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Kammermusik. Seine Werke waren jetzt geschätzt, wurdenmit Beifall aufgeführt, es fanden sich Berleger, welchezwar immer noch gering bezahlten, aber sie bezahltendoch, das Leben schien für den Meister rosiger zu werden;aber der Himmel wollte es anders; nach 9 tägiger Krank-heit starb er in den Armen seines Bruders Ferdinandam 19. November 1828. Der betagte Vater hatte als-bald nach Beginn der Krankheit Sorge getragen, daßihm die heil. Sakramente gespendet wurden. Ehrenvollwurde er beerdigt und ruht ganz in der Nähe Beethovens ,seines erhabenen Vorbildes, wie er es wünschte, wennauch, wie berichtet wird, in Fieberphantasien. Bald er-hob sich ein Grabmal über seinem Hügel. Freundestifteten es aus dem Ertrag von Concerten mit seinenCompositionen; Franz Grillparzer verfaßte die Inschrift:
Der Tod begrub hier einen reichen Besitz,
Aber noch schönere Hoffnungen.
Hier liegt Franz Schubert ,geboren am 21. Jänner 1897,gestorben am 19. November 1828,
31 Jahre alt.
Die zweite Linie wollte man Grillparzer übelnehmen,mit Unrecht, denn als Schubert starb, waren nicht einmalseine Lieder noch recht bekannt, und Grillparzer wolltesicher nur dem Gedanken Ausdruck geben, den wohl sehrviele bei dem Tode des jungen Tondichters hegten undwohl auch ungescheut anssprachen. Das ist das Lebendes größten, genialsten Meisters des deutschen Liedes —kurz gefaßt, das Leben eines Künstlers, das still dahin-floß, gleichsam abseits der Straßen der großen Welt.Er hat gewiß auf allen Gebieten der Composition Vielesund mitunter Großes geleistet, sein eigentlichstes Gebietaber war — das deutsche Lied; nicht weniger als sechs-hundert Lieder hat er geschrieben, von denen aber nochnicht alle veröffentlicht sind. Seine Nachfolger auf diesemGebiete sind Mendelssohn und Robert Schumann , letztere^sicher der genialste Nachfolger Schuberts . Die Jnstru-mentalwerke Schuberts fanden mitunter erst lange nachseinem Tode die richtige Anerkennung, seine Opern sindmitunter heute noch tarra inoognita, denn nur wenigekamen zur Aufführung, dcßgleichen Feine Messen. Erstdie neueste Zeit hat den Werth des Tondichters undseiner Werke mehr gewürdigt; Frankreich ist dießbezüglichDeutschland vorangekommen. In Deutschland griffenzuerst in den reichen hinterlassenen Schatz des Meistersein die großen Vereine seiner Vaterstadt Wien und dasConcerthaus in Leipzig . Heute freilich kennt manSchubert in allen musikalischen Kreisen — lang' hat'sgebraucht! — man kennt ihn, und er wird stets geltenals ein nngemein vielseitiger, origineller Tondichter, alseine Zierde, als ein Stolz Deutschlands !
Von Adam Hirschmann.
(Fortsetzung.)
Die erste und wichtigste Frage ist diese: Was be-richten die glcichzcitlichen Quellen? Besitzen wir vonStilla irgend eine Lebcusgeschichte des 12. oder 13. Jahr-hunderts? Wird ihr Name urkundlich beglaubiget durchirgend ein Aktenstück ihrer Zeit? Nicht im mindesten.Muck (Geschichte von Kloster Hcilsbroun, Nördliugcn 1879,I, 5) schreibt: „Einer abeuüergischen Grafeutochtcr Stillageschieht weder im Heilsbronuer Archiv, noch in der Biblio-thek, noch in der alten Registratur Erwähnung. DerHeilsbronuer Todtenrotcl kennt den Namen Stilla nicht."
Die erste Nachricht hierüber verdanken wir dem eich-stättischen Visitator Johann Vogt , Kanonikus am St.Willibaldsstifte, welcher 1480 die einzelnen Pfarreien derDiöccse besuchte. Zu Abenberg bemerkt er: Oappslla8t. katri extra, Fhenstsrg aci cznoin inaxiinns üeretconenrsno stominuin. aä sttam Ltiliani, si sclitionratnrodorns ant altare rekormaretnr. Die Kapelle deshl. Petrus befindet sich außerhalb der Stadt Abenberg , zuwelcher sich ein sehr großer Zusammenfluß von Menschenentwickeln würde zur sel. Stilla , wenn ein Chor erbautoder der Altar wieder hergestellt würde (Manuskript desbischöflichen Ordinariatsarchivs Eichstätt x. 99b).
Vogt kennt somit den Cult der seligen Stilla, welcherbei Erbauung eines Chores in der Petcrskapelle oder beiErneuerung des Altares (ob derselbe mit dem BildnisseStilla's versehen war, kann aus den angeführten Wortennicht mit Bestimmtheit erschlossen werden) größere Di-mensionen annehmen würde, aber über die Abstammung,das Zeitalter derselben schweigt er vollständig. War ihmdie abenbergische Ortsüberlieserung unbekannt oder schenkteer derselben keinen Glauben?
Der bischöfliche Visitator kam im gleichen Jahre auchnach Wendelstein . In der Pfarrkirche daselbst ruhte aufvier Säulen ein Steinsarg, in Form einer Kapelle ge-arbeitet, mit der Umschrift: „Hye liegt begraben dyeHehlig FFraw Sanct Atzin styfterin diß gotzhauß. E. Z."Im Jahre 1447 war derselbe geöffnet worden, im Innernhatte sich ein kleiner Schrein aus Blei vorgefunden, welcherReliquien enthielt. Dieselben zeigten sich unversehrt, aberSchrift und Siegel waren verschwunden. An der nahenMauer hing ein Holzgemälde mit Darstellung der Wunder-zeichen der Heilige», über welche der Frühmessen vonWendelstein, Heinrich Hcrtele, dem Visitator aus Eichstätt nähere Aufklärungen gab. (Past.-Bl. .1860, 222;1873, 83.)
Aehnlich handelte Vogt gegenüber der Pfarrer GeorgFaber von Holnstein bei Bcrching.') In der dortigenPfarrkirche findet sich dermalen noch ein nicht sehr großerStein an den Stufen des Nebcnaltares auf der Evan-gelienseite eingemauert, welcher in rohen Umrissen dasBild eines Heiligen darstellt, eine Art von Barett aus demHaupte und in der rechten und in der linken Hand Brod> wecken haltend. Der Stein trägt in frühgotischer Schriftdie zwei Worte: Lenins Ilaz-rnotus.
Pfarrer Faber berichtete nun 1480 dem bischöflichenVisitator Vogt: In seiner Kirche befinde sich ein Grab»zu welchem fast täglich Menschen zuströmen, besonderszahlreich in der Osteroktav, und den dort bestattetenRcinbottns verehren; sie spenden Weizen und erhaltendafür gebackencs Brod. (Past.-Bl. 1876, 93.)
Mochte nun auch beim Besuche Vogts die PfarreiAbenberg, aus welche dem Domkapitel zu Eichstätt das
') Götz (Gcogr.-Histor. Handbuch v. Bayern I, 744)schreibt über Holnstein: „Es gehörte ursprünglich derPrälatnr Plankstetten, der es von den Stiftern diesesKlosters, den Grafen von Hirschberg, zur Fundation ge-schenkt worden war, ward 1624 von Herzog Maximilian I.an den General Titln als Mannslehen vergabt und ging1728 an des Kurfürsten Karl Albrecht und der Freiinvon Jngelheim natürlichen Sohn Ludwig über, welcher,vom Vater als legitim anerkannt, am 4. Oktober 1728 denTitel eines Grasen von Holnstein („aus Bayern") erhieltund 1768 in den Neichsgrafenstand erhoben wurde, dessenNachkommen noch das Schloß besitzen." Letztere Angabeist nicht mehr der Wahrheit entsprechend. Denn dasSchloßgnt wurde 1881 zu einer Krelincnanstalt angekauft(Past.-Bl. 1881, 73).
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