer,Karaffen rc. Uebrigens sind seitdem die Samariter inder Cultur weiter fortgeschritten. Als ich vor 2 Jahrenihre Synagoge betrat, überreichte mir ein Knabe einengedniäten Zettel, welcher in englischer Sprache, in einpaar Bibelsprüche eingewickelt, dieselbe Bitte enthielt, dievor 20 Jahren der Kohen Amram an Sepp stellte,nämlich die Bitte um fränkisches Geld.
Im Verlauf dieses Gespräches erwähnt Sepp denSpottnamen, welchen die Samariter dem Tempel derJuden gaben. Statt wiciäasolr (Heiligthum) sagten sie:inrcktMoir — Mörser. Im vorliegenden Kapitel schreibtSepp unrichtig inalcclosoll mit Daleth statt Thaw, über-setzt aber richtig mit Mörser; I, 18 dagegen schreibt errichtig wuktssolr mit Thaw, übersetzt aber irrthiimlichmit Aussatz. Derartige Flüchtigkeiten sind noch mehrereim Buche.
Der Verfasser tritt mit den Samaritern dafür ein,daß der Garizim der Berg Moriah sei, also die Stätte,wo Abraham seinen Sohn opfern wollte. Dagegen wärenichts einzuwenden» wenn die Beweise ftringenter wären.
Ueber den 2. Theil, welcher von Jerusalem undUmgebung handelt, kann ich mich kürzer fassen. Zwarenthält derselbe Sepp's Ansichten über die Topographiedes alten Jerusalem, welche von den übrigen Ansichten(es existiren ca. 20) in gar manchen Punkten abweicht.Aber da gerade jetzt die Ausgrabungen des AmerikanersBliß am Ophcl die Jerusalemfrage in ein neues Stadiumbringen, so will ich lieber die Veröffentlichung der Er-gebnisse dieser Ausgrabungen abwarten, als mit den un-zulänglichen Mitteln, mit denen bisher die Frage mehrverwirrt als gelöst wurde, operiren.
Sepp verlegt das praotorrum kilnti in die Nähe desJaffathorcs, da, wo gegenwärtig die evangelische Christus-kirche steht (II, 64). Demnach ist die via llolorcwa, un-echt. Soweit Sepp sich damit beschäftigt, darzuthun, daß dieBurg Antonio niemals das prnsvorium Uilutu gewesen sei,soweit halte ich seine Gründe für stichhaltig. Dagegenmöchte ich nicht mit Sepv dasselbe beim Jaffathor suchen,sondern mit Zanccchia (Im iUaiWtina, ll'oAgi I, 240n. ff.) in der Nähe des Bab es Silsile (Kcttenthor) desHaraui, in dem jetzt Mchkeme genannten Gebäude. DieseAnsicht hat die Tradition der ersten 10 Jahrhundertefür sich, wie der gelehrte Dominikaner looo citatn, aus-führlich nachweist. Allerdings sind dann die ersten achtStationen der traditionellen Via ävlvrosn an falscher
Stelle, aber mit Recht bemerkt Zanecchia: in oZui vwclcril visitars äetto stamoni L somxrs una buona, e Icräovolö pralioa cii xiotL, altm g, lioüi rrmars allg,uronts i tatti oüo aeoompagnarono la xasowns cisläivin Roäentoro. Aber wie konnte die wahre Richtungund Lage des Kreuzweges in Vergessenheit kommen?Darauf gibt Sepp II, 95 eine ganz befriedigende Ant-wort: „Die via äolorosa, hat die Krcuzschleppung desHcraklius für sich." Der Weg also, auf welchem Herakliusdas hl. Kreuz im Triumph durch die Straßen Jerusalems zur hl. Grabkirche trug, hat die Erinnerung an die echtevia äoloi' 08 a, auf welcher der Heiland in bitterer Leidens-stnnde das Marterholz zum Calvarienberge schleppte,verdrängt.
Sepp tritt mit aller Energie für die Echtheit deshl. Grabes ein. Es wäre doch ein ganz absonderlichespsychologisches und historisches Räthsel, wenn den Christendie Kenntniß des Grabes Christi abhanden gekommenwäre. Die Funde bei dem russischen Hospiz haben auchden Gelehrten Recht gegeben, welche für die Echtheit desKalvaria und des hl. Grabes eingetreten sind.
Sepp fordert Oesterreich auf, das CLnaculum, welche»der Kaiser schon im Frieden zu Carlowitz 1699 bean-spruchte, zu reclamiren. Ob die Sache so leicht geht,als sich Sepp denkt, kann ich nicht entscheiden; aberjedenfalls wäre es ein Freudentag für die ganze Christen-heit, wenn im Abendmahlsaale zum ersten Male nachlanger Zeit wieder die hl. Geheimnisse gefeiert würden,ljuoä taxit Oens.
Ein Lieblingsthema des Pros. Sepp ist die Hypo-these, daß die Omarmoschee ein Bauwerk Justiuians, alsochristlichen Ursprungs, die Aksamoschee dagegen ein arab-isches Werk (von Abd el Malik ) sei. Die Franziskaner-Tradition dagegen hält die Omarmoschee für ein arab-isches und die Aksamoschee für ein christliches Baudenk-mal. Die literarische Fehde über diesen Gegenstand, auwelcher sich Nieß und Gildenmeister gegen Sepp ausge-sprochen haben, hat gezeigt, daß die Entscheidung ausarchitektonischem Gebiete liegt und daß die Pilger- undReiseberichte, sowie die historischen Zeugen, welche beideParteien vorbrachten, allein die Frage nicht lösenkönnen. Der verdiente Jerusalemkenner und -ForscherVaurath Schick hat neuerdings eine Schrift über diesesProblem herausgegeben. Leider ist mir dieselbe nochnicht zu Gesicht gekommen. Jedoch aus Anzeigen diesesBuches geht hervor, daß Schick der gleichen oder dochähnlicher Ansicht ist, wie Sepp. Letzterer erwähnt aucheines Congreffes von Architekten, Ingenieuren und Kunst-verständigen, welcher mit 29 gegen 2 Stimmen ihm bei-pflichtete. (11. 43.) Wo dieser Congreß stattfand undwann, ist nicht erwähnt.
Auch die Emmnusfrage wird auf's Neue ange-stellten und Emmaus mit Kolouieh idcntificirt. DieFranziskaner halten Kubcbe, 60 — 70 Stadien nord-westlich von Jerusalem, Zanecchia, Schiffers und AndereAmwns-Nikopolis, 176 oder 160 Stadien von Jerusalein,für das evangelische Emmaus.
Diese drei Orte haben alle etwas für sich, und jederhat vor dein. andern einen besonderen Vorzug, so daßdie Entscheidung schwer ist. Kubebe ist von Jerusalem etwas mehr als 60 Stadien (---- 11 Kilometer — 2 Stun-den 45 Minuten), vom Jaffathor gerechnet, entfernt,stimmt also mit der Vulgata Luc. 24 übcrcin; außerdembesitzt es die Rinnen einer herrlichen dreischiffigcn Basilika,für deren Errichtung an diesem Punkt man keinen Grund