Ausgabe 
(6.2.1897) 7
 
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gehen konnte. In diesem Kunstwerk der Kunstwerke hatdas Vornbereilcnde, das Einzelne, das im Strome derZeiten Alis- und Niedertanchende um seiner selbst willenkeinen Platz mehr. Darin hat Alles nur noch Raum,insofern es ein Stcinchcn ist znm Ban des einen Welten-domes, des Spiegels von Gottes Pracht und Herrlichkeit.Dann verschwinden auch alle Kleinigkeiten, alle Uneben-heiten, alle Verworrenheiten. Freilich wird es einemSterblichen wohl kaum vergönnt sein, in diesem hohen Sinnedie Weltgeschichte erschöpfend nachzudenken und das Nach-gcdachte dem zu bieten, der diesem hohen Flug zu folgenvermag. Erst, wenn unser Lebcnsschifflcin im .Hafender Ewigkeit seine Anker geworfen, dann erst haben wir dasGestade des verheißenen Vaterlandes erreicht, von demaus wir mit einem alles umspannenden Blick das weiteWeltall tief unter uns überschauen können. Dann wirdaber auch nicht mehr die vergängliche Sonne unsern Tagerhellen, sondern dann wird Gott selbst sein das lumonZloriae, die ewige Geistersonne, die unsern Verstandmit wunderbarem Licht erfüllen und zur Aufnahme derganzen Wahrheit befähigen wird. Dann wird das wahregoldene Zeitalter anheben. Dann werden sich alle Dis-harmonien, die sich jetzt dem äußeren Blick nie ganz ver-bergen werden, auflösen in Harmonien; dann werden alleDissonanzen ausklingen in die wunderbarsten Konsonanzen;eine heilige BreuZu Ooi wird dann das ganze Weltallfriedlich vereinen. Dann wird das Schöne werden zumGuten, und das Gute wird werde» zum Wahren, unddas Wahre wird schließlich seinen ewigen Ruhcpunktfinden in demll'.vokw äxö-7/rov", dem unbewegten Be-weger des Alls. Diese Hoffnung auf die Ewigkeit mögeuns Antrieb sein, daß wir schon jetzt, wo wir noch mittenin des Tages Irren und Wirren stehen, unsere Blickehoch erheben, so hoch als unsre Kräfte uns nur zu tragenvermögen, um von möglichst hoher Warte aus das Ge-triebe der Welt unter uns zu überblicken und so immergrößere Ruhe und immer heiligeren Gottcsfrieden inunser Herz aufzunehmen. Wahrlich! Das ist ein Ziel,groß wie die Unsterblichkeit und wohl werth des Schweißesder Edlen.

Recensionen und Notizen.

CossaLnigi, Die ersten Elemente der Wirthschaftslehre. Deutsch bearbeitet von Ed. Moor-meister. 8". VI -st 161 i>p. Freiburg i. Br., Herder-1896. (III.) M. 1.50.

Diekriini slomenti äi oeouomia soeials" desLnigi Costa, Professors an der Universität zu Pavia ,nehmen in der national ökonomischen Literatur Italiens einen ganz hervorragenden Platz ein. Das Buch erlebtein seiner Hennath mehrere Auflagen und erscheint auchin deutschem Gewände bereits zum dritten Mal. Es ver-dient auch einen Ehrenplatz in der Reihe der Werke social-politischen Inhaltes, welche die Hcrder'sche Verlagsbuch-handlung herausgegeben hat. Der erste Abschnitt desüberaus klar geschriebenen Buches handelt von den Vor-begrisfen der Wirthschaftslehrc; dann folgen fünf Ab-schnitte über die Produktion der Güter, ferner über denUmlauf (Werth, Geld, Handel), die Vertheiln»» und Kon-sumption der Güter: den Schluß bildet ein Abschnitt überwirthschaftliche Vereinigungen, und der Anhang bieteteinen Ueberblick über die Geschichte der Wirthschaftslehremit einer Bibliographie. Das Buch ist zu bekannt undbeliebt, als daß es noch einer besonderen Empfehlungbedurfte.

* Am 18. Juni 1896 starb im Kloster Andechs dergute Pater August in", wie ihn die Leute nannten,ein eifriger, würdiger Benediktiner -Priester und vorzüg-licher Pädagoge. Pater Angnstin Glnns war 1833 in

Roltwcil geboren nnd arbeitete nach seiner Priesterweihein der Seelsorge längere Jahre in Württemberg , zuletzt alsKavlan in Jsny. Bon dort trat er 1868 bei St. Bonifaz in München ein und wurde bald nach seiner Profcß nachAndechs geschickt als Wallsahrtspriestcr und zur Versorg-ung der Pfarrei Erling. Schon im August 1871 aberwurde ihm die Leitung der St. Nikolausänstalt für ver-wahrloste Knaben in Andechs übertragen, und hier ent-faltete er nun eine bewunderuswertlie Thätigkeit, bis derHerr ihn aus diesem Leben abberief. Eine von warmerVerehrung, aber auch voller Wahrheitstreue getragene,schlichte Schilderung des Lebensgaugcs und des Wirkensdieses ausgezeichneten Mannes liegt in einem Schrislchenvor, das Herr ?. Emmcran Heiudl. O. 8. II.. Wall-fahrtspricster in Andechs, unter dem TitelU. AngnstinGlnns, O. 8. L., von Andechs. Ein Mönchsbild ausmoderner Zeit" geschrieben hat. Es ist mit einem Bildnißdes Verewigten ausgestattet und wird gewiß nicht blosbei den Freunden des Verstorbenen, sondern auch inweiteren Kreisen dankbar begrüßt werden. (Es ist beiHerrn ?. Emmeran Heiudl oder im Andechser Kloster-laden um 20 Pfg. zu erhalten.)

I-.Das ist des Deutschen Vaterland!" Unterdiesem Titel kam noch vor Schluß des Jahres 1896 eineillnstrirte Schilderung des deutschen Reiches zum Abschluß.Das Werk ist herausgegeben von Jos. Kürschner in18 Lieferungen L 50 Pfg. nnd erschien im Verlag vonHermann Hillger in Berlin . Der Verfasser will den-jenigen, welchen die Mittel zum Reisen fehlen, durch zahl-reiche Illustrationen vor Ästigen führen, was unser Vater-land in Kunst und Natur bietet, solchen, welche von derReise heimkehren, ein schönes Andenken bieten, andereanspornen, nicht in die weite Ferne zu schweifen, sondernau dem sich zu freuen, was so nahe liegt. 1273, mituntervorzüglich ausgeführte Bilder zieren das Werk; auf 442Seiten Text finden wir eine gedrängte, und was bei derFülle des Materials wohl reicht anders sein kann, etivasdürftige Beschreibung der deutschen Gaue. Gerade deß-halb hätte nran erwarten können, daß die Bearbeiter dereinzelnen Abschnitte sich einer unparteiischen Darstellunggeschichtlicher Ereignisse befleißen würden; das ist jedochleider nicht der Fall. Schon auf der ersten Seite ver-nehmen wir für uns allerdings nichts Neues, daßDr. M. Luther der Vater des deutschen Kirchenliedes sei.Der Beschreibung des Sachseulandcs ist vorangestellt dasStadtbild von Wittcnbcrg. Wir wollen daraus dein Ver-fasser keinen Vorwurf machen; weniger gefällt uns dieRandverzierung des Bildes mit dem inmittelalterlicherFinsterniß" stehenden Krummstab und der hochhäugendenLaterne, die jedenfalls au das zweifelhafte Licht erinnernsoll, das von Wittcnberg aus über deutsche Lande hiu-strahlte. Geradezu empörend aber ist es, was wir beider Schilderung Magdeburgs lesen:Der Fluch wird sichan den Namen Tilln heften. Eine blühende Stadt wardan einem Tage der Verwüstung preisgegeben. An 33,000Einwohner ließ der kaiserliche Bluthund an diesemgrauenvollen Tage abschlachten." Weiß denn der Ver-fasser noch nicht er nennt sich August Trinius, daßbereits auch von protestantischer Seite der Akt der Zer-störung als ein beabsichtigtes Werk der eigenen Bürgerder Stadt oder der Schweden angesehen wird? Rankebemerkt:Sehr wahrscheinlich, daß zu dem Brande vonMagdeburg von dem militärischen Befehlshaber und selbstvon den entschiedenen Mitgliedern des Stadtrathes eineeventuelle Veranstaltung im voraus getroffen war. Eswäre ein früheres Moskau gewesen." Karl Wittig kommtnach Prüfung aller von katholischer nnd protestantischerSeite verfaßten Berichte von Augenzeugen zu dem Resul-tate, daß Tilly nicht mit der von vielen beliebten apo-diktischen Gewißheit als Zerstörer der Stadt hingestelltwerden könne; jedenfalls sei Tilst)nicht der grausameWütherich gewesen, als welcher er zwei Jahrhundertehindurch in der Tradition gelebt". Dies nur einige Ur-theile. Sollte aber der Verfasser wider besseres Wissensich in der oben erwähnten Weise geäußert haben, dannprotcstiren wir als Bayern und Katholiken, denen Tilly'sAndenken heilig ist, gegen eine derartige boshafte Verleumd-ung. Der Herausgeber sagt am Schlüsse seines Prospektes:Mit Gott auf den Weg". Da muß mau denn dochfragen:Wie reimt sich dieser fromme Wunsch zusammenmit den: ersichtlichen Bestreben einzelner Mitarbeiter, die