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Grabe in der Ehre der gottseligen Stilln zn bauen,welcher dann am nächsten Sonntag nach Pctri und Pauli,daran noch jährlich das Patrocininm gehalten werden soll,consckrirt und durch den Bischof mit besonderen Jndnl-genzen begnadet worden ist.
Wie nun aber lang hernach das Kloster gcbauet undmit Klosterfrauen besetzt worden ist, schrieben die erstenSchwestern auf, was sie von wächsernen Bildern, Armen,Händen, Füssen , Augen und anderen unzähligen SachenLei ihrem Grabe gefunden, auch viele herumhängendeGemälde der vielfältigen Wunderwerke. Das Altarbild,ein Brustbild, soll der gottseligen Stilla an Gestalt undAehnlichkeit nachgeschnitten sein. Obschon dieses Bildnunmehr etliche hundert Jahre alt, niemals erneuertworden ist, so bleibt es doch so frisch und schön, alswenn es vor wenigen Jahren gefaßt worden wäre.
Da nun der hochw. Fürst und Herr, Herr Wilhelmvon Reichenaw Bischof zn Aichstett , hochlöblicher Ge-dächtnis, auf das vielfältige Ansuchen vieler frommenMenschen um das Jahr 1452 ein Kloster zu dem St.Peters Gotteshaus zu bauen anfieng, und darauf mitfrommen Closterjnngfrauen zum Anfang von Mariastein bei Aichstett , die waren lauter regulierte Chorfraucn S.Angnstini Ordens, besetzte, da kamen alle Tage vielefroinme, andächtige Menschen, zum teil von weit ent-legenen Orten, zu dem Grab der gottseligen Stilla.
Schließlich bemerkt Mtns Koch: Dieses alles vonWort zu Wort ist genommen aus einer gar alten Schriftoder Tafel, so noch heutigen Tages zu sehen hängend bei.dem Grabe gemeldeter gottseligen Jungfrauen, welches ichweitläufiger erzählen wollte, teils weil es zu meinemVorhaben dienlich ist, wegen des Titels Marienbnrg,teils weil aus diesem Exempel erscheint, wie gut undnützlich es sei, vom Greuel der Sünde oder von derWelt zu fliehen. (S. 13.)
In kürzerer Fassung berichtet der eichstättische General-vikar Vitus Priefcr, welcher Ende Juli 1601 das KlosterMarienburg bei Abenberg einer sehr eingehenden Prüfungunterzog, über die Stillalegendc folgendes: Als man nachunseres Seligmachers Geburt Eintausend einhundert Jahrezählte, war der wolgcborne Herr Zelchus der ReichGraf zu Amberg geuanut, ein Blutsfreund des hl. KaisersHeinrich und Knmgundis. Dieser erzeugte mit seinerGemahlin, einer Gräfin von Hohentrittingen, drei Kinder:Rabdonem, Conradum und die hl. Jungfrau Stillam..4nno 1131 stifteten beide Brüder das Kloster Hailbrunn;damals fieng auch ihre Schwester diese Kirche zu bauenan, welche hernach der heilige bambergische Bischof Ottoin der Ehre des hl. Petrus geweiht hat. Zur selbigenZeit hat die hl. Stilla mit ihren drei Kammer-JungfrauenGewera (ursprünglich Gebera geschrieben), Widerkhumaund Wiederbringa Gott dem Allmächtigen auf Rat deshl. Otto ewige Jungfrauschaft gelobt, den Weihel (Schleier)von Otto empfangen. Sie hat täglich dieses Gotteshausbesucht, bis sie daselbst begraben wurde. Auf ihre Für-bitte hat Gott den Blinden das G:sicht, den Tauben dieRede gegeben und verschiedene Heilungen gewirkt.
Auf diese Wuuderzeichcn hat Neimbotto diesen Altarzu Ehren Stillas anno 1290 geweiht; anno 1488 hatBischof Wilhelm von Rcichenau das Kloster gebaut, 1588wurde dasselbe neubcsctzt.
In der Peterskapellc, berichtet Priefer ferner, beimlinken Seitenaltare befindet sich Stillas Grab; auf demAltare selbst erblickt mau ein Bild Stillas , das trotz deshohen Alters noch sehr schön ist, obwohl es bisher noch
nicht renoviert worden ist. Auf der linken Seite hin,auch eine Tafel, welcher Priefer feine Mittheilungen ent'nahm. Diese rührte her von Wolfgaug Agrikola, Dekanin Spalt, wie deren Widmung bezeugt: In Ironors s.Ltiilao stociioat v. VVolkstavZug XArioola Lxalatinns11. 1591: Zn Ehren Stillas von Wolfgang Agrikolavon Spalt gewidmet 1591?) Dieser seeleueifrige Priester,welcher die Schulen zu Eichstätt, Amberg , Jngolstadt,Wien besucht hatte, hat sich um die Wiederbelebung desFrauenklosters in Marienburg sehr verdient gemacht undals Beichtvater für die aszetische Schulung der Ordensschwestern eifrig Sorge getragen, wie das MarienburgerNekrologium rühmend bezeugt: „welcher der fürnembsteUrsacher dises unsers widerumb auffgerichteten Clostcrs,auch in die 13 Jar getrewer beichtvater und unzalparergrosser Guethäter gewesen ist."* *)
Auf den Aufzeichnungen Agrikolas beruhen dieUntersuchungen des Jngolstädter Jesuiten Jakob Greifer,welcher der Ehre Stillas ein Blatt in dem Leben derEichstätter Diözesanheiligen widmete 1617 (Orstsoriop. X, 828—829 ock. Uatisbon). Auf den SchulternGreifers stehen die Bollandisten (Xcta Lanotoruw msnssllulti IV, 656 — 663), welche über die Geschlechtsabfolgeder Gründer von Heilsbronn einige Bedenken äußerten,ferner der Jesuit Math. Räder (Lavaria Lanota tom. II,254—256), welcher Stilla von dem österreichischen Grafen-geschlechte Stilla-Hefft ableiten zu können glaubte; dannder eichstättische Historiograph Heinrich von Falckenstein, °)
') Manuskript Priefers S. 237, 241 im bischöflichenOrdinariatsarchiv Eichstätt.
*) Strauß, Viri iusiKues IFstott. p. 19. Ocmk. Luttnor,bidl. LMott. nr. 248; Suttner, Geschichte des bischöfl.Seminars in Eichstätt S. 14—15. Auf dem noch gut er-haltenen Chöre der Peterskirche zu Abenberg findet sichnoch eine Art Grabkreuz von Wolfgaug Agrikola, welcheram 5. März 1601 in Abenberg gestorben ist, mit der Auf-schrift „Lieben Kinder, bittet gott für mich. 1591." Agrikolaverschaffte auch dem Kloster Marienburg ein hochgeehrtesMuttergottesbild aus Nürnberg. Um den in Nürnberg befindlichen und ihren Gelübden treu gebliebenen Nonnender verschiedenen Klöster geistliche Hilfe zu bringen, begaber sich oft verkleidet nach Nürnberg . Er benützte dieseGelegenheiten, uin Reliquien, Bilder und Kirchengeräthevor den Mißhandlungen des neuen Evangeliums zu rettenHerzog Wilhelm V. von Bayern bediente sich Agrikola'sum auch für sich Reliquien aus den Klöstern Nürnberg ?zu erhalten. Unter andern brachte Agrikola für da?Kloster Marienburg, in einem Fuder Stroh versteckt, eingroßes, schön geschnitztes Muttergottesbild, welches imRefektorium aufgestellt wurde. Seit der Säkularisationam Anfange des Jahrhunderts ist es verschwunden. (Past.-Bl. 1858, 190.) Noch uiigedruckt ist das älteste noch vor-handene Manuskript im Pfarrarchiv zu Abenberg , welchesSchwester Monica Farcketin 1593 niedergeschrieben hat.Aus dem Jahre 1594 ist ebenfalls ein Manuskript vor-handen, sowie aus dem Jahre 1651, beide in Abenberg.
st Ueber Falckenstein vergl. dessen posthumes Werk:Vollständige Geschichten des Herzogthnms und ehemaligenKönigreichs Bayern (München 1763), wo in der Vorredeerzählt wird, daß der Verfasser am 4. Februar 1760 inSchwabach , 83 Jahre alt, gestorben ist. Er soll einSchlesier von Geburt gewesen sein; er hatte am 6. Ok-tober 1677 das Licht der Welt erblickt. Nach dem Kirchen-lexikon Hergenröther-Kaulen war Falckenstein geb. 1682(IV, 1212). In den Stcrberegistern der protest. PfarreiSchwabach finden sich folgende Angaben: Falckenstein wargeb. den 6. Okt. 1677 zu Darmstaot, starb am 2. Febr .1760 in einem Alter von 82 Jahren 3 Mon. 27 Tagen.Beerdigt wurde er am 7. Februar des Nachts „mittelsteiner Nacht-Prozeß-Leiche in der selbst erbauten Gruft".Die Standrede hielt Ärchidiakon Günther über Hebr. 13,14.Falckenstein verharrte in der katholischeil Religion bis ankeinen Tod. Auf dem Todbette ließ er einen katholischen