Ausgabe 
(27.2.1897) 11
 
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im Westen fünf Schiffe, aber nur in einer Ausdehnungvon drei Gewölbejochen von der Westwcmd her gerechnet,wahrend, wie oben beschrieben wurde, fünf Joche aufdie Laienkirche treffen. Diese äußeren Schiffe, oder nennenwir sie lieber Kapellen, sickd aber spätgothische Bauten ausder zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Sie habendie Höhe der Seitenschiffe und sind mit schönen Stern-gewölben versehen. Die Anregung zu diesen Bauten magallerdings die Tradition von einer ehemals füufschiffigenAnlage gegeben haben, oder sie mögen sogar auf denFundamenten der romanischen Ncbenschiffe sich erheben.Es finden sich überdies mehrfache deutliche Spuren, daßdiese westlichen Kapellen und die vorderen äußeren Neben-schiffe baulich verbunden waren; aber auf welche Weise,läßt sich vorläufig nicht mit Bestimmtheit annehmen.

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Von dem mittelalterlichen Kircheninventar ist sehrwenig erhalten geblieben.

Ich will die Urheber der Zerstörung der Zeitfolgcnach sing irn et oäio namhaft machen.

Den Anfang in der Demolirnng des Kircheniunernmachte die zum Calvinismus übergetretene churfürstlicheRegierung von Ambcrg. Durch Befehl vom 15. Januardes Jahres 1567 erhielt der damalige Verwalter desKlosters, das inzwischen durch die Reformation auf denAussterbeetat war gesetzt worden, den strengsten Auftragdes Pfalzgrafcn Friedrich,alles Götzenwerk, d. i. alleabgöttischen Bilder, Crucifix , Sakramentshäuschen, Altäre,Oelberg, und was dergleichen noch mehr von dem anti-christlichen Papstthum herkommt ... in und außer derKirche . . . zum ehesten mit guter Bescheidenheit undohne Tumult, auch, wo von nöthen, auf genügsame vor-gehende christliche Erinnerung und Vermahuung .abthun,zerbrechen und zerschlagen und nicht mehr denn einenAltar..., darauf das hl. Abendmahl zu halten, bleibenlassen zu wollen . . . auch (sollen) die flachen Gcmähl(die Wandmalereien) allenthalben mit Weiß verstrichentverden."

Es ist möglich, daß dieser Befehl nur zum Theilausgeführt wurde, die Bemerkung, es hätte die Dcstrnctionder alten Kircheneinrichtnng mitguter Bescheidenheit undohne Tumult" und nöthigenfalls nach vorausgegangenerBelehrung zu geschehen, läßt darauf schließen, daß dasVolk der neuen Kirchenordnnug feindlich gegenüberstand.

Das war der Anfang der Zerstörung, dann kamendie Schweden. Sie versäumte» nicht, ihre deutschen Lor-beeren auch in Kastl um einige Blätter zu bereichern;im .Heumonat des Jahres 1632 richteten sie in derStiftskirche zu Kastl ihre obligaten Verwüstungen an.

Im Jahre 1636 übernahmen die Jesuiten dasKloster und besaßen es bis 1673.

Nachdem die Noth überwunden war, die der 30jährkgeKrieg über die deutschen Gaue gebracht, gingen die Jesuiten an eine Restauration der Kirche im Sinne der damaligenZeit; das bedeutete aber die Zerstörung dessen, was vonder mittelalterlichen Kircheucinrichtung noch übrig ge-blieben war.

Mit dem Jahre 1774 begann das Werk.

Die Glasgemälde, die eine wahre Nacht in derKirche hevorbrachten, wie der Jesuitcnchronist sich aus-drückt, wurden zerschlagen, der Krcnzaltar entfernt, derKreuzgang theilweise eingcrisscn, fünf neue Altäre sammt.Kanzel in der Kirche aufgestellt.

Diese Altäre haben sich mit Ausnahme des Hoch-

altars bis heute erhalten. Ihr Kunstwerth ist gering.Der jetzige Hochaltar stammt aus der Zeit, in welcherdie Malteser das Kloster innc hatten, d. i. vom Jahre1782 bis zur Aufhebung des Ordens im Jahre 1808.Er ist ein Werk des Empirestiles, mit Nococomotivcn ver-mischt, eine mittelmäßige Arbeit. Doch ist er mit gutemNaumverständniß in die Apsis eingefügt.

Von den aus dem Mittelalter erhaltenen Details istvon Interesse das Grabmal der Prinzessin Anna, einerTochter Ludwigs des Bayern. Sie starb als Kind vondrei Jahren in Kastl und wurde daselbst begraben. DasGrabmal ist eine einfache, gothische Tumba, an denSeitenflächen mit Blcudmaßwerk verziert. Die Deckplattezeigt nur ein verziertes Kreuz, kein Bildniß. DiesesGrabmal stand in Mitte der Kirche vor dem ehemaligenKreuzaltar und gehört dem Beginn des 14. Jahrhundertsan. Der nämlichen Zeit theilt Sighart die schönen Sta-tuen der drei Stifter zu, die neben dem Eingang zumParadies stehen; sie haben die ursprüngliche Polychromirungbewahrt.

Unter den erhaltenen Grabdenkmälern von Aebten undadeligen Personen, die sich hier bestatten ließen, findensich verschiedene künstlerisch wcrthvolle Arbeiten.

Drei dieser Monumente, die besten von allen, müsseneinem Bildhauer zugeschrieben werden, der um die Zeitihrer Entstehung in Eichstätt lebte und den dortigen Dom -und Kreuzgang mit hervorragenden plastischen Werkenschmückte. Innere und äußere Gründe bezeugen dieKastler Denkmäler unbestreitbar als seine Werke. Wirwollen annehmen, daß der Eichstättcr Bildhauer LoyHering der in Frage stehende Meister ist.

Das eine der bezeichneten Denkmäler ist das Grab-mounment des Abtes Johannes Lang von Sulzbach, des26. Abtes von Kastl. Er starb 1524. Es befindet sichan einem Pfeiler im sogenannten Eugclgarten. Der Abtist mit dem Rationale der Eichstättcr Bischöfe bekleidet,ein Irrthum, der sicher auf einen Eichstättcr Meisterhinweist.

Die beiden andern Denkmäler sind Bestellungen desAbtes Johannes Menger von Abcnberg, des 29. Abtesvon Kastl. Das eine stellt den Abt dar, kniend vordemGekreuzigten, das andere vor der Madonna. Die Ma-donna ist eine Wiederholung oder möglicherweise das Ur-bild der auf dem Arzat'schen Denkmal im Mortuariumzu Eichstätt befindlichen Madonna. Johannes Mengerstarb im Jahre 1554.

Schweppcrmauus Grabstein ist sehr einfach: Wappenund Inschrift in Contouren eingegraben. Die Maltesererrichteten ihm ein Denkmal im Stile der Empirezeit:ein Sarkophag, oben eine Vase mit den zwei Eiern.

(Schluß folgt.)

Stilln von Abenberg.

Von Adam Hirschmann.

(Fortsetzung.)

Stilln starb; ihr Leichnam sollte nach dem Familien-bcgräbnisse im Kloster Hcilsbronn überführt werden, aberderselbe konnte nicht von der Stelle gerückt werden. Daentschloß mon sich, an den Leichenwagen zwei Zngthiereanzuspannen und sie unbehindert ihre Wege gehen zulassen. Siehe da! Diese unvernünftigen Thiere schlugenden Weg zur Peterskirche ein, so daß alles Volk er-kannte, es sei Gottes Wille, daß Stilla daselbst ihreRuhestätte finde.