Ausgabe 
(20.2.1897) 10
 
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Papä y Rico. sowie das Dekret der päpstlichen Special-conqrcgation bestätige und die Echtheit der neu aufge-fundenen Reliquien des hl. Jakobns und seiner beidenSchüler aussprach, sagt er wörtlich:Wir kündigen anund befehlen allen Unseren ehrwürdigen Vrüdern, denPatriarchen, Erzbischöfcn und Bischöfen, sowie den übrigenPrälaten der Kirche, daß sie feierlich und in der ihnengeeignet scheinenden Form gegenwärtiges Schreiben inihren Provinzen, Bisthümern und Städten zn dem Zweckeveröffentlichen, daß dieses glückliche Ereigniß allenthalbenbekannt und von allen Gläubigen mit verdoppelter Fröm-migkeit gefeiert werde, sowie daß aufs neue nach der Ge-wohnheit Unserer Vorgänger Pigerfahrten zu jenemhl. Grabe unternommen werden. Und da die edlespanische Nation durch den wunderbaren Beistand des hl.Jakobus ihren katholischen Glauben unverfälscht bewahrthat, und in der Absicht, es möge ihr der barmherzige Gottdie Gnade verleihen, mitten in der Fluth von Irrthümerndurch Fürsprache ihres himmlischen Schützers sich in derHeiligkeit der Religion ihrer Väter und in der Gluth derFrömmigkeit zu befestigen: so bewilligen Wir das ausge-dehnte, von Unserem Vorgänger Alexander III. gegebenePrivileg d. h. einen vollkommenen Jubelablaß in demJahre, in dem das Fest des hl. Jakobus (25. Juki) auseinen Sonntag fällt, auch für das nächste Jahr, in welchemdie Auffindung und Erhebung des Leibes des hl. Apostelsgefeiert wird; es seien die nämlichen Privilegien ertheilt,die in der Constitution des nämlichen höchsten Oberhauptesvorn 25. Juni 1179 enthalten sind."

Unsere vielgeliebten Mitbrüder Unserer Provinz bittenWir zärtlich, sie möchten in ihren Diöcesen zahlreiche Pilger-fahrten veranstalten, für dieselben die ihnen passend schei-nende Gelegenheit auswählen und nach Belieben festsetzen. Alle Unsere geliebten Diöcesanen ermähnen und be-auftragen Wir dringend, im nächsten Jahre von neuemdie bisher bewiesene lautere Andacht zu den: hl. Apostelzu zeigen, zur Gewinnung des Jubelablasses sich würdigvorzubereiten und den reichen Schatz geistiger Güter nachDerniögen sich zu Nutzen zu machen. Man vergesse nicht,wie leicht die Bedingungen sind, da die päpstliche Bullenur den Empfang der hl. Sakramente der Buße und desAltars verlangt nebst dem Besuch der Basilika, in derman nach Meinung des Heiligen Vaters beten soll: manist nicht etwa verpflichtet zn besonderen Fasten, zu Al-mosen oder anderweitigen Kirchenbesuchen, wie das fürGewinnung des Jubiläumsablasses imheiligen Jahre"zu Rom vorgeschrieben ist.

Wollten wir die Bedeutung der Wallfahrten nachCompostela besonders hervorheben, so bräuchten Wir nurauf die schwierigen Verhältnisse hinzuweisen, in welchendie Kirche Christi und ihr Statthalter sich befinden,der als Gefangener im Vatikan der Freiheit und Unab-hängigkeit beraubt ist, die ihm nach göttlichem Rechte ge-bührt : ferner auf die traurige Lage Unseres Spanien, dassich gleichzeitig zur Führung zweier kostspieliger Kriegegenöthigt sieht, um den Aufstand undankbarer Söhne undrebellischer Unterthanen zu unterdrücken, welche durch dieFreimaurer gegen Thron und Altar aufgestachelt werden,jene Sekte, deren teuflische Arbeit von Uns, als Wir nochErzbischof von Santiago auf Cnba waren, gezeichnet wordenist und die sich jetzt in ihrer ganzen abschreckenden Häßlich-keit auch den Blicken derjenigen nicht verbirgt, die Unsim Verdacht der Uebertreibung hatten. Und da die großenOpfer, die Spanien zur Aufrechterhaltung seiner gesetz-lichen Rechte bringt, sowie die vaterländischen Kundgeb-ungen, welche die ganze Nation veranstaltet» leider nichthinreichen, um den Sieg und langer: ehnten Frieden znerringen, so bleibt kein anderes Mittet übrig, als zumHerrn der Heerschaaren Zuflucht zu nehmen, der da waltetüber die Reiche und nach seinem Gefallen Sieg verleiht,auf daß er durch die mächtige Fürsprache unserer liebenFrau von Pilar'") und unseres Apostels, des hl. Jakobus.uns die Wiederherstellung der vollständigen Ordnung, des

ihm das Genick gebrochen, warf er den Leichnam in dasRied der Weiher zu Scheuern. Ueber das Alter diesesKlosters s. Götz I. o. I. 371.

"h blneärs Sonors, ckel Uilar (Unsere liebe Frau vonder Säule) zu Zaragoza, der alten Hauptstadt Arragoniensam Ebrostraude, zählt neben dem Montserrat zu den be-rühmtesten marianischen Gnadenortcn Spaniens. Vcrgl.denSendboten für katholische Vereine und Freunde der

reinen Glaubens und der sicheren Ruhe in allen spanischenGebieten gewähre.

Wir erwarten von Unserem geliebten Diöcesanklerus»daß er im kommenden Jahre mit Eifer sich der Pilger-fahrten nach Compostela annehme, und verordnen, daßalle Pfarrer Unserer Erzdiöcese an mindestens zwei Fest-tagen beim Offertorium der Pfarrmesse dieses UnserHirtenschreiben vorlesen und ihre Pfarrkinder zu ent-sprechender Vorbereitung für Gewinnung der Gnaden desvollkommenen Ablasses ermähnen sollen.

Gegeben in Unserm crzbischöflichcn Palaste zu Sau-tiago de Compostela, unterzeichnet von Uns, versehen mitdem Siegel Unserer Würde, und gegengezeichnet von demunterfertigten Kammer- und Regierungssekretär am Tageder unbefleckten Empfängniß der allerseligsten JungfrauMaria, der Patronin Spaniens und feiner indischen Be-sitzungen, am 8. Dezember 1896.

v Joseph,

Erzbischof von Santiago de Compostela.

Im Auftrag Sr. Eminenz, meines Herrn

Ludwig Eugen del Blanco Alvarcz,Sekretär.

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Bei der bekannten, durch Jahrhunderte erprobtenVerehrung des spanischen Volkes zu seinem hl. Patron,dem Apostel Jakobus, wird in den spanischen Landen derEinladung des Erzbischofcs, zur Gewinnung des Jubel-ablasses Pilaerzüge zum Grabe des Apostels zu unter-nehmen, ohW Zweifel in großartigster Weise entsprochenwerden. Hoffentlich bleibt die Einladung auch im Aus-land nicht wirkungslos. Ob wohl von Deutschland, speciellvon München aus unter der bewährten Anordnung deshochw. Canonicus und päpstl. Geheimkämmerers, Msgr.Hermann Geiger, sich eine Pilgerkärawane zum Grabedes hl. Apostels in Bewegung setzen wird? Ohne Zweifel,sobald sich genügend Theilnehmer melden werden. Bereitsviermal gingen von München aus Pilgerzüge San-tiago , in den Jahren 1887, 1891, 1894, 1896. Daßdeutschen Pilgern in Santiago , wie auch sonst überallin Spanien , die freundlichste Aufnahme zu Heil wird,davon können Alle mit dankbarer Rührung erzählen,die aus Erfahrung sprechen, so auch der Schreiber dieserZeilen, welcher 1894 und 1896 die Karawane führte.In Santiago selbst, einer alten Universitätsstadt, lebenzwei Professoren der Hochschule, welchen es die größteFreude bereitet, katholischen Pilgern aus Deutschland injeder Weise gefällig zn sein. Der eine dieser Herren istDon Jose Fernändez Sänchez, ein ebenso frommer totegelehrter Mann, der den Lehrstnhl für Geschichte an derUniversität innehat; derselbe gab vor einigen Jahreneinen unübertrefflichenFührer von Santiago und seinerUmgebung" (Onia cka LantmZo x mm wirocksciores)heraus, den er in echt spanischer Liebenswürdigkeit sämmt-lichen Mitgliedern unserer Reisegesellschaft zum Andenkenmit in die Hcimath gab. Ein anderer Freund derdeutschen Pilger ist Don Candido Rios h Rial, ein Ge-lehrter mit großen Sprachkcnntnisscn, der besonders alsKenner der deutschen Sprache sich um die Pilgcrkarawanevon 1896 die größten Verdienste erwarb. Seiner Güteverdanken wir auch, wie schon Eingangs erwähnt, dieZusendung des von uns übersetzten Hirtenbriefes. Eswird diesen Herrn, der sich der Deutschen so liebevollerinnert und so hoch für sie intcressirt, gewiß freuen, zuvernehmen, daß aus seiner Veranlassung die Einladungdes Oberhirten von Santiago zn Pilgerfahrten bei denDeutschen bekannt geworden und in einer bayerischen

Kirche" 1896 Nr. 4, 5, 6, 7. Die Spanier führen denGnadenort auf den hl. Apostel Jakobns selbst zurück!