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bogenfriese belebt, wobei die Sockel der Bögen mehrfachals Thier- und Menschenköpfe gebildet sind.
Im Uebrigen weisen die Außenwände der Kirchekeinen Schmuck auf. An der Südseite befinden sich zweiPortale: ein romanisches in einfachen Formen und eingothisches an der Bencdiktuskapelle. Letzteres ist zwarfigurenlos, aber recht gefällig und beachtenswerth in derAnlage.
Weitere dekorative Bestandtheile haben sich nur imInnern der Kirche und zwar an der Hauptapsis erhalten.Es sind zwei Dreiviertelsänlen, die einen die Apsis ein-nehmenden Wulst tragen. Einer dieser Säulen dient einFischlveib zum Sockel. Die Kapitäle und der Wulst sindmit zierlichen Ornamenten geschmückt.
Diese Ausschmückung der Apsis innen und außen»sowie einige zerstreut umherliegende Details beweisen,daß St. Peter sich ehemals reichen Schmuckes in plast-ischer Arbeit erfreute: so gehört ein am Pfarrhof ein-gemauertes Kapitäl dem gereiftesten romanischen Stilan nnd zeigt vortrefflich stilisirtes Blattwerk mit Diamant-bändern. Zwei andere Kapitäle befinden sich auf demjetzigen Calvarienberg in der Nähe von Kastl . Nochmöchte ich eines Weihwafferbeckens erwähnen, das ausromanischer Zeit sich erhalten hat: es ist eine Steinmetz-arbeit in Form einer aufgeblühten Rose, mit stilisirtenRoscnblättern glücklich dccorirt.
Nach allem zu schließen, muß St. Peter ein herr-liches Baudenkmal gewesen sein, und man kann nur be-dauern, daß soviel davon zu Grunde gehen mußte.Sogar im 18. Jahrhundert, das nicht viel archäologischenSinn besaß, war man mit der Restauration der Jesuiten nicht einverstanden, weil sie alles beseitigten, was dievorausgegangenen Stürme noch nicht weggefegt hatten;bei der bischöflichen Visitation im Jahre 1720 erntetensie kein Lob für ihre Restauration.
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Ich hoffe, die ehrwürdige Abteikirche nunmehr ge-nügend beschrieben zu haben; es erübrigt aber noch dieFrage, welcher Baumeister wohl diese merkwürdige Basilikaerbaut habe.
Um die Zeit, wo die Klosterkirche zu Kastl gebautwurde, waren die Kräfte zur Ausführung eines so statt-lichen Gotteshauses in der Kastler Gegend ganz gewißnicht vorhanden, und „da der Bau mit seinen Tonnen-und Kreuzgewölben eine technische Entwicklung zeigt, die,wie Rieh! bemerkt, weder in der Hauptstadt des Landes,in Regensburg , geschweige denn in der DiöcesanhauptstadtEichstätt um jene Zeit ein Seitenstück findet," so mußman an eine auswärtige oder wenigstens auswärts ge-bildete Kraft denken.
Die Ansicht Nichts, daß der leitende Baumeister dercluuiacensischen Schule angehörte, hat alles für sich.
Das in Deutschland so äußerst seltene Tonnengewölbe,wie es sich in Kastl findet, weist ganz bestimmt auf Süd-frankreich hin, wo das Tonnengewölbe während der ro-manischen Epoche bekanntlich sehr häufig zur Anwendungkam. Und wenn einmal französischer Einfluß feststeht,so kann man unr an Clnuy denken, von wo gerade zurZeit, da Kastl gegründet wurde, die Reform des Bene-diktlnerordens ausging. Neben dem Tonnengewölbe weistauch die Vorhalle in Kastl auf Clinch hin.
Die großartige Abtcikirche zu Clinch selbst besaßeine doppelte Vorhalle, deren eine doppelgcschossig war,und wo man tu Deutschland derartige Vorhallen an I
romanischen Bauten findet, läßt sich immer der EinflußCluny's nachweisen, der in Dentschland durch Hirsau ver-mittelt wurde.
Da nun Kastl auch eine solche Vorhalle besaß, sowird die Ansicht, daß ein mit Cluny direct oder indirectin Verbindung stehender Baumeister die Kastler Stifts-kirche erbaut habe, wesentlich verstärkt.
Zudem ist die Entstehungsgeschichte des Klostersdieser Annahme sehr günstig.
Die ersten Mönche, die dasselbe bevölkerten, kamen,wie schon erwähnt wurde, aus Petershausen bei Constanzunter dem Abte Theodorich. Die Veranlassung zu dieserBerufung ist ohne Zweifel bei Bischof Gebhard von Con-stanz zu suchen, dessen Schwester Lnitgard das KlosterKastl Mitbegründer hat. Bischof Gebhard war aber inHirsau Mönch gewesen, ehe er Bischof wurde, und standdaher mit Cluny in naher Beziehung. Es ist deßhalbkaum anders zu denken, als daß die ersten Kastler Möncheauch der cluuiacensischen Reform angehörten — und daßder Baumeister der Kastler Klosterkirche aus der clunia-censischen Schule hervorgegangen war.
So begreift es sich, wie zu einer Zeit, wo dieTechnik des Wölbens in Bayern noch kaum geübt wurde,in Kastl die Wölbung eines fünfschiffigen Chores mitTonnengewölbe im Hauptschiff ausgeführt werden konnte,einem Gewölbesystem, das in der deutschen Kunstgeschichteeine ganz seltene Erscheinung bildet.
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Noch ein Wort über die Klostergebäude, die derKirche östlich sich anschließen! Sie umfassen mehrerekunstgcschichtlich interessante Räume: vor allem den Kapitel-saal, wie er gewöhnlich genannt wird. Dieser flachge-deckte Raum gehört dem Beginn des 13. Jahrhundertsan. Darin steht ein portalartiges Monument, dessenBestimmung die Archäologie immer noch nicht festgestellthat. Die einen bezeichnen es als Altar, andere alsRückwand für den Abtsitz, wieder andere bringen es mitdem Doppelkloster in Zusammenhang, das in Kastl eineZeit lang bestanden haben soll.
Ein weiteres Denkmal des 13. Jahrhunderts inner-halb der Klostergebäude ist die sogenannte Stifterkapelle,die an den südlichen Thurm anstößt. Die vier Gewölbe-joche derselben werden durch einen Mittelpfeiler und ent-sprechende Wandpfeiler getragen. In ähnlicher Weise magdie Halle im Obergeschoß des Paradieses gewölbt ge-wesen sein.
Auch der Speisesaal aus der Benediktinerzeit ist er-halten. Es ist eine stattliche gothische Halle von 23 mLänge, 8 in Breite und ungefähr 10 m Höhe. EinKreuzgewölbe zu fünf Jochen überspannt den Raum.Schlußsteine, Nippen und Consolen sind treffliche Stein-metzarbeiten der entwickeltsten Gothik. In diesem Saaleist noch ein seltenes Handwaschbecken aus gothischer Zeiterhalten. Es befindet sich nahe dem Eingang an derWestwand.
Aus drei Löwenrachen ergoß sich das Wasser zumGebrauch. Die Nische, in welcher der steinerne Wasser-behälter sich befindet, ist von einem kräftigen Wimpergüberragt. Letzterer ist mit zwei Mönchsgcstalten (Knie-stücke auf Wolken) belebt, von denen der eine einen Krughält, bereit, von dem Wasser auszugießen, während derandere das Handtuch darreicht.
Die Bemaluug dieser interessanten Scnlptur scheintdie ursprüngliche zu sein.
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