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mais fünf Lenkn ostwärts nach Chana Galiläa und vonhier über Sepphoris nach Nazaret ." Man kann nichtdeutlicher schreiben. Ich habe den Muth, die Wahrheitzn bekennen. Erst vor wenig Lnstren lief man denGriechen nach, welche in Kefr Kanna am wasscrlosenBerghang einen Hochzeitsaal eingerichtet. Um den Pilgernden weiten Umweg zu ersparen, entdeckte man mit einmaldas Haus des Bartholomäus und trieb Gelder zum Bauvon Kirche und Hospiz ein. Von solchen topographischenEigenmächtigkeiten war schon einmal in diesen Blätterndie Rede.
Doch mögen wir nach 50jähriger Ueberlegung be-haupten, was wir wollen: es stößt auf Widerspruch.Zum erstenmal stelle ich Magdala Gadara, daspalästinische Karlsbad, als Heimath der Magdalena auf,die gewiß eine reiche Dame war, da sie aus einemAlabastergefäß mit indischer Narde den Herrn salbte, auchdie Gesellschaft Jesu mit ihrem Vermögen unterstützte.Luk. VIII, 3. Was ist dagegen das aus Mangel anLandeskunde angenommene Medschdel als ein Lause-nest, keine „Stadt"! Ein Arbciterheim in der EbeneGennczaret, wovon die Kirche niemals Besitz genommenhat. „Man kaun darüber streiten, schreibt unser Censor,aber die Gründe für das eine oder andere sind ebensowenig durchschlagend, wie die Identifikation von Ephrem in der Wüste (Joh . 11, 54), zwei Stunden südlichvon Dschedar (Gadara). Damit will ich aber nicht be-haupten, daß Medschdel als Heimath der Magdalena ge-sichert, oder Tayebeh bei Bethe! sicher Ephraim ist; ichbehaupte nur, daß auch nach den Sepp'schen Aufstellungendiese Fragen nicht endgiltig entschieden sind." — Ja,streiten kann man über Alles, es kömmt nur aus dasJndicium au. Trete ich für Ophera bei Bethel ein, soerwidert der Gegner: aber dieses liegt ja in der frucht-barsten Gegend, nicht in Wald und Wüste. Er hält sichaber oppositionell an letzteres, weil ich zuerst für Ephrem in Peräa mich ausspreche und für höchst unwahrscheinlichhalte, daß Jesus , den die Juden steinigen und todtenwollten, sich in der Nähe Jerusalems aufgehalten, zumaler auch später über den Jordan flüchtete. Nach gegner-ischer Ansicht bliebe die Frage ewig unerledigt, da icheben auf ein zweites Ephraim aufmerksam machte. Beidiesem Zickzack und Hin und Her wird der Nahmen derGeschichte Jesu immer ein anderer. Wir hatten in derPaulskirche ein Mitglied, Wcdekind, das zu jedem Para-graph der Berathung auf die Tribüne lief, und ein„Aber, meine Herren" sprach, und deßhalb den TitelReichszweifler erhielt. Diese Methode sollte in der Theo-logie sich nicht einbürgern.
Neue Skrupel entstehen über das neutestamentlicheEmmaus. Ich erfinde nichts, sondern finde dasselbein Veit el Amus zu Colonieh gegeben und haltemich um so entschiedener an letzteres, weil Josephns an-führt, Titns habe mit 800 Veteranen i>n Dorfe Emmaus,60 Stadien von Jerusalem , eine Colonie angelegt. Essteht dabei schon in der Vulgata oukteiium Lmmnno,heute Ca stnl, weil dieses zum Schutze der Colonie er-fordert war. Und doch läßt bei dieser Ausstellung mich,wie bei Chörbet Minieh, auch der Pilgerführer vonSo ein und Benziger allein. Meinem skrupulösenCensor geht hier wieder Alles durcheinander. Vergebensverweise ich sogar aus den Talmud, wo das alttestament-liche Amosa (Josua XVIII, 26) mit der Erklärung über-setzt ist: „Mosa ist Colonia". Vergebens betontLulas den Ort in der Entfernung von 60 Stadien (da
die Nömerstraße den Berg umging) als zum
Unterschied von der acht Stunden entferntenStadt Ammaus. Abt Haueberg schrieb im April1864 als Pilger aus Jerusalem : „Wo ich hinkomme,hier wie in Bethlehem , herrscht in den Klöstern Auf-regung wegen Emmaus, das die einen nach wie vor inKuböbe, die andern auf die Zwischenrcdc der Franzosen in den Ruinen der fernen Stadt EmauS suchen. Dakömmt mein unglücklicher Dr. Sepp mit einem neuenEmmaus in Colonieh, das schon gar keinen Glaubenfindet." — Ich halte aber als tapferer Deutscher gegendie Wälschen Stand, bis sie ihre Degen abgeben. DieStadt liegt eine Tagrcise von Jerusalem ab.
Ich kann hier nicht auf all die Beweise eingehen,die ich in meinem neuen Werke II S. 228—254 ge-liefert, daß die constante Tradition im Volke und beiden Mukari bis auf meine erste Palästiuareise für CastulColonieh spricht. Der jüngst verewigte DompriesterSchiffers in Aachen trat mit heiligem Eifer fürAmmaus Nikopolis, 176 Stadien von der hl. Stadt,ein und erließ sogar einen Aufruf zu Beiträgen, diedortige Kirchenrnine aufzubauen. Ich appellire dagegenan den gesunden Sinn eines Jeden, ob die beiden Emaus-jünger an Einem Tage oder Abend sechzehn Stundenzurückgelegt haben werden, um in der Nacht, nachdemder Tag sich schon in der Herberge geneigt, noch denversammelten Aposteln die Freudenbotschaft zu bringen.Ein Schnellläufer müßte die Probe hin und her machen.Doch, so überlegt der letztgenannte Pilger: Ist es dennausgemacht, daß sie nicht zu Pferde zurückkehrten?— Schade, daß es damals uoch weder Schienenbahnnoch Fahrrad gab, sonst wären sie selbst mit dieser Er-fahrt von der Stadt Ammaus aus — nicht mehr recht-zeitig am Berge Sion eingetroffen!
Lassen wir diese künstlichen Excnrse. Heute hatKubllbe die meisten Vertheidiger, auch mein verehrlicherRecensent neigt dazu, wenn er gleich „nicht sicher" istund wie allenthalben uns im Nebel stehen läßt. Ichhoffe ihn bei gutem Willen zu bekehren, wie kürzlichden Rektor der Wiener Hochschule und früher des öster-reichischen Pilgerhanses in Jerusalem , vr. Zschokke, der eigenseine Schrift gegen mich erließ, nun aber für meine An-sicht wirbt. In den Diplomen der Kreuzritter, wie ichnachwies, wird Cubeba ausdrücklich von OastollumLmwuu8 unterschieden, also kann es nicht derselbe Ortsein. Die „kleine Kuppel" über einer wenig er-giebigen Quelle liegt doppelt soweit von Jerusalem ab,ivie Castul Colonieh, dazu kömmt aber im nächsten Dorfeeine verfallene Kirche, wohl von den Johaiinitern erbaut;also wollte die Marquise Nikolah sich durch einGrabmal im Neubau verewigen, natürlich weist man dasHaus des Kleophas daneben. Nun appellire ich an dengesunden Menschenverstand. Gottfried von Bouillon marschirte mit dem Krenzheer von Lydda nach Nama(Ramie) und von da in Einem Tage bis zur StationEmmaus, wo die Bcthlehemiten um Hilfe flehten undTankred hiuüberritt, um die Muhammedaner zn ver-treiben, aber andern Morgens schon vor der hl. Stadteintraf. Ich frage: macht man mit einer Armeeganz überflüssig einen Spaziergang auf demUmweg von mehreren Stunden, kehrten die Kreuzrittervon Nama wieder nach Lydda zurück, um, die Heerstraßeverlassend, aus ungewissen Pfaden, namentlich von Knbbbeaus, wo man am hellen Tage sich nicht znrecht findet,endlich das ersehnte Ziel Zu erreichen?