Ausgabe 
(3.2.1897) 6
 
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das Evangelium in der ganzen Welt zn verkünden. Indemnun der hl. Apostel Jakobus nach Spanien kam, erfüllteer diesen Befehl, wie andere Apostel in anderen fernenGegenden. Sein Martertod in Jerusalem fällt in dieZeit der zweiten Verfolgung der Apostel von Seite derJuden um das Jahr 44 n. Chr. Bis dahin war zueiner apostolischen Reise nach Spanien hinreichend Zeit.Für die Allgemeinheit der Tradition spricht, daß Hochund Nieder, Reich und Arm, Fürst und Unterthan die-selbe gekannt haben; daß ferner Spanien ihn zu seinemLandespatron auserkoren hat.Es mußte, sagt derportugiesische Schriftsteller Franz Maceda, ein sehr ge-wichtiger Grund vorliegen, der die Spanier veranlaßte,gerade diesen Heiligen allen andern vorzuziehen, und eskonnte dies kein anderer Grund sein, als eben die An-wesenheit des Apostels in Spanien ." Auch spricht znGunsten der spanischen Tradition, daß nicht bloß inSpanien , foitdern in der ganzen Christenheit dieselbeUeberzeugung geherrscht hat. Als besondere Zeugen führtMariana die Aussprüche des hl. Hieronymus, Hippolyt,Jsidor von Sevilla, Braulins (Bischof von Zaragoza ),Julian (Bischof von Toledo im 7. Jahrhundert) und desBeda Vencrabilis (im Anfang des 8. Jahrhunderts) an.Auch das Martyrologium von Weissenburg im Elsaß ansdeni Jahre 772, ferner die altspanische Liturgie und dievon mehreren Päpsten bestätigten kirchlichen Officien vonToledo geben Zeugniß von der Tradition über dasapostolische Wirken des hl. Jakobus in Spanien . Derberühmte Kritiker Don Juan'), Francisco Masdeu sprichtsich in seinerRoxans Romans? (R. III p. 204) überdie Anwesenheit des Apostels in Spanien also aus:Derhl. Apostel Jakobus der Aeltere war der erste Lehrerder Spanier, und es scheint, daß er während der kurzenZeit seines Aufenthaltes in Spanien die heutige ProvinzGalizien und einen kleinen Theil von Portugal besuchteund von da aus die Richtung nach Osten einschlagendüber Leon und Altkastilien bis in die Mitte von Ara-gonieu vorgedrungen ist. Nachdem er dort zwei Jünger(Schüler) mit Fortsetzung seiner apostolischen Predigt be-traut hatte, kehrte er mit sieben anderen Genossen nachJerusalem zurück, wo Herodes um das Jahr 43 oder 44unserer Zeitrechnung unter der Regierung des KaisersClaudius ihm das Haupt abschlagen ließ.... Die Nach-richt von der Predigt des hl. Jakobus des Äelteren inSpanien gründet sich in erster Linie auf Zeugnisse alterSchriftsteller, angefangen von Didymus von Älcxandrien(4. Jahrh.) bis ins Mittelalter. An diese Grundlagefügt sich die uralte Tradition, welche die spanischen Schriftsteller bezeugen."

Läßt sich nun allerdings absolute Sicherheit nichterreichen, so dürfte aus dem Gesagten doch hervorgehen,daß der Wahrscheinlichkeitsbeweis von hohem Werthe istund es ganz ungerecht wäre, die uralte Ueberlieferungvon der Thätigkeit des hl. Apostels Jakobus in Spanien ohne wciters in das Gebiet der Sage zu verweisen.Und wenn nun die hervorragendsten spanischen Schrift-

') Wir bitten die verehelichen Leser und namentlichLeserinnen dringend, die Worte der herrlichen spanischenSprache nicht zu mißhandeln und etwa gar französischausznsprechen. Spanisches j lautet wiech" (rauh); II wie,,lj"; n wienj" ; oll wietfch"; o vor o und i, sowieimmer 2 wieds", sonst o wiek"; 8 vor s und I wieweichesch", sonst wieg"; gu wiek"; §ü und gii wiegw" undkw": ll ist stumm; ^ ist alleinstehendi", sonstkonsonantisch. Es ist zum Olirenzerrcipen die bekannteMozart sehe Oper als französisch ausgesprochenenDonJouan zn hören!

steller und kirchlichen Würdenträger die triftigsten Gründefür die Tradition anführen, ja wenn selbst der hl. VaterPapst Leo XIII. in einem officiellen Sendschreiben voneinerheiligen und uralten Ueberlieferung" spricht, so istder, welcher diesem Glauben beipflichtet, zweifellos in derdenkbar besten Gesellschaft, in Uebereinstimmung mit hocherleuchteten Männern, deren Ueberzeugung auf festenGrund gebaut ist. Wie einfach und natürlich läßt sichhier Alles erklären im Vergleich etwa zur Traditionanderer Wallfahrtsorte oder Religuienschätze, die doch auchhoch verehrt werden, obgleich der historische Hintergrundäußerst unzuverlässig ist und die Ueberlieferung das Ge-präge der Unwahrscheinlichkeit gar zu sehr auf derStirne trägt. Da steht denn doch Santiago de Com»postela auf ganz anderem Boden, und wehren sich dieSpanier unseres Erachtens mit vollem Recht gegen dieZweifel deutscher Kritik.

In dem Jahrhunderte lang währenden Heldenkampfdes spanischen Volkes gegen den verzehrenden Fanatismusund die Grausamkeit des Islam galt ihm der hl. Jakobusstets als Beschützer und Vorkämpfer im hl. Kriege undals Herold des Sieges. Nicht weniger als 38 sicht-bare Erscheinungen des hl. Apostels in ebensovielenSchlachten gegen die Sarazenen zählt ein gelehrter Ge-schichtschreiber Spaniens auf. Die berühmteste unterdiesen Visionen ist jene in der Schlacht bei Clavijaim Jahre 844, die uns Mariana, der spanische Livius,berichtet, wie folgt:

Nachdem die Christen einen ganzen Tag erfolglosgegen die Ucbermacht der Sarazenen gestritten und beihereinbrechender Nacht sich zurückgezogen hatten, erschiender Apostel dem Kömge Don Ramiro I. im Traume undfeuerte ihn zur Fortsetzung des Kampfes am anderen Tagean, wozu er ihm feinen Beistand versprach. Die Unfrigengriffen Tags darauf mit frischem Muthe den Feind anund umzingelten ihn, mit lauter Stimme den SchlachtrufSantiago gebrauchend, mit welchem seit jener Schlachtbis auf den heutigen Tag die spanischen Soldaten in denKampf ziehen. Die durch die unerwartete Kühnheit derUusrigen. die bereits für überwunden galten, in Ver-wirrung gerathenen Barbaren erfaßte ob der uns vomHimmel zu Theil gewordenen Hilfe ein solcher Schrecken,daß sie dem ungestümen Angriff der Christen nicht Stand.zu hallen vermochten. Der hl. Apostel Jakobus wurde,wie er dem Könige verheißen hat, während der Schlachtgesehen als Kämpfer auf weißem Rosse und mit weißemBanner, dessen Mitte ein rothes Kreuz zierte. Sein An-blick entflammte den Muth der Unsrigen anf's höchste,und die Barbaren, auf allen Seiten geschlagen, ergriffendie Flucht."

Darum wird feit jenen Heldcntagen in Spauiender hl. Apostel Jakobus nicht bloß als friedlicher Ver-kündet der Gottesbotschaft mit Stab und Pilgerhut ab-gebildet, sondern ebenso gern als Ritter, hoch zu Roßmit gezücktem Schwert in der erhobenen Rechten und demBanner in der Linken, während drei bewaffnete Sarazenensich unter den Hufen seines aufbäumenden Streitrosseskrümmen. Diese Darstellung sah ich nicht bloß in derWallfahrtskirche zu Compostela, sondern in den ver-schiedensten Kirchen des Landes. Hat sich auch die Kircheüber die Echtheit jener Erscheinung des hl. Apostels nichtausgesprochen, so ist es doch Thatsache, daß seit derSchlacht von Clavijo 844 das Vertrauen auf den Schutzdes Apostels wahre Wunder der Tapferkeit in den span-ischen Heeren gegen die Mauren wirkte. Dieser Glaubeist es, der die Spanier rettete, wenn sie unter dein Ge-beteHilf uns Gott und Du, seliger Jakobus" in diesiegreiche Schlacht zogen; ans Dankbarkeit brachten siedann jedesmal einen Theil der Siegesbente als Weihe-