Ausgabe 
(20.2.1897) 10
 
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Zeitung verbreitet worden ist. Daß endlich auch derErzbischof von Santiago selbst die katholischen Pilgeraus Deutschland in huldvollster Weise empfangen wird,geht nicht bloß aus dem Inhalte seines schönen Hirten-schreibens hervor, dafür bürgen auch die überaus freund-lichen Worte, womit derselbe bisher die Mitglieder derMünchener Karawanen auszeichnete, sowie auch die An-ordnungen, die er jedesmal treffen ließ, um den Pilgernmit zartester Rücksicht Führung und .Hilfe zukommen zulassen, namentlich den Priestern, denen er die bei großemAndrang nicht immer leichte Möglichkeit bot, in derKrypta des hl. Apostels zu celcbrircn. Bei der letztenPilgerfahrt, im Frühjahr 1896, beschenkte der hoheKirchcufürst jeden der Priester unserer Gesellschaft miteinem von ihm selbst verfaßten BucheLraviarium promeelitationd all usurn olsiiooruni". Wie sehr dieserfür den hl. Apostel begeisterte Würdenträger deutscheWallfahrtszüge zum Grabe des hl. Jakobus wünscht, daserhellt am deutlichsten aus L.u Worten eines Briefes, indem er am 11. Mai 1891 die Ankunft von zehnMünchener Pilgern in Santiago dem Veranstalter derzweiten Karawane, Msgr. Geiger, anzeigte:Möchtedoch heute das Beispiel dieser zehn Pilger recht vieleandere bestimmen, zur Kundgebung ihres katholischenGlaubens dieselbe Pilgerfahrt zu unteruWien, damitEuropa auf die Fürbitte des Einen von MrDonner-söhnen" von seinen Irrthümern erlöst werde,'und damitdas Licht des Evangeliums den ganzen Erdkreis erleuchte,auch jene,welche in Finsterniß und Todesschatten sitzen".Zu jenen zehn Pilgern selbst aber äußerte er bei derAudienz:Möge ein frommer Geist wiederdeutsche Wallfahrten nach Santiago insLeben rufen und jeder Priester mindestenszehn Laien mit sich bringen!"

Welch herrliche Worte für jeden Verehrer des großenApostels! Welch liebevolle Einladung aus solchem Mundezur Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela ! WelcheFreude wäre es für den hochwnrdigsten Kirchenfürstenvon Santiago , wenn sich recht viele katholische Pilgeraus Deutschland im ,,Mo sunto" am Grabe des6manchpostol" einfinden würden! Wir Bayern besonderssollen eine Ehre darein setzen, zahlreiche Verehrer zurberühmten Gnadcnstätte Spaniens zu stellen. Vergessenwir nicht, was wir deni ritterlichen Volke Spaniens ver-danken. Wenn diese Helden, vertrauend auf die Für-bitte des hl. Jakobus, nicht in blutigen Schlachten diewilden Sarazenen zurückgeworfen hätten, wenn der Halb-mond den Sieg über das Kreuz errungen hätte undimmer weiter vorgedrungen wäre, welch fürchterlichesSchicksal deutscher Christen hätte wohl besonders in süd-deutschen Gauen der Griffel der Klio verzeichnet! Grundgenug, uns der Andacht des spanischen Heldenvolkes zuseinem himmlischen Beschützer von ganzem Herzen anzu-schließen. Auch Deutsche, Bayern haben seiner Zeitin spanischen Diensten gefochten und ihr Blut für denGlauben im hl. Kriege vergossen. Freundschaftliche undverwandtschaftliche Beziehungen verknüpfen die Fürsten-häuser Spaniens und Bayerns von uralter Zeit bis zurGegenwart. Unser allbcliebtcr Prinz Ludwig FerdinandMaria , kgl. Hoheit, Sohn eines bayerischen Prinzen undeiner spanischen Prinzessin, ist der Gemahl der edlen, fürjede gute Bestrebung begeisterten spanischen Infantil!Maria de la Paz , und selbst auch ein Großwnrdenträger

des hohen Ritterordens von Santiago. Gelpiß würdees das erlauchte Prinzeupaar nur mit Freuden ver-nehmen, wenn recht viele Bayern imheiligen Jahr"als Santiagopilger am Grabe des Apostels beten würdenfür die Erhöhung der Kirche und die Erhaltung unseresgeliebten, angestammten Herrscherhauses, das auch indüsteren Zeiten stets dein katholischen Glauben treu ge-blieben ist und dem Bayernvolk, dessen Königstrene sprich-wörtlich ist, ein hehres Vorbild gegeben hat. Der ka-tholische Glaube, die treue Anhänglichkeit an die KircheChristi ist es ja, in dem wir uns eins fühlen mit demVolk der Spanier , das unter seinen glaubcnsmuthigenFürsten mit der Waffe in der Hand die heiligsten Gütervertheidigt hat. Wenn ehedem deutsche Pilger in Schaarenauf beschwerlichen Wegen, durch unsichere Gegenden, inmouatelaugen Märschen nach Santiago pilgerten, so dürfenwir uns heute bei den beschleunigten, sicher führenden, be-quemen und einfachen Verkehrsmitteln doch nicht vonjenen übertreffen lassen! Darum, wenn die Frühlings-sonne bei uns das erste Pflanzenlcbcn weckt und die be-vorzugtere iberische Halbinsel bereits in einen Zauber-garten verwandelt hat, dann aus nach Spanien , demLand des Glaubens und des Edelsinnes! Dort erklingtdie wohllautendste Sprache*") eines Calderon und Lopede Vega , dort streben die herrlichsten Baudenkmäler, diees gibt, in das Blau des Himmels, dort wohnt gläubigeBegeisterung im Herzen eines Volkes, das sich den Idealis-mus durch vielfache Mißhandlung des Schicksals nichtrauben ließ?") Darum, auf nach Spanien ! Auf nachSantiago! 8. 6t.

LiLerarisches.

Freunde und Feinde der Arbeiter", oderChrist-lichsocial" oderSocialdemokratisch?" Von vierFreunden' der Wahrheit. Verlag von A. Opitz,Warnsdorf (Nordböhmen) und Wien (VIII, Strozzr-gasse 41). Preis pro Exemplar 10 Psg. (franco15 Pf.), 50 Stück 5 M., 100 Stück 7 M. 60 Pf.

** Diese 56 Seiten starke Broschüre bildet ihrem In-halte nach ein eingehendes Anfklärnngsmittel, besondersüber das Wesen und den Inhalt der socialdemokratischenTheorien. Bestrebungen uiw Znknnftspläne, und verdientangesichts des billigen Preises die weiteste Verbreitung.

") Daß der Pilger, der die spanische Sprache ver-steht, doppelten Nutzen und Genuß hat. ist klar. DasSpanische ist leicht zu erlernen, besonders für den, derdie Grundlage aller romanischen Sprachen versteht, dasLateinische. Die beste span. Grammatik ist von Schilling(Leipzig, Glöckner, M. 4,00: dazu Schlüssel M. 1,50), ingedrängter Zeit genügt auch die Grammatik in Hart-leben's (Wien-Leipzig) SammlungKunst der Polyglotte"(M. 2 00 geb.). Die Umgangssprache hat viele eigenthüm-liche Redewendungen; Hilfsmittel sind dasLollo äsLlaäriä" (Leipzig, Giegler, M. 2Ü0 geb.), derspanischeSprachführer" (Berlin, Herbig, M. 1,30), der dem letzt-verstorbenen deutschen Kaiser Friedrich bei seiner span.Reise gute Dienste geleistet hat, sowie das praktische Büch-leinSpan. Sprachführer" (Leipzig, Bibliogr. Institut,Meyer's Sprachführer", M. 3,00 geb.), für die Reise ambesten, weil kleinstes Format und alphabet. Anordnung;als Lektüre zu Hanse sehr werthvoll ist Schilling'svon LasiUo" (Leipzig, Glöckner, M. 2,00) in Dialogform.Das beste Wörterbuch ist von Tolhausen (Leipzig, Tauchnitz, 2 Bde., M. 20,00 gebd.), das billigste Taschen-wörterbuch in der Reclam-Bibliothek Nr. 32015 (Leipzig, M. 1,00), ein anderes bei Steinitz in Berlin ( M. 400).

Es mögen sich einstweilen nur recht Viele schlüssigmachen zur Pilgerfahrt nach Spanien. Näheres wirddemnächst in derAugsburger Postzeitung" bekannt ge-geben über Anfang, Kosten usw. der Reise.

Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.