Aehnliche Vorgänge werden auch sonst berichtet.
Als Bischof Otkar gegen das Jahr 870 die Reli-quien der hl. Waldburga von Heidenheim am Hahnen-kamm nach Eichstätt überführen ließ, blieben die Pferde,welche au den Wagen mit den ehrwürdigen Ueberrestengespannt waren, von selbst an der Pforte der hl. Kreuz-kirche in Eichstätt stehen, woraus der Bischof folgerte,es wolle die Schwester des hl. Willibald hier ruhen,(kalcstsnstsin, ä,ntic;u. XoräZ. I, 72.)
Die fromme Magd Radiana oder Radcgnndis aufSchloß Welleuburg bei Augsburg , welche in barmherzigerLiebe den armen Siechen ihre eigenen Ersparnisse zutrug,sollte nach ihrem Ableben in dem Familienbegräbniß ihrerHerrschaft in Augsburg beigesetzt werden; allein das vor-gespannte Zugvieh blieb bei dem Sicchenkobel stehen undkonnte nicht weiter gebracht werden, worauf Radiana dahinbegraben wurde. Später erhob sich daselbst die St. Rade-gundis-Kapelle. (Schöppner I. e. I, 51.)
Als der hl. Sebaldus auf dem Sterbebette lag, dasoll er befohlen haben, ihn nach seinem Tode auf einenWagen zu legen, vier ungezähmte Ochsen vorzuspannen,und wo diese still stehen würden, den Körper zu begraben.Da nun die Ochsen zur St. Peterskapelle gekommen, sindsie daselbst stillgestanden, daher der Leichnam auch dahinbestattet worden ist. (Schöppner I. a. I, 132.) o«)
Von Heinrich, einem Sohne des Grafen Babo vonAbensberg , berichtet die Legende, daß er als Pilger ver-kleidet nach Eberzhansen gekommen sei und daselbst 40 Jahrehindurch in aller Demuth die Dienste eines gemeinen Vieh-hirten versehen habe. Darnach sei er in dem sogenanntenheiligen Holz verschieden. Sein Vater habe alsdann einenWagen mit einem Paar Ochsen geschickt, den Leichnamnach Abensberg überzuführen; allein die Ochsen kamenvon dem Orte, wo Heinrich gestorben, nicht weiter alsbis zur Kirche St. Peter in Eberzhansen; da mußte desSeligen Leichnam begraben werden. (Schöppner 1. o.III. 245.)
Nach der Legende gehörte Stilln von Abenberg zurVerwandtschaft des kinderreichen Vabo von Abensberg ;hier wie dort findet sich die Sage von einem Begräb-nisse in der Peterskirche; beide Male konnten die Zug-thiere nicht dazu gebracht werden, den Leichnam anders-wohin zu transportircn. Da dem hl. Heinrich von Eberz-hansen die Priorität zukommt, so ist wohl die Annahmenicht ungercchtfertiget, daß die Ueberlieferung über Babo'sSohn von Abensberg nach Abenberg übertragen und mitder dortigen Grafentochter Stilln in Beziehung gebrachtworden sei.
Die Gründungsgeschichte des Klosters Bibnrg beiAbensberg dürfte für die Ausgestaltung der Stilla-Legende auch nicht ohne Einfluß geblieben sein.
Im Jahre 1124 vertheilten die überlebenden Söhnedes Heinrich von Bibnrg und Berthas, seiner Gemahlin,aus Jstrien, das väterliche Erbe in der Weise unter sich,daß Heinrich und Gebhard Hilpoltstein, Chunrad aber undErbo (Aribo) mit Bcrtha, ihrer Schwester, Bibnrg er-hielten. Schon im folgenden Jahre gründeten die letzt-genannten drei Erben ein Doppelkloster für Männer und
Die Filialkirche zu Biberbach , Pfarrei Plaukstettenbei BcilngrieZ, verehrt in der hl. GnnthildiZ eine frommeMagd, welche nach ihren! Hinscheiden durch ungesäumteOchsen nach Suffcrsheim bei Wcissenbnrg geführt unddaselbst begraben ward,- über ihrer Ruhestätte erhob sichein Kirchlein. (Past.-Bl. 1655, 135.) Biberbach kam durchSchankung der Grafen Ludwig und Friedrich von Oettingen43-0 an das Kloster Heilsbronn. cGöt> t. o. I. 743.) I
Frauen, welche nach der Regel des hl. Bencdiktus lebten.Die Anregung zu dieser Klosterstiftung in Bibnrg warvon dem hl. Otto von Bamberg ausgegangen, welcherdann auch am Feste der Apostel Simon und Juda 1133zugleich mit dein Bischöfe von'Regensbnrg, Heinrich 1., Grafen von Wolfratshausen, einen! Verwandten der hoch-herzigen Gründer, die Weihe der Klosterkirche zu Bibnrgvornahm. Znm ersten Abt bestellte Otto den bisherigenAbt von Prüfening, Eberhard, einen Bruder der Stifter,welcher in Bamberg seine Studien gemacht, in Paris Philosophie gehört hatte. Nach seiner Rückkehr hatte erbei St. Michael in Bamberg das Ordenskleid genommen;von dort zog er auf Otto's Veranlassung in das nen-gcgründete Kloster Prüfening, bis er nach Bibnrg ab-berufen wurde. Als Erzbischof Konrad von Salzburg 1147 mit Tod abging, folgte ihm Eberhard von Bibnrg,sein Verwandter, aus dem Erzstnhl des hl. RupertuSnach; 1163 ereilte auch ihn der Tod. Bei seinem Weg-züge von dem Doppclkloster Bibnrg hatte er die Leitungdesselben seinem Bruder Konrad übergeben, welcher 6^Jahre an der Spitze desselben stand; schon 1153 segneteer das Zeitliche. Mit dem Kloster hatten die drei frommenGeschwisterte auch eine Herberge für arme und krankeLeute gestiftet, welche von den Nonnen verpflegt wurden.Bertha selbst nahm den Schleier und machte unter derLeitung ihres Bruders Eberhard große Fortschritte inder christlichen Vollkommenheit; besonders gerühmt wardihre Liebe zu den Armen und ihre Barmherzigkeit gegenalle Nothleidenden. Am Feste des hl. Sixtus, den 6.August 1151 starb sie eines seligen Todes. In derKlosterkirche zu Bibnrg fand sie ihre letzte Ruhestätte;kommenden Geschlechtern verkündigte eine Tafel: „ImJahre Christi des Erlösers 1151 ist verschieden die hl.Bcrtha, seligen Andenkens, die Stiftern! dieses Ortes."(drois. X, 593; Unnciius, mek-rostol. Lalmdnrst. II,200, 202; Räder, Lnvnria, snneta I, 247; Götz I. o,I, 561.)
Vergleichen wir Bertha's Leben mit der Legendeüber Stilla, so finden wir: beide besitzen zwei Bruder,welche sich durch Klostergrnndnug einen Namen erworbenhaben, allerdings mit dem Unterschiede, daß Bertha'sBruder: Konrad und Aribo, im Verein mit ihr einmüthig ihr Allodium Hingaben, während Stilla's BruderRapoto und Konrad, der beabsichtigten Niederlassung iiAbenberg feindlich gegenübcrtraten und an der Gründungvon Heilsbronn historisch nnbetheiligt sind; Bcrtha stammtenachweisbar aus einer hohen Familie, welche der Kirchezu Salzburg zwei hervorragende Bischöfe: Konrad undEberhard, schenkte; Stilla wird durch die Legende zurTochter Wolframs von Abenberg erhoben, welcher nachglaubwürdigen Quellen der Bruder des schon oft ge-nannten Erzbischofes Konrad von Salzburg gewesen ist;Bertha und Stilla stehen unter dem sittigenden Einflußdes hl. Otto von Bamberg, dadurch jedoch von einanderunterschieden, daß Otto's Eingreifen in Bibnrg beiGründung und Einweihung des Klosters historisch er-wiesen werden kann, während für Otto's Thätigkeit inAbenberg jegliche Quelle versagt. Bertha's und Stilla'sLeben fallen in ihren Hauptmomenten so eng zusammen,daß man in der beglaubigten Geschichte der ersteren un-willkürlich an die nachdichtende Sage der letzteren erinnertwird. Diese Annahme wird außerdem noch sehr be-günstiget durch die Aufzeichnungen des Pfarrers LitnsKoch von Schönfcld, welche wir eingangs mittheilten,woruach Stilla auf ihrem Schlosse zu „Abenspcrg" vcr-