Ausgabe 
(3.2.1897) 6
 
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Das Gebot der Ordnung bringt nn» wieder eine gegen-seitige Beziehung dieser drei natürlichen menschlichen Ber-einigungen mit sich. In jeder derselben mns; wiedereine Ordnung sein, die im nächsten Endzwecke der be-treffenden Vereinigung Maß und Norm findet. InUnterordnung unter diese naturgemäßen Vereinigungenmuß sich nun das private und individuelle Leben imAusbau der natürlichen Kräfte des Menschen entwickeln.Alles dieses aber zusammen hat schließlich seinen letztenrechtlichen und vernünftigen Grund, sowie seine letzteNorm in der Endaufgabe des Menschen. Dieser End-aufgabe muß alles in der Welt dienen, direkt oder in-direkt. So steht denn der Mensch gerade in dem, wasihn zum Menschen macht, auf der Spitze der sichtbarenSchöpfung; in seiner letzten Aufgabe eint und ordnet erdie ganze unvernünftige und vernünftige, die ganzephysische, rechtliche und sittliche Welt. Mit den Füßenberührt der Mensch die Welt unter sich, mit seinemScheitel aber berührt er die Sterne, den ewigen Sonnen-thron Gottes. Nun dürfen wir den Satz aussprechen,daß die Welt ihr Ziel und ihre Vollendungim Glück des Menschen habe. Das Glück desMenschen ist es, was am sausenden Webstnhl der Zeitengewoben wird.

Hat der Mensch sein letztes Ziel erreicht, so hatauch die ganze Schöpfung ihren Endzweck, die Verherr-lichung Gottes, in schönster Weise vollendet. Aber frei-lich, bis dieses Ziel erreicht ist, muß eine gewaltigeSumme von Arbeit an diesem Webstnhl der Zeiten ge-leistet werden. Da ist es nun wieder Gott, der wachendund ordnend darüber steht. Gottes unendliche Weisheitsorgt, daß im großen Getriebe der Welt die einzelnenFäden sich nicht verschlingen und heillos verknüpfen, daßdie einzelnen Glieder der Weltmaschine nicht ihren Dienstversagen, daß sie richtig ineinandergreifen, kurz daß ausder unermeßlichen Vielfältigkeit des Strebens und Wcbensin Raum und Zeit ein einheitliches harmonisches Ganzeerwachse.") Und so steht denn gleich der Sonne amHimmel die göttliche Vorsehung alles Seiende er-haltend"), bei allem Wirkenden mitwirkend"), alles Ge-schaffene leitend und vollendend über der Welt.")Ueberdem Himmel wohnt" schreibt Jos. v. Görres")dieherrschende Gottesmachk; nicht von den Finsternissen derTiefe umnachtet, ist vielmehr Licht c ihr eigenstes Wesen.Nicht blind und sich selber unverständlich ist sie daherin ihrem Wirken, sondern ihres Thuns sich bewußt handeltsie, selber frei, jegliche ethische Freiheit achtend. Und sosteht diese ewige Geistersonne der Betrachtung über demWeltall als die gebietende Mitte. Von allen Bahnen,in denen sich das natürliche Princip (die geschaffene Welt)bewegt, umkreist, in Licht gekleidet, in den Sterncnmantelgehüllt, lenkt sie als ewige Vorsehung den Lauf derBegebenheiten, die willigen Kräfte leitend, die wider-

dttrfen, daß eine Befolgung dieser Ordnung der Beziehungdes Menschen auf das letzte Ziel direkt entgegengesetzt seinwürde.

")Reoesoe est, ut Heus, gni est in ss uatursliterxsrtectus st omnibns entibus er sug potestste esse larZftur,omnium entmin rsctoi- erlstat; a unllo utigue ckireotus;nee est aliguicl, griocl ab eins reAlinins eronsetnr, siontnee est alignick, guock ob ich so esse non sortiatnr."ß. c. §. Üb. II oap. I. ok. cax. 64.

") 8. o. ß'. lid. III cop.. 8. llb. I g. 104 a, I. 2.

") 8. o. §. Üb. III crm. 66-70. 8. 111. I q. 105 a. 5.

") 8. 1b. I. g. 103.

Grundzüge einer Weltgeschichte S. 13.

strebenden zwingend, und nur die geknechtete Natur imZügel der Nothwendigkeit haltend und sie an unbeug-same Gesetze bindend." Das ist die göttliche Welt-regiernng.

Alles lenkt Gott , die ewige Gerechtigkeit, znmZiele";nav ö-ru vu),uä", lesen wir beim großenAcschylus.") Aber im Alterthum war der Gedanke andie göttliche Vorsehung doch meistens verwandelt in dasSchrcckensbild des Fatums. Die unerbittlichen Satzungendes Fatums haben die Schicksale des Menschen schonvor seiner Geburt entschieden; und der ohnmächtigeMensch muß auch beim besten Willen und Streben insVerderben stürzen, wie jener unglückliche König Oedipus ,wenn ihm dieses Loos von den Schicksalsparzen bestimmtist. Darum konnte sich der gepreßten Brust des Heidender Verzweiflungsruf entringen:Vesiuv tnta, cleumsieoti spornre preonncko";Hoffe nicht, der GottheitSpruch durch Beten zu beugen". In eine ganz andere,reinere Atmosphäre hat die christliche Philosophie dashehre Bild der göttlichen Vorsehung gerückt. Mankönnte die göttliche Weltregiernng nicht ärger verkennen,als wenn man sich dächte, daß Gott durch das Auf- undNiederfluthen der Ereignisse das Weltenschiff, man ver-zeihe den Ausdruck, gleichsam in trotzigem Eigensinn mitrein mechanischem Zwang steuerte. Nein, das sei fernvon Gott.")

(Schluß folgt.)

Literarisches.

Frühvorträge über das Leiden Christi für jesechs Sonntage in der Fastenzeit auf neun Jahre,bearbeitet nach älteren Asceten von W. Loreuz,b. geistl. Rath, freires. Dechant und Pfarrer. Mitoberhirtl. Druckgenehmigung. Regens bürg, Pustet,1897. IV. 319. 8. 2 M.

Der hochw. Herr Verfasser dieser ,,Frühvorträge".früher Subregens des bischöflichen Klerrkalseminars zuRegensburg , dann etwa 25 Jahre Pfarrer, nun aber»durch Altersgebrechen unfähig geworden, an der aktivenSeelsorge ferner sich zu bethciligen", wollteseinen Mit-brüdern besonders für die Fastenzeit in der Verkündigungdes Wortes Gottes einige Beihilfe leisten" und hat darumdiese Frühlehren, welche von ihmzur Zeit des Cultur-kampfes in Deutschland " gehalten worden sind, dem Druckeübergeben (Vorw.). Dieselben sind wirklich nichts Gewöhn-liches, sondern etwas recht Brauchbares und Gediegenes.Sie sind mit Sorgfalt ausgearbeitet, einfach und gutdisponirt, durch packende Beispiele belebt und wahrhafteindringlich und ergreifend. Als Frühvorträge sind sienicht laug 54 Vortrage auf 316 SS. 8°, dürftenaber auch zum Vortrage beim Hanptgottcsdienste aus-reichen und können übrigens nach Bedürfniß leicht er-weitert werden. Jene hochw. Herren Seelsorger, welcheunter Leitung des Herrn Verfassers sich zum Priesterthumvorbereitet haben, werden dieseFrühvorträge" gewißgerne als Andenken an ihren früheren hochverehrtenSeminarsvorstand erwerben, zumal der Preis niedrig2 M. für 20 Druckbogen und das Honorarfür seel-sorgliche Zwecke in der Diaspora" bestimmt ist. Möchteder ehrwürdige Priestergreis sich entschließen, ähnlicheVortrüge für das ganze Kirchenjahr herauszugeben;möchten nichtAltersgebrechen" ihn daran verhindern undmöchte ihm noch ein langesotlum cum ckiKuitats" be-schieden sein!

M. r, Pfarrer.

") LZÄM. V. 782.

") Es ist vielmehr das Grundprincip der göttlichenWeltregierung, durchaus die Natur und Eigenart derDinge zu wahren, so daß alles, was geschieht, geradedarum so geschieht, weil es die Natur der Dingeselbst mit sich bringt und bewirkt.

^ Gerantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. JnslituiS von Haas L Grabherr in Augsburg.