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gäbe dem Apostel feierlich in sein Heiligt!,um nach San-tiago de Compostela . Treffend bemerkt ?. Pins GamsO. 8. L. in seiner „Kirchengeschichte Spaniens" über dieprovidentielle Bedeutung dieses Apostels für das ritter-liche spanische Volk:
„Der l,l. Jakobns vollbrachte das ihm von Gott über-tragene Avostolat über Spanien vom nennten Jahrhundertan und vom Himmel herab. Der Herr der Kirche hat dasunter dem Drucke der Mauren seufzende und beinaheuntergehende christliche Spanien , das er nicht untergehenlassen, sondern wunderbar erretten wollte, in die Händedes Apostels Jakobus geistiger Weise übergeben unddurch die Fürbitte und die Vermittlung des ApostelsJakobus eine solche Fülle von geistlicher Kraft überdas christliche Spanien ausgegasten, daß es ausden, sonst unmöglichen Kampf als Sieger hervorgingund nach acht Jahrhunderten den Besitz des durch eineSchlacht von acht Tagen verlorenen Landes wieder er-langte von den Pyrenäen und dem Kap Finisterrä biszum Kap Sän Vicente und Gibraltar . Diese Ehre undAuszeichnung eines Volkes, wie sie Spanien durch denSchutz eines hl. Jakobus erlangt hat, ist einzig dastehendin der Weltgeschichte. An ihr nehmen aber auch dieübrigen Völker des Abendlandes Antheil, denn wäreSpanien ganz muhammedanisch geworden und geblieben,so wäre das in der Mitte liegende christliche Europa vonWesten und von Osten umspannt und von den Jüngerndes falschen Propheten wohl erdrückt worden."
Das Gesagte mag hinreichen, um zu begreifen, daßvon allen Seiten die spanischen Pilger zum Grabe deshl. Apostels und ihres Patrons, nach Santiago wallten.Die Geschichte bezeugt uns aber auch, daß dies nichtallein von den Bewohnern der iberischen Halbinsel ge-schah, sondern auch von den Christen aller LänderEuropa's, ja selbst Asiens .
(Fortsetzung folgt.)
Zu seinem 10Ojähr. Geburtstag (31. Jan. 1797)von A. G.
(Schluß.)
Selbstverständlich können wir nicht alle seine un-gcmein vielen Kompositionen anführen, noch weniger dieeinzelnen einer weiteren Kritik unterziehen, da dies denuns zugewiesenen Raum weit überschreiten würde. Be-merkt sei, dqß er damals schon ein paar Hundert Liedergeschrieben hatte, sie wurden gesungen, aber nicht edixt,der arme Künstler, hatte hiezn keine Mittel,- und dieMusikalienhändler hüteten sich vor einem „aufkeimendenTalente". Welch ein Contrast zur heutigen Zeit! ImJahre 1820 wurde sein erstes Stück, das Singspiel„Die Zwillinge", in Wien gegeben; es erlebte mit Voglsechs Aufführungen und verschwand dann für immer vomRepertoire; die „Zanberharfe" hatte das gleiche Schicksal,die Textbücher waren eben damals oft auch zu abge-schmackt, manchmal trivial, die Musik wurde von Kritikernals „artig" bezeichnet. Es entstand das Oratorium (vonSchubert „Ostercautate" genannt) „Lazarns oder die Feierder Auferstehung", bestehend aus Arien und Ariosen,Chören und Recitativen. Ein Jahr darauf (1821) schössenendlich einige einflußreiche Gönner des Komponisten dasGeld zusammen für die commissionsweise Herausgabeeines Werkes. Jetzt hätte der Komponist zugreifen sollen— man kaun sagen — müssen, aber er war zu gut-müthig, sicherte sich kein Verlagsrecht, die Verlagshändlerwaren knickerig, übervortheilten ihn, und Schubert bliebwiederum arm, wie er gewesen. Aus dieser Zeit stammtein Bild von ihm: eine jugendliche trotz Armuth ziemlichvolle Gestalt, geträufeltes Haar und dcßgteichen Backen-
bart, Brille, ernstes Gesicht, man kann sagen: das Bildeines ernsten jungen Schullchrers. Er genoß jetzt einen Rufals Liedercomponist, erhielt Einladungen, war aber keinFreund von Gesellschaften, da er zu wortkarg, zu schüchternwar. Seine Oper „Alfonso und Estrella", die damalsentstand, wurde nur einmal aufgeführt, und zwar ge-raume Zeit nach seinem — Tode, wie die meisten seinerWerke.
Interessant ist die Begegnung Carl Maria v. Wcbcr'smit Schubert. Ersterer war Ende des Jahres 1823 beiAufführung seiner Oper „Euryanthe" nach Wien ge-kommen. Schubert war auch in der Vorstellung, äußertesich aber nicht gar günstig über die Oper, er stellte viel-mehr den „Freischütz" weit über sie; „der Freischütz lvarso zart und innig, er bezauberte durch Lieblichkeit, in derEuryanthe aber ist wenig Gemüthlichkeit zu finden".Weber, dem dieses Urtheil alsbald hinterbracht wurde,sagte: „Der Lasse soll früher etwas lernen, bevor ermich beurtheilt." Schubert ging hierauf selbst zu Webermit seiner Oper „Alfonso und Estrella", Weber aberwar damals unversöhnlich und sagte zu Schubert: „Ichsage Ihnen, daß man die ersten Hunde und die erstenOpern ertränkt." Er hielt das genannte Werk als daserste Schubert's; zu bemerken ist aber, daß Weber sichspäter sehr anerkennend über Schubert's Werke anssprach.Eitelkeit diktirt eben oft zuerst zu schroff!
Erwähnt sei aus jener Zeit des Meisters 8-nwU-Symphonie, die erst 40 Jahre nach seinem Tode, imJahre 1865, zur Aufführung kam, allerdings seither einegroße Runde machte. Sie dürfte der großen 6-6 ur-Symphonie des Meisters noch überlegen sein. Das Bildeiner leidenden Seele — sein Bild — entrollt er inderselben. Er zeigt hier die Tiefe seines Geistes, denbewunderungswerthen Reichthum einer Natur, in der nebender ganzen Einfalt eines Kindes aus dem Volke auch-jene hervorragende Größe der Empfindung wohnte, dieBeethovens Theil war.
Er arbeitete unverdrossen weiter an Opern, diezurückgewiesen wurden oder einmal über die Brettergingen, an Liedern und Kantaten, die er im Pult ver-schloß und die zum großen Theil verloren gingen. , ImJahre 1826 wagte der schüchterne Meister, um die Stellei eines Vicckapellulelsters in der kaiserlichen Hofkapelle au-fzuhalten und fiel durch, Hoftheaterkapellmeister JosefWeigle siegte, Schubert kam gar nicht in Vorschlag beimKaiser. Er aber nannte Weigle selbst „ganz würdig undtüchtig für diesen Posten, wcßhalb ich mich gern zu-frieden gebe"! Es ivird von den Biographen betont,daß er wohl die Dirigentenstellc am Kärntnerthortheatererhalten hätte, allein er wollte Kürzungen und Verein-fachungen an einer Probcarbeit — obwohl er allgemeingebeten wurde bei den Proben, besonders auch von derVertreterin der Hauptpartie Frl. Schechner — absolutnicht vornehmen, hier war er starr und eigensinnig, undmit der Anstellung hatte es nun sein Ende.
In jener Zeit machte er eine Reise nach Graz mitund zu Freunden und war glückselig; die Zeit seinesLebens kam er einmal nach Ungarn, einmal nach Ober-österreich und nach Graz, und doch wäre er so gernegereist, aber stets mangelte das nöthige Kleingeld. Ausdamaliger Zeit sind von seinen Arbeiten zu erwähnen:„Der Hochzeitsbraten", „Der Schlachtgesang" von Klop-stock für Doppelchor, das „Ständchen" von Grillparzcr,eine italienische Kantate, die deutsche Messe rc., und voll-endet- er die 0-Symphonie nebst Kompositionen für