flnssnng nicht die Rede; eine solche wäre bei der Ver-schiedenheit des philosophischen Standpunktes unmöglichgewesen. Aber eine abfällige Kritik der bestehenden ge-sellschaftlichen Lage in dem Sinne, daß sich in derselbendas Recht des Stärkeren gegenüber dem Schwächeren wieim Thierreiche geltend mache, wie auch eine hypothetischeAusmalung eines ganz anders geordneten Gesellschnfts-wesens — etwa mit Frauenemancipation, Aufhebung derEhe u. ä. — könnte den Sophisten immerhin schon zu-gemnthet werden. Die Sophisten sind aber, wie anerkanntist, die ersten Ausbildner des Prosastiles in Attika; ausihrer Zeit stammen die ersten Schriften zur Politik, sodas Büchlein „vom Staate der Athener ", welches fälsch-lich unter Renophons Flagge segelt, und einzelne jenerSchriften tragen Keime des Socialismus in sich.
Zwei solcher Schriftsteller sollen hier zugleich mitden eigentlichen Socialisten des Alterthums vorgeführtwerden! (Fortsetzung folgt.)
Kunstgcschichtliche Skizze von F. Mader.
(Fortsetzung.)
Auffallend ist in der Kastler Stiftskirche der scharfausgeprägte Unterschied zwischen dem für die Laien be-stimmten Raum und dem Chor der Mönche. Von denneun Travöen des Gewölbes treffen fünf auf die Laien-kirche, vier auf den Chor der Mönche.
Auf je acht Pfeilern und zwei Wandpfeilern er-heben sich Arkaden und Hochwand des Mittelschiffes. Vondiesen acht Pfeilern find je drei Rnndpfeiler. vr. Nichlbemerkt, diese Rnndpfeiler gehörten der Gothik an; alleines findet sich an einen« dieser Rnndpfeiler die attischeBasis mit Eckknollen, und dieser Umstand läßt keinenZweifel zu, daß diese säulenähnlichen Pfeiler romanischenUrsprungs sind. Bekanntlich sind solche Rundpfeilerselten; die Schule, aus «oelcher der Baumeister derKastler Klosterkirche hervorging, bevorzugte jedenfalls dieSäule. Des schweren Gewölbes halber konnte aber inKastl keine Säule verwendet werden, vielleicht hätte sichin der Gegend auch gar kein Säulenmaterial gefunden.Er suchte daher einen Ersatz in dem Rnndpfeiler, undschuf sich auf diese Weise die Möglichkeit des Stützen-wechsels. Auch ein gewisser Rhythmus im Wechsel vonrechteckigen und runden Pfeilern ist vorhanden, wenn auchnicht auf den ersten Blick ersichtlich. Zwei von denNundpfeilern gehören zum Langhaus, einer zum Chor.Die Gesimse der Pfeiler wurden Zu der Zeit, wo dieJesuiten das Kloster besaßen, übermörtclt und niltRenaissanceprofilen versehen. Die ursprüngliche Pro-filirung wird wohl eine einfache gewesen sein.
Ueber den Arcaden erhebt sich die Hochwand desMittelschiffes im Laienranme zur Höhe von 15 in; hochoben befinden sich die Fenster; eine andere Belebungbesitzt die Wand nicht.
Die drei Schiffe der Laienkirche waren ursprünglichmit flachen Decken versehen. In« Anfang des 14. Jahr-hunderts, wahrscheinlich unter dein Abte Herman, fanddie gothische Wölbung der drei Schiffe statt. Die Schluß-steine und die Konsolen, auf denen Gurten und Rippendes Mittelschiffsgewölbes ruhen, sind mit mannigfaltigerornamentaler und figürlicher Plastik geschmückt.
Wenden tvir nunmehr unsere Schritte zu den« knnst-grschichtlich bedeutendsten Theil der Kastler Stiftskirche,zum Chor der Mönche.
Ehedem war dieser Chor von der Laienkirche durcheinen Lettner getrennt, vor welchen« ein Krenzaltar stand.Beide sind verschwunden; die Basilika hat dadurch anfreier Entfaltung ihrer Räume gewonnen, allerdings auchein malerisches Element eingebüßt.
Dieser vordere Theil der Kirche wurde fünfschiffigerbaut und umfaßt in den drei mittleren Schiffen vierGewölbejoche, in den äußeren Nebenschiffen aber derennur zwei. Sämmtliche fünf Schiffe sind gewölbt undzwar verwendete man in den Seitenschiffen das inDeutschland zur Zeit der romanischen Kunst zumeist ge-bräuchliche Kreuzgewölbe, das Mittelschiff aber wurdemit einem Tonnengewölbe versehen. Dasselbe erstrecktsich, wie schon angegeben, über vier Joche und ist vonPfeiler zu Pfeiler durch starke Quergurten unterstützt unddadurch zugleich in vier Traväen gegliedert. Die Gurtenruhen auf Halbsänlen, die den Pfeilern vorgelegt sind,am Triumphbogen auf vorgelegtem Halbpfciler. DiePfeiler sind also im Chor reicher ausgebildet tvie imSchiff, lvo sie nur einfach rechteckigen oder runden Durch-schnitt aufweisen.
Die Gratgewölbe der Seitenschiffe sind durch breite,vom Pfeiler zur Wand geführte Qnergnrtcn getrennt.
Jedes der fünf Schiffe besitzt eine Apsis. Die An-lage der Seitenapsiden ist einfach; die Hauptapsis, diereicher ausgestaltet war, ist nicht in ursprünglichem Zu-stand erhalten. Im Jahre 1264 fiel nämlich der nörd-liche Thurm der Kirche ein und zerstörte die Apsis inihrem oberen Theil. Auf dein stehen gebliebenen Unter-bau errichtete man sofort wieder eine neue Apsis, abermit gothischen Fenstern und einer gothisch constrniricnHalbknppel. Die Gcwölbetheile derselben sind in einfächerartiges Rippensystem eingefügt. Die Apsis hatgleiche Höhe mit dein Tonnengewölbe des Mittelschiffes.
Dr. Rieh! betrachtet diese Choranlage, wie sie .Kastl anfweist, „wohl als das älteste Beispiel der Wölbungvon fünf Schiffen in Deutschland. . .. Kastl müsse daherbei der kritischen Behandlung der Frage nach der Ein-führung der gewölbten Basilika in Deutschland als be-sonders wichtiges Denkmal ins Auge gefaßt werden."
Sicher gehört Kastl zu den frühesten gewölbten Ba-siliken in Deutschland ; auch die Kirchenbanten in denRheinlanden, wo man in der Kunstcntwicklung den anderendeutschen Gebieten immer vorauseilte, erschwingen sich erst mndie Zeit, wo die Klosterkirche zu Kastl gegründet wurdezum Gewölbebau. Ein Specificnin Kastls ist aber dasTonnengewölbe im Mittelschiff des Chores. Das Tonnen-gewölbe fand in der romanischen Epoche äußerst seltenAnwendung in Deutschland ; unter den vorhandenen scheintdas zu Kastl das ausgedehnteste zu sein. Jedenfallshandelt es sich um eine kunstgeschichtlich merkwürdige Er-scheinung, die auf eine eigene Bauschule schließen läßt.
Den beiden äußeren Nebenschiffen sind östlich dieThürme vorgelegt: daher treffen auf diese Schiffe nurzwei Gewölbejoche. Das südliche ist leider — man weiß«licht wann — demolirt worden. Das nördliche ist durcheine Wand von« Chor abgeschlossen und dient gegenwärtigals Sakristei: die zugehörigen Apsiden sieht man noch anden Westwänden der beiden Thürme.
Die Abteikirche zu Kastl besaß also einen fünf-schiffigen Chor. Es ergibt sich naturgemäß die Frage,ob vielleicht ursprünglich die ganze Basilika sünsschiffigerbaut worden war. Eine sichere Antwort wird manaber nur auf Grund von Nachgrabungen geben können.
Gegenwärtig besitzt die Stiftskirche allerdings auch