Ausgabe 
(30.1.1897) 5
 
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30. IlM. 1897.

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Stilla von Abenberg .

Von Adam Hirsch mann.

Gegen Ausgang des unheilvollen dreißigjährigenKrieges, der auch die Diöcese Eichstätt schwer belastete,waltete als Pfarrer in Schönfeld, welches damals zumDekanate Monheim gehörte, Vitus Koch (16391647).Derselbe veröffentlichte 1641 ein gut geschriebenes, vonsolider ascetischer Schulung zeugendes Buch zur Ver-herrlichung und Nachfolge Mariens unter dem Titel:Geistliches Mariaburg,') gedruckt zu Jngolstatt, wie esam Schlüsse heißt, in Verlegung Michaelis Strausen,Fürstl. Eychstättischen Richters, Castners und Forstmeisters,der zeit wohnhaft im Schloß Abenberg , welches die gott-selige Jungfrau und Gräfin Stilla in ihren Lebzeitenselbst bewohnet." Dieses Werk widmete der Verfasser,welcher ehemals Beichtvater im Kloster Marienburg beiAbenberg, zwischen Spalt und Schwabach gelegen, ge-wesen war, der dortigen Priorin Christina; DatumSchönefeld , am Geburtstage der Jungfrau und Gottes-mutter Maria 1641.

Als Beleg für das erste Kapitel seinerGeistlichenMarianischen Burg", worin die Frage behandelt wird,wie die Menschen dem Greuel der Sünde entfliehensollen, bringt Koch im zweiten Kapitel (S. 413) dasLeben der gottseligen Jungfrau und Gräfin Stilla, indem«r folgendermaßen berichtet:

Man liefet in glaubwürdigen Historien, daß derwohlgeborne Herr Babo Graf zu Abensperg 32 Söhueund 8 Töchter beisammen im Leben gehabt, daruntereiner Wolframns genannt; denselben begnadete KaiserHeinricuS der heilige, als seinen Vetter mit der Graf-schaft Abensperg; allda zeuget er 3 Söhne als Othonem,Wolframum den anderen dieses Namens und Conradum,einen Bischof zu Salzburg . Wolframns der ander er-zeuget Graf Zelchum; Graf Zelchus erzeuget mit Sophia,einer Gräfin von Hohen-Trichendingcn, 3 Kinder alsRapotonem, Conradum und die gottselige Stilla; die-selbe hatte, wie sie aufwuchs und ihr Vater und Mutterstarben, zu Dienerinnen 3 edle Jungfrauen; die ersteward genannt Gewehra, die andere Widerbring, die dritteund jüngste Widerkumma; diese alle haben mit einandersamt der gottseligen Stilla gar ein tugendsames heiligesLeben geführt. Die gottselige Stilla aber war in allenTugenden sonderlich der Demuth und Barmherzigkeit vorden andern allen vortrefflich, hat sich allzeit mit Fleißund großer Inbrunst geübet den Armen und Kranken zudienen und ihnen das heilige Almosen mildiglich mitzu-theilen; darum mäniglich zu ihr als einer Mutter ge-kommen und sie hat dieselben gespeiset, getränket, ge-tröstet, ihrer gepfleget als eine Mutter ihrer Kinder, undwann sie ihren heiligen Segen über die Presthaftenmachte, so wurden sie gesund.

Nun hatten ihre 2 Brüber ein Closter zu bauenwillens auf einen Berg, so nicht ferne von ihrem Schloßelag, da dann jetziger Zeit das Closter Marienburg liegt;da konnte man kein Wasser haben und dünkte ihnen derBoden zu spröde zu einem Closter, sodaß sie ihr Vor-haben und guten Willen an einen anderen Orten hin-

') Sttttner, bibliotlisea ur. 423. Die Angabe

Müllers (Die sel. Jungfrau Stilla, Gräfin von Aben-berg: Regensburg , Habbel 1885 S. V), woruach das Buchvon Vitus Koch nicht mehr zu existiren scheint, ist unrichtig.Denn ich benützte ein Exemplar zu dieser Arbeit.

wendeten. Und als man nach Christi Geburt zählte 1182,mit kaiserlicher Hilfe, S. Ottonis des 9. Bischofes zuBamberg , ihres Vetters, so ein geborner Graf vonAndechs, so jetznndt der heilige Berg im oberen Bayern genannt, stifteten sie das herrliche Closter HeilsbrnnnBernhardiner Ordens, wie dann diese beiden Stifterallda zu Heilsbrnnn samt ihren beiden Hausfrauen Mech-tildis und Sophia begraben liegen.

Ihre Schwester aber die gottselige Stilla hatte stetsdie Begierde, eine Kirche auf dem vorgenannten Bergezu erbauen, so ein klein wenig dem Schloß gegenüberliegt, und fieng um dieselbe Jahreszeit an wie ihreBrüder mit Heilsbrunn und baute auf gedachtem Bergeeine Kirche in der Ehr Gottes und des hl. Peter,Himmelfürsten und Zwölfboten. Sie war auch Willens,mit der Zeit ein Jnngfranencloster dahinzubauen. Aberunser Herr Gott forderte sie vom Leben ab; jedoch weis-sagte sie, daß inskünftig noch ein Closter allda werdensollte, wie denn jetziger Zeit ein Closter Marienburg besteht.

Als die gottselige Stilla diese Kirche bauen ließ,geschah ein großes Wunderwerk; denn wenn zu Nachtdie Werkleute ihren Lohn nehmen wollten, so griff sie in dasGeld und gab einem jedem, soviel er verdient hatte; sieerhob auf einmal nicht mehr und nicht weniger als jedemvon rechtswegen gebührte. Nachdem die Kirche gebauetund geweihet war, wallte die gottselige Stilla samt ihrenJungfrauen von dem Schloß aus alle Tage dorthin, undpflog ihrer Andacht und des Gebetes täglich mit großemFleiße. Ließ auch zu dem Amte der hl. Messe einenKelch machen. Einstmals stund sie auf der Mauer inihrem Schloß und war sehr krank; da nahm sie ihreHandschuhe, warf sie in die Luft hinaus und sprach: woman diese Handschuhe findet, dahin soll man mich be-graben; also fand man dieselben in der Kirche, die sieselbst hatte bauen lassen und gerade an dem Orte, alldasie noch begraben liegt.

Nachdem nun die gottselige Stilla in ihrem SchloßAbensperg?) verschieden, wollte man sie zu ihren Brüdernnach Heilsbrunn führen und daselbst begraben; da ge-schah ein großes Wnnderzeichen, indem man ihren Leich-nam nirgendshin, wie sehr man sich bemühte, wederheben noch bringen konnte, zu einem Zeichen, daß sienicht zu Heilsbrunn bei ihren Brüdern, sondern in derKirche, die sie selbst erbaut hatte, begraben werden sollte:des Städtleins Abensperg, ihres lieben Vaterlandes, desganzen löblichen Stifts Eychstätt und des Closters, sokünftig dahin gebaut werden sollte, eine getreue Be-schirmern! und Patronin für immer.

Also setzte man Thierlein an einen Wagen und legetihren hl. Leichnam darauf; da zogen sie denselben vondem Schloß aus ohne menschliche Hilfe und Leitung aufden Berg in ihr Gotteshaus; dahin begrub man Stillaan der Stätte, wo sie noch liegt, und machte über ihrGrab einen erhöhten Stein und ein hölzernes Gitter.Als aber ihre Heiligkeit immer mehr an den Tag kamund mäniglich erfuhr, was Gott für große Wunderzeichenwirke an denen, so zu ihrcin Grabe kommen, und injenen Zeiten der h. Gundicarius Bischof zu Eychstätt war,und ihm die großen Wnnderzeichen am Grabe Stillas bekannt wurden, hat er erlaubt, einen Altar bei ihrem

2) Muß Abenberg bei Spalt verstanden werden.