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Katholiken in ihren Gefühlen zu kränken und die geschicht-liche Wahrheit mit Füßen zu treten? Möge bei eineretwaigen Neuauflage die Redaction bestrebt sein, allesVerletzende bei einem für das deutsche Volk bestimmtenWerke ferne zu halten! Dann kann man das Buch alsgeeignet, Liebe und Begeisterung für das weitere Vater-land zu wecken, bestens empfehlen.
„Die Jugend des heiligen Vaters!" Diefrühesten Briefe des heiligen Vaters Leo XIII. an seine Familie sind soeben von M. Boyer d'Agen,einem Freunde Sigmund Peccis, des Neffen des Papstes,bei Manie in Paris herausgegeben worden. Die Briefeumfassen die Zeit von seinem Eintritte ins Jesuitencollegin Viterbo 1819 bis zu seiner Ernennung zum päpstlichenDelegaten von Venevent 1837 nach seinem Austritte ausder Akademie der blobili Leelssiastiei (adeligen Geist-lichen). Der bewnndcrnswertheste Zug an der ganzenKorrespondenz ist die erstaunliche Einheit der Ideen,welche sich .in ihm von Kindheit bis zur Besteigung despäpstlichen Thrones mit jenem Glänze entfalteten, wie sieseitdem die Bewunderung der Welt geworden sind. Dasreich illustrirte Werk wird demnächst in deutscher Uebersetzung und unter dem Titel „Die Jugenddes Papstes Leo XIII." in der Nationalen Verlags-anstalt in Regensburg erscheinen und gewiß auch vonden deutschen Katholiken mit großem Interesse erwartetgelesen werden.
Hammer Phil., Sieben Predigten über desMenschen Ziel und Ende und letztenDinge. 8°. XII -t- 208 SS. Fulda, Aktien-druckerei 1696. (II.)
s Obgleich es wirklich Luxus ist, diese Gattung vonLitteratur, womit wir bereits überschwemmt sind, nochzu vermehren, wurden doch Hammer's Predigten vordrei Jahren , sehr wohlwollend von der Kritik aufge-nommen. Sie sind in der That auch über den Dnrch-schnittswerth solcher Bücher hinausgehend; sie wirken aufdas Gemüth, belehren und unterhalten durch die großeFülle geschichtlicher Anspielungen. Poetische Citate sindgar zu zahlreich; wozu taugt (S. 177) Goethe's „Kennstdu das Land, wo die Citronen blühst:?"! Auch sollte manAngaben vermeiden, welche der historischen Kritik nichtStand halten. Das Allerlei ist überhaupt etwas zu üppig,stört dre Einheit des Gedankens und macht die Sache fürden Leser zu zerfahren. Im mündlichen Vortrag mag esbesser wirken, als es sich liest. Daß die Predigten, alsste gehalten wurden, unterstützt durch die gewaltigenoratorischen Mittel des Redners und Verfassers, einenungeheueren Beifall fanden, ist durch gleichzeitige Zeitungs-berichte bestätigt.
Festschrift zum 1100jährigen Jubiläum desdeutschen Campo Santo in Rom . Heraus-gegeben von Dr. Stephan Ehses. Verlag vonHerder-Freiburg. Preis 12 Mk.
Der 1100 jährige Bestand des deutschen CampoSanto hat erfreulichen Anlaß gegeben zu der vortrefflichenwissenschaftlichen Edition, welche vorstehend angezeigt ist.Sie ist dem hochverdienten Rector Dr. de Waal gewidmet,der durch die Gründung eines Kollegiums am CampoSanto al Vaticcme bereits zahlreichen deutschen Theo-logen die Möglichkeit geschaffen hat, für ihre wissen-chastlichcn Arbeiten in Rom ein paffendes Heini zu finden,das ihnen zugleich eine stattliche Bibliothek und reicheAnregung durch persönlichen Verkehr bietet. Der Heraus-geber Or. Ehses, sowie die übrigen Mitarbeiter haben dieWohlthat dieser de Waal'schen Gründung genossen, undso war es ein recht sinniger Gedanke, das 1100 jährige-subilaum der Campo-Santo-Stiftnng auch durch eineFestschrift zu feiern, in welcher ältere und jüngere Gästedes Collegiums (theilweise auch dem Laienstand ungehörig)wissenschaftliche Arbeiten niederlegten. Es sind die HH.Mbers, Baumgarten, Ebner, Ehrhard, Ehses, Endres,Dübel. Glasschröder, Grisar, Hackenberg, Jelic, Kaufmann,Kirsch, Merkle, Miller, Pieper, Reichert, Sauer, Sauer-And, 'Röllecht, Schmid, Schnitzer, Schwarz, Stopper,llnkel, Wehofer. Die Arbeiten sind meist dem kirchen-
historischen oder christlich-archäologischen Gebiete ent-nommen. Die Ausstattung des Werkes, dem auch 2 Tafelnund 12 Abbildungen im Text beigefügt sind, ist vorzüglich.
Münchner anihropolVgische Gesellschaft.
' München . 29. Jan. Der Vorsitzende ProfessorDr. I. Ranke eröffnet die Sitzung mit der Proklamirnngvon drei neuen Mitgliedern. Er ersucht dann um Ge-nehmigung zur nachträglichen Ernennung der HerrenDr. G. Näcke, -Oberarzt, Hubertusburg , und Lindenschmit(Sohn), Vorstand des römisch-german. Centralmuseums,Mainz , die bei den Ernennungen beim 25jähr. Jubiläumam 16. März 1898 leider übersehen worden sind. Hierauflegt er das neueste Werk des 81 jähr. Dr. F. Tappeinerin Meran „Der europäische Mensch und die Tiroler" vor.Tappeiner hat sich noch in seinem hohen Alter der Müheunterzogen, in den verschiedenen Museen Deutschlands dieMongolenschädel zu untersuchen. Er kam zu dem Re-sultate, daß die breiten Tirolerschädel mit den breitenSchädeln der Mongolen gar nichts zu thun haben. Dr.I. Ranke ist erfreut, daß Tappeiner dieses Werk ihm ge-widmet hat. Ferner drängt es ihn, mitzutheilen, daß seinSohn Dr. Karl Ranke am Samstag den 30. Januar vonseiner Expedition nach den Quellflüssen des Schingu inBrasilien , wem: auch blessirt (er hat das linke Auge ver-loren), in München wieder eintrifft. Das Wort erhältdann Hr. kgl. Bauamtmann Jnama von Sternegg-Lands-hut zu seinem Vortrag: „Bericht über die neuen Aus-grabungen des römischen Äbusina bei Einstig". Es sindbis jetzt 4 Gebäude außerhalb des Lagers ausgegrasten,theils Wohnhäuser, theils Badehäuser mit verhältnismäßiggut erhaltenen Heizungsanlagen (sog.Hypokaustenanlagen).Außerdem ist auch die Lage des Lagers mit einem schön-gelegenen Prätorium festgestellt. Das Prätorium istnicht ivie sonst in der Mitte, sondern an einer Ecke desLagers. Es fanden sich Münzen bis in die Zeit Theo-dosius des Großen. An der Diskitssion betheiligten sichdie Herren Thiersch, Oberhummer. Kurtwängler, Schmid.Hieran schloß sich der Vortrag des Herrn HauptmannsL>. Arnold: .Kulturgeschichtliches aus dein römischenBayern , insbesondere vorn Lxereitns Lastioiw". BisKaiser Hadrian bestand das rhätische Heer nurausHilfs-truppen, dann kam die DoZäo m Italic», die aus circa3000 und 12,000 Mann Fußtruppen bestand, dazu kamnoch der Landsturm und die Grenzmiliz. Das römischeHeer diente auch friedlichen Zwecken. Es wurde verwendetbei Bauten jeder Art, bei den Bergwerken u. s. w. Rednerschildert sodann die allmähliche Entstehung von Nieder-lassungen bei den festen Lagern. Anfangs bestand dieI-sAio Italic» wohl größtentheils aus italischen Soldaten,allmählig aber bekamen die Rhäter das Uebergewicht, zudenen Soldaten aus allen Theilen des römischen Reicheskamen. An das römische Heer erinnert uns jetzt nochunser Straßennetz, wenigstens in seinen Hauptzügen, sowiebedeutende Städte und Dörfer, die aus den Ansiedlungenbei den Lagern hervorgegangen sind. Theilweise weisenoft nur noch die Namen in die Römerzeit zurück. Indemder Vorsitzende den beiden Vortragenden dankt, schließter die Versammlung.
* „Zur Warnung vor grober Täuschung"erhebt Hr. Dr. Hülskamp in Nr. 20 des ,,Liter. Hand-weisers Protest gegen die Reclame, welche die „NationaleVerlagsanstalt" zu Gunsten der 4. Auflage ihrer „Real-encyclopädie" in jüngster Zeit wieder mit einer verjährtenEmpfehlung macht, die Hr. Dr. Hülskamp vor 24 Jahrenabgab, und die niemals der „neuesten vierten Auflage",sondern der damals vollendeten und für ihre Zeit rechtguten dritten Auflage galt. Die „neueste Auflage" dieübrigens auch schor: 7—17 Jahre alt ist, hat schon inrJahre 1880 zu einer Auseinandersetzung zwischen HerrnDr. Hülskamp und dem damaligen Besitzer der FirmaManz geführt und hat Dr. Hülskamp damals schon be-tont, daß durch eine viel zu weitgehende Benützung deralten Stereotyp-Platten die neue Auflage des Werkesnicht entfernt den Anforderungen der Gegenwart ent-spreche. Um so weniger läßt sich heute die Bezugnahme,der Verlagsanstalt auf eine Empfehlung vom 20. Juli 1873 (!)'rechtfertigen.