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Präsentationsrccht zustand, nur mit einem VerweserWolfgang Swenker, welcher zu Augsburg geweihtworden war, besetzt sein, so erwartet man doch, daß dieBürgerschaft mit den Kirchenpröpsten an der Spitze denVertreter des Bischofes auf das besondere Heiligthnmder Stadt, das Grab Stilla's, aufmerksam gemacht undihm soweit als möglich Aufschluß über die adelige Her-kunft der Jungfrau aus dein ortseingesessenen Grafeu-geschlechte gegeben habe. Oder sollte Vogt es versäumtund vergessen haben, die gesammelten Notizen über Stilla'sVergangenheit der Nachwelt zu überliefern? Jedenfallssind ein zerfallener Chor, ein ruinöser Altar schlechteZeugen für einen frischen, lebendigen Cnlt Stilla's.Doch wir wollen das arZumsiitum s silsntio nicht all-zusehr betonen.
Räder glaubt das Schweigen der Historiographendes Mittelalters über Stilla durch die Annahme erklärenzu können, daß die Namen der Frauenspersonen ge-wöhnlich Übergängen worden seien, falls sie nicht in denEhestand traten. Aber eine hl. Waldburga, Thckla,Lioba usw. sind urkundlich genügend bezeugt, ohne daßsie nöthig hatten, durch Ehemänner ihre Namen derNachwelt zu überliefern. In den Schanknngs- undStiftungsnrkunden von Klöstern werden die Namenadeliger und nichtadeliger Klosterfrauen aufgeführt. Soerscheinen z. B'. in den Kopialbüchern des FranenklostersSt. Waldbnrg in Eichstätt die Namen: Jmma, Gisela,Berhteradis, Luichardis, Firidernni, Benedikta, Mach-tildis, Baselina, Jnta, Knnegnndis, zwischen 1035 bis1200; gegen 1260 treten auf: Jrmengard, Gertrud,Irin, Agnes. (Sammclblatt des Histor. Vereins Eich-stätt I, 38-39; IV, 18 ff.)
Wärmn soll nun gerade der Name SMa allenHistorikern vor 1480 entgangen sein? Haben sie viel-leicht absichtlich die Trägerin dieses Namens tot-geschwiegen ?
Greiser leitet denselben her von Stille, Stillschweigen
(8i1entmrin); Falckenstein bemerkt in gleicher Auffassung :Stilla kann etwa von dem deutschen Wort Stille seinenUrsprung haben und verweist auf die deutschen Francu -namen: Stillina und Stillimuot?)
Müller (l. o. p. V) hält es für höchst wahrscheinlich,daß die in Frage stehende Grafcntochter von Abcnbergursprünglich Hcdwig geheißen habe, jedoch später wegenihrer Eingczogcnhcit und Sitisamkcit den Namen „Stilla"erhalten habe.
Müller beruft sich für diese Annahme auf Pros.vr. Schund in Tübingen , welcher eine Geschichte derGrafen von Zolleru-Hohenberg (Stuttgart 1862, 2 Bde.)geschrieben hat. Aber hiegegcn ist zu betonen: Von derMöglichkeit einer derartigen Namensänderung, wie sieSchmid zugesteht, kann noch nicht auf die Wirklichkeitgeschlossen werden, abgesehen von der Frage: warum undwann soll es gekommen sein, daß der eigentliche deutscheName Hedwig mit dem latinisirten Stilla vertauscht undvergessen werden konnte? Wohin würde die Geschichts-forschung gerathen, wenn ohne sichere Belege Namenmit einander vermischt werden würden?
Wenden wir uns nunmehr zu der AbstammungStillas von den Grafen zu Abenberg .
Nach Falckenstein XorclZav. I, 52) lvar
Stilla eine Tochter des Grafen Wolfram II. von Aben-bcrg, welcher außer diesem Kinde noch zwei Söhne:Rapoto und Konrad, die späteren Gründer des Cister-cienser - Klosters Hcilsbronn, besaß. Suttner (Past.-Bl.1856, 124) schloß sich dieser Anschauung an, währendGreiseren Wolfram II. den Vater des Grafen Zelchussah, welcher neben zwei Söhnen: Rapoto und Konrad,eine Tochter: Stilla, hinterließ.
Hiegegcn stellte Seefried in seinem Werke; „DieGrafen von Abenberg, die Ahnen des preußischen Königs-hauses" (München 1869) Seite 41 folgenden Stamm»bäum auf:
Wolfram I. (1045).
Wolfram II. (1071—1108). Adalbert 4 1108 Otto v, Abenberg . _
'Wolfram III. t o. 1148. Ottm Conrad, Domherr. - Rapoto, Otto
Hedwig v. Vohburg. Erzbischof v. Salzburg. Graf v. Abenberg Bischof v.Bamberg .
i ' , ch o.A130. -f 1139.
Rapoto, Graf v. Abenberg , Hedwig, Reinhard,
t 22. Mai 1172/73. verm. mit Bischof von WürzbnrgPoppo. -f 1183.
Adalbert,' Eonrad I. Sungcnannte4 c-. 1139. 1 Schwestern.
^ Conrad II. , Stilla. Rapoto,
Graf v. Abcnberg, Abt von Heilsbronn .
-k v. 1191.
In einer späteren Schrift: „Der definitive Ueber-gang der Bnrggrafschaft Nürnberg von den Grafen vonNetz an die Grafen von Abenberg um 1177/78" (Augs-burg 1895), berichtigte der Verfasser obige Stämmreihe,indem er Stilla's Gcfchlcchtsabfolge durch Konrad I. undRapoto I. (o. 1122 bis 1127) von Wolfram II. (1071bis 1108) ableitete.
Gegen diese genealogischen Vermuthungen sprechenentschieden die Aufzeichnungen von Priefer und Koch,welche sich auf dieabenbergischenOrtsübcrlicfcrnngen stützen,wornach Stilla eine Tochter des Grafen Zelchus (auchSolchns, Zölch geschrieben) gewesen sei.
Wer ist nun dieser Graf Zelchus? Die Geschichtekennt seinen Namen nicht.
Suttner glaubte denselben von einer falschen Lesartin der später zu behandelnden Urkunde des Bischofes
Bnrchard von Eichstätt : cwllulava in sufiurbio Ffieir-fivrgus a, pntrs Loleo inaom^stentor irmfiontamstatt a xmtrs suo, loao inoowxstsuti inolicmtam"
v) Orsts. X, 828; Kalelumstsm, ^.ntig. Xoi'üg'. I, 52.Förstemann, Althochdeutsches Namenbuch (1856) leitetS. 1123 Stilla her von still; nach Autele du lckmwtsisr:Z-vnascsnm saernm, Seite 1124 verzeichnet er: Stillimot,weiblicher Name aus dein 9. Jahrhundert, Stillamot undStillimuot. Ueber deutsche Fraucnnamen im Mittelnltcrs. Weinhold, Die deutschen Frauen in dem Mittelalter,
I, 9—28; Scherr, Geschichte der deutschen Frauenwelt, I,201—207. Den Namen Stilla konnte ich weder im röm-ischen Martyrologium (ecl. Karouing, Komas 1630) nochin jenen: Ados (sä. OeorZl, Komas 1744) noch bei Lechner,Mittclaltcrl. Kalendarien, noch bei Ebner. Quellen undForschungen finden. Jnteresschalber sei aus Ebner S. 343angeführt: 3. De,:. <1sp. 8. 8ols virK-. (!), sonst aber eon-t'sssar. Im martzn'ol. Hisronz-m. (Xvt. 88. msns. Xov.
II, 57) wird genannt: VIII i(l. Llai: Ltlals.