Ausgabe 
(6.3.1897) 12
 
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Niemand wird endlich den prächtigen Ausblick be-wundern, den nian am Südabhang des Berges, an derdortigen Ringmauer stehend, genießt, ohne den reizendenErker zu gewahren, der die Giebelwand des aus der Süd-front des Gebäudes herausspringenden Flügels schmückt.Der Erker ist ein Werk der Spätgothik; feines Blend-maßwerk belebt dessen Flächen.

Ucberhaupt würde die Mappe eines Landschafts-malers mit vielen landschaftlichen und architektonischenSkizzen bereichert sein, wenn er Abschied nähme vomKlosterberg zu Kastl mit seiner ehrwürdigen Basilika uudseinem burgähnlichen Kloster.

Der Kunsthistoriker aber, und lver immer für monu-mentale Kunst sich interessirt, kann nicht scheiden von Kastl ,ohne den sehnlichen Wunsch mit sich zu nehmen, es möchtendoch Tage der Auferstehung konimen für das schöneGotteshaus droben auf dem Klosterbcrge. Dieses in derbayerischen und deutschen Kunstgeschichte bedeutsame Bau-denkmal wäre in der That einer stilgemäßen Restaurationsehr würdig und sehr bedürftig.

Wenn es mir gestattet ist, eine Anregung hier aus-zusprechen, so möchte ich hinweisen auf den oben ange-führten churfürstlichen Befehl, die Malereien in der Kirchezu übertünchen. Die Basilika war also mit Malereiengeschmückt, die unter der jetzigen öden Tünche verborgensind. Ein Anhaltspunkt über das Alter, über Inhaltund Ausdehnung dieser monumentalen Bemalung gibt esallerdings nicht, möglicherweise könnte ein ganz singulärerFund gemacht werden. War doch die Anlage des fünf-schiffigen Chores, das flächenreiche Tonnengewölbe zurAusführung eines ganzen Gemäldecyklus sehr geeignet!Die Geschichte der Malerei hat für Bayern bis jetzt nichtsderartiges zu verzeichnen.

Jedenfalls wäre es der Mühe werth, wenn ge-legentlich einer Neutnnchung oder Restauration die Ge-wölbeflächen in der genannten Beziehung untersuchtwürden.

Möchte dieser Wunsch und diese Hoffnung sich reali-firen! Bereits werden zwischen dem Pfarramt undder k. Regierung Unterhandlungen über die Restaurationder Kirche gepflogen. Es besteht somit die Hoffnung,daß dieses ehrwürdige Baudenkmal des Mittelalters Tageder Auferstehung erleben wird. Die große Glocke, dieam 8. Januar des Jahres 1323 beim SiegcSfest Ludwigsdes Bayern zum ersten Mal erklang, wird wohl in nichtgar ferner Zeit dieses frohe Ercigniß mit ihrer feier-lichen Stimme in den Gauen der Oberpfalz verkünden!*)

Stilla von Abenberg .

Von Adam Hirschmann.

(Schluß.)

Nach diesen negativen Darlegungen wollen wirnunmehr den Versuch wagen, ein positives Resultat zugewinnen.

Zwei Momente sind uns in der Stillafrage sichergegeben, nämlich die schriftliche Fixirnng der Traditiondurch den Visitator Vogt 1480 und der Grabstein in derPeterskapelle zu Abenberg .

Aus den Angaben Vogts, welcher von einem restan-rationsbedürftigcn Altare spricht, ergibt sich die Thatsache ,

*) Literatur: Dr. B. Riehl, Denkmale der frühmittel-alterlichen Baukunst in Bauern. Brnner, Das Merk-würdigste von Kastl. 1830. Eichstätter Pastoraldlatt. X.und XI. Jahrgang.

daß in früheren Jahrhunderten ein umfassender CnltStilla's vorhanden war, welcher jedoch allinählig nach-gelassen hatte. Denn wäre die Verehrung Stilla's erstkürzlich entstanden, ehe Vogt nach Abenberg kam, so wäredie Wallfahrt zur Peterskapelle eine viel lebendigere ge-wesen, und der bischöfliche Commissär hätte nicht nöthiggehabt, zur Hebung derselben die Mahnung zu geben,den Altar wiederum herzustellen und den Chor neu zubauen.

Der Grabstein, welcher dem 12. Jahrhunderte an-gehört, stellt eine weibliche Person dar, welche eine Kirchein der Hand trägt und welche in Ansehung ihrer falten-reichen, höfischen Gewandung hoher Abkunft gewesen seinmuß. Das Attribut eines Gotteshauses, die Ruhestättein der Peterskapelle lassen unzweideutig erkennen, daßdie dargestellte Person die Stiftern: genannter Kirche ge-wesen sei. Ferner besagt das Grabmal, daß die Er-bauerin jener Kapelle in Abenberg begütert gewesen seinmüsse; denn sonst hätte sie wohl kaum eine Veranlassunggehabt, an dieser Stelle eine Kapelle zu errichten; außer-dem hätte sie ihre letzte Ruhestätte anderswo gefunden.

Das Bindeglied zwischen den Angaben Vogts unddem stummen Zeugnisse des Grabmales bildet die örtlicheUeberlieferung, welche den NamenStilla" an die Peters-kapelle und an den Grabstein aus dem 12. Jahrhundertknüpft.

Sind wir nun berechtiget, diese Tradition zurück-zutvcisen? Dürfen wir sie als völlig grundlos erklärenund ihr jeglichen historischen Werth absprechen? Wirverkennen durchaus nicht die Schwere des EinwandestWarum schweigt Vogt 1480 vollständig über das Grab-denkmal Stilla's?

Aber bei näherem Zusehen dürfte selbst Vogts kurzerBericht nicht zu Ungnnsten des Grabsteines ausfallen.Warum betont denn der cichstättische Visitator, um dieWallfahrt neuznbcleben, so sehr die Nothwendigkeit derRestauration des Altares und die Erbauung des Choresan der Peterskapelle? Wohl deßwegen, weil gerade imChöre die Stiften,, des Gotteshauses ihre letzte Ruhe-stätte gefunden, weil unter den Trümmern desselben derenGrabstein verborgen fein mochte. Der einfache NamStilla konnte sich bei aller Verdunkelung der sonstige»Lebensuinstände im Bewußtsein des Volkes ohne Schwierigkeit fortcrhalten, mochte auch das eifrige Zuströmen zuihrem Grabe längst aufgehört haben.

Somit glauben lvir festgestellt zu haben: Stilla isteine abcnbcrgische Lokalheilige des 12. Jahrhunderts von

") Vielleicht dürfte der Name Stilla mitSthala"in Beziehung gebracht werden, von welchem die Genea-logie der Zöllen, in der Handschrift des Erasmus Sannvon Freising spricht: Lurclurrärrs eonrss cke 2olr Keuuitguatnor Llios vt ckuas Lilas: Lurebarckum, Ltzevcmem,Ikrickerleunr et Ootli'rlcluw et watrem xaleutinl cko VurviKet alterara anam ckuxlt IVerr,Leins oomes. Lurebarckusckuxit guauckam cle 8tl,ala et Kemrit ex eo Burebaräunrvt l?L'iÜ6rienm eowltes cke Hobeubureb. Oottkrläus einebsrecke äeesssit. irrlcksrieus Zeuuit 1»rickerleuw vt ?erelr-tlrolckum. IZorebtolckus Kennet ülram, guae nnpslt eomitiäe Zaneto wonte. k'rickeriens Kvnnit l^läerleum pure-Kiavlnm ckv Xtiruberek. (Ll. 6. 8.8. XXIV, 78.) WederStalin (Wirtembergikche Geschichte II. 50). noch Riede!(Die Ahnherrn des preußischen Königshanses in: Abhand-lungen der k. Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1854S. l921) noch Schund (Geschichte der Grafen vonZollern-Hohenberg, Stuttgart 1862 v. I-XXXIX) gebenirgend welche Notiz zu Sthala. Nach Schund lebteBurkard 11., welcher mit einer ungenannten Tochter desHauses Sthala vermählt war. zwischen 11251150.