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Von Bischof Reimboto berichtet Müller (I. o. p. 27), ,daß er im Jahre 1290 einen Altar in der Ehre der hl.Stilla zu Abenberg errichtet habe, mit Berufung auf dasEichstätter Pastoralblatt (1856, 119), welches schreibt:-Diese Angabe hat eine Einwendung nicht zu befahren,indem aus Greiser gewiß ist, daß eine Angabe über diefrühe Errichtung eines Altares vorhanden war, auch wenndieser Geschichtsschrciüer in der Handschrift von 1594 denNamen Gnndekar II. gelesen hat, der im Jahre 1290längst todt war. Der Nebdorfer Chorherr MaximilianMünch dagegen huldigte der Anschauung, daß schonBischof Hartwig aus dem Hause der Grafen von Hirsch-berg (1195—1223) den Altar errichtet habe, weil nachder Legende noch 1594 ein portraitähnliches Bild Stilla'sin der Pcterskirche vorhanden war, welches im Uuglücks-jahre 1675 durch Feuer vernichtet wurde.
Dagegen ist zu bemerken, die ältesten Aufzeichnungen,denen Greiser und Koch gefolgt sind, ebenso die noch imPfarrarchive zu Abenberg vorhandenen Ausschreibungender Jahre 1593 und 1594, welche dermalen die ältestenDokumente bilden, lassen durch Bischof Gundakar II.,dessen Heiligkeit und Frömmigkeit besonders hervorgehobenwird/') die Peterskirche eingeweiht werden, wie wir schonoben angaben.
Daß aber Bischof Hartwig. oder Reimboto einenAltar in der Ehre Stilla's erbaut haben, ist zwar viel-fach behauptet, aber. noch niemals erwiesen worden.Weder das Pontifikale Gnudekars 11.^) noch die Eich-stätler Historiographen, wie Greiser (tom. X, 855, 857),Faläenstein (Jntiig. Xorci§. I, 141, 158—161), Lefflad(Regesten nr. 325—395 zu Hartwig, nr. 607—797 zuReimboto), noch andere Urkunden gedenken dieses Um-standes. Da aber gleichzeitige Quellen und urkundlicheBelege fehlen, so müssen wir die widersprechenden An-gaben späterer Jahrhunderte als unhistorisch abweisen.Auch die Urkunde des Bischofes Burkhard steht zu Stillain keinerlei Beziehung.
Die Legende erzählt ferner, daß Stilla von derHöhe des Schlosses zu Abenberg ihren Handschuh in dieLüfte geworfen mit den Worten: „Wo man diesen findet,da will ich begraben werden." Wunderbar traf es sich,daß der Handschuh in der Peterskirche aufgefunden ward,gerade an der Stelle, wo Stilla späterhin begrabenwurde. Aehuliche Ueberlieferungen finden sich zahl-reich vor.
Auf dem Schwanberger Hofe bei Kitziugcn soll derKönig Pipin Hof gehalten haben. Da geschah es eines
") Bei der Erhebung der Religuien Gundakars imJahre 1309 durch Bischof Philipp von Natsamshausenfloß aus den Gebeinen reichlich Oel , und feist noch bemerktman am Grabsteine Gundakars besondere Oeffnungen fürdie Röhren, durch welche das Oel herausgeleitet wurde.(Past.-Bl. 1836, 135, 158.)
Das Pontificale Gundekars widmet in seiner Fort-setzung dem Bischöfe Reimboto, welcher Los olori, äsousorbis, rsßnUa vow genannt wird, eine ziemlich ausführlicheBiographie, erwähnt den Ankauf von Abenberg , Werden-fels und Spalt, schweigt aber vollständig über Stilla undihren Altar. Wenn Sar (Die Bischöfe von Eichstätt S. 147) gleichwohl durch Reimboto einen Altar zu EhrenStilla's im Jahre 1290 eingeweiht werden läßt, so ist erleider für seine Behauptung den urkundlichen Beweisschuldig geblieben. In der Goldbnlle des Königs Philippzu Gunsten des Eichstätter Bischofes Hartwig über dieTheilung der Kinder aus Heirathen zwischen erbeigenenDienstleuten des Reiches oder des Königs einerseits undDienstmannen der Eichstätter Kirche anderseits vom 14.September 1199 erscheint als Zeuge: Graf Heinrich vonAbenberg. (Lefflgd, Regesten ur. 336.)
Tages, daß ihn seine Tochter Hadeloga bat, ihr eilStück Landes in der Gegend zu schenken, um ein Klosterzu bauen. Pipin erfüllte ihren Wunsch. Da zog Hade-loga ihren Handschuh aus, um dem Könige dieHand zum Danke zu reichen. So ergriff derWind den Handschuh und führte ihn durch die Lüfteüber den Main hinüber. An dem Ufer des Flussesweidete Kitz, ein Hirte des Königs, seine Heerde. Dieserhob den Handschuh auf und brachte ihn der Königs-tochter. Hadeloga erkannte dieses für einen Wink desHimmels, an der Stelle, wo der Handschuh niedergefallenwar, ein Kloster zu bauen, wie solches denn geschehen imJahre des Herrn 745. (Schöppner , Sagenbuch derBayerischen Lande I, 226.)
Albcrada, die Gemahlin des Markgrafen Hermann,eines Vohburgers oder eines Abenbergers, warf ihrenHandschuh in die Luft und stiftete mit ihren Eigcngüternim Bauzgau das Benediktinerkloster Bauz zwischen 1058und 1069. (Kirchenlex. I, 1967.) Von der hl. Kuni-guudis geht die Sage, daß sie drei Kirchen an jenenStellen zu bauen sich vornahm, wo die drei Schleier ge-funden würden, die sie vom hohen Söller des Schlosseszu Bamberg fliegen ließ. Als sie einst zum Altare ging,um das übliche Opfer zu entrichten, zog sie den Hand-schuh aus und warf ihn sorglos von sich. Ein Sonnen-strahl jedoch habe denselben getragen, bis die frommeFürstin vom Altare zurückgekehrt sei. (Greifer X, 558;Schöppner, a. a. O. III, 98.)
Im Gegenbilde zu diesem Handschuh- oder Schleier-werfen warf Graf Arnold von Scheyern , da seine Vetternihr Erbgut einem Kloster schenkten, zornig seinen Hand-schuh in die Luft mit den Worten: „Seinen Antheilsoll der Teufel haben"; der Handschuh verschwand undkam nicht wieder. (Past.-Bl. 1856, 126.)--»)
Aus diesen Sagen läßt sich erkennen, wie der Hand-schuh im deutschen Volksleben des Mittelalters als Rcchts-symbol der Uebertraguug einer Gewalt über Personenoder Sachen diente. Daher findet sich die Uebergabeeines Handschuhes als äußeres Dokument bei Verlob-ungen, bei Uebcrwcisnng von Besitzthum und bei Er-theilnug von Vollmacht. „Hut und Handschuh, sagt Grupp(Cnlturgcsch. des Mittelalters II, 117), wies auf eineGewalt hin, welche über den Besitz hinausgeht. DerHandschuh bedeutet den Zwang und Bann, den derGrundherr über seine Leute ausübt."
Wenn demnach Stilla ihren Handschuh nach derPeterskirche wirft, so soll damit gesagt sein, daß sie ihrVermögen zu Gunsten dieser Kirche und des beabsichtigtenKlosterbaues verwendet wissen wollte.
(Fortsetzung folgt.)
im Jubeljahr 1897.
(Schluß.)
Indem nun unser Heiliger Vater Leo XIII. in der-selben Bulle die Sentenz Sr. Eminenz des Cardinals
Bei Schöppner (l. v. III» 331) wird die Sage etwasanders erzählt: Als Graf Arnold einst auf der Brücke zuScheyern stand, entbrannte er in unsinniger Wuth, rißseinen Handschuh aus, warf ihn hoch in die Luft, indemer sprach: „Da, Teufel, nimm den Handschuh zum Unter-pfand, daß ich mich selbst und meinen Antheil an Bayern Dir zum Eigenthums gebe!" Kaum hatte er die Worteaus den. Munde, als der Landschuh verschwand. DerBöse faßte aber auch den Pfandgeber beim Kopfe undführte ihn mit sich weg vor Vieler Allgen; nachdem er