Ausgabe 
(6.3.1897) 12
 
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hoher Abkunft, welche als Stiften» der Petcrskapclle da-selbst ihre Ruhestätte gefunden hat?")

Alle übrigen Nachrichten und Angaben gehören nichtder Geschichte, sondern der Sage an, welche mit ver-schiedenen Zügen aus den Legenden anderer Personendas Leben Stilla's auszugestalten sich bcmüßiget ge-funden hat.

Wann und wo hat allenfalls der Name Stilla dielegendäre Ausschmückung erfahren?

Wir haben schon oben dargelegt, wie unter dem ge-lehrten^") Abte Petrus Wcgel die Grafen Rapoto undKonrad von Abenberg als die ursprünglichen Stifter desKlosters Heiltzbronu aufgefaßt und als solche bildlich ver-herrlicht worden sind. Damit dürfte wohl auch die Er-weiterung der Stilla-Legeude iu Beziehung Zu bringen sein.

Gerade am Ausgange des Mitteln tters erwachte unterdein günstigen Einflüsse der ueuentdeckten Bnchdruckerkunstein eifriges Streben, die literarischen Schätze der Ver-gangenheit zu sammeln, die alten Urkunden und Chronikenallgemein zugänglich zu machen. Auch die Heiligenlebenwurden in den Kreis der Forschung gezogen und ihrLeben gerne mit einem reichen Kranze von großenWunderwerken umwoben.

Schon unter den ältesten Inkunabeln finden sichLegendarien und einzelne Heiligenleben, zur Erbauungbestimmt. Hin und wieder bieten sie ein brauchbaresKörnchen dar; im ganzen aber erscheinen die Legendenin solcher Weise überarbeitet, daß dcls triviale, allen ge-meinsame, überhandgenommen hat, das geschichtliche oftganz verschwunden oder doch verdunkelt ist. (Wattenbach ,Deutschlands Geschichtsqnellen I, 5, 9.)

In dem Cisterrieuserkloster Heilsbronn ließ der AbtSebald 1498 1518, welcher sich als Thomist undHistoriker einen geachteten Namen erworben hat/') eineneigenen Saal bauen zur Aufbewahrung der zahlreichenPergamenthandschriften. Noch zu Hocker's Zeiten 1731zählte die Bibliothek des 1540 eingezogenen Klosters

Außer den schon genannten Lokalheiligen Acha-hildis (St. Atzin) von Wendelstein, Reymot von Holn-stein, Gunthildis von Biberbach kennt die Diöcese Eich-stätt noch den seligen Polio, der in dem nahe bei Eichstätt gelegenen Pfarrdorfe Pollenseld verehrt wurde. Wir be-sitzen nur eine einzige Nachricht über ihn aus der Federdes Rebdorfer Annalisten Kilian Leib, welcher zum Jahre1524 bemerkt: Latsi in visino inonts ksrs omnvs iüsrsexRoeati, veram Ions O. 8olas oonksssoris in pk>Ko Lvsr-selivitiiAÜ st Ions bsati (nti »saut) kollonis in villaLollsnkslck, guas losn inilliarii gpatio ab ^.iobstat sitasank, minims ästsosrunt. (Döllinger, Beiträge II, 587.)Förstemann , Althochdeutsches Namenbuch S. 274 leitetPollo ab vorl Bol und weist aus Pertz (N. O. II, 62,Ratxsrti sa8,,s 8. Oalli), aus Neugart, Kausler, Meichel-beck das Vorkommen dieses Namens im 9. Jahrhundertnach. Im römischen Martyrologium kommt unterm28. April ein Pollio in Pannonien vor.

") Auf seinem Grabsteine wird der am Tbomastage1479 verstorbene Abt Petrus gerühmt:

Omnibu8 in 8tuclii8 ckootn8 t'uit atgus cki8srtusHio kbosbum ooluit ttsAa^ickssgus Osa«.

Uovsat bis ounota rsksras guas TAsoloßfls,?ruclsn8 in Iaoti8, olarna in orbs tuit.

In der Rechnung von 1474 steht über ihn geschrieben:Ons. ?stru8 abbao 8. Ibsol. protss5or, rsxitannos 8säsoimst oon8truxit uovum ainbitum, ospitolium, üormitorium,inürinatoriuin, novam libsrarianu prastsr libros vsr suwemvto8, guos non oomputavi. Hocker. Heilsbr. Antigu.-Schatz I, 76. Petrus Wegel war von dem Rektor Jo-hannes von Rysen 1431 an der Universität Heidelberg immatrikulirt worden.

, ") Sebald Babenberger war am 9. April 1479 an derUniversität Heidelberg immatrikulirt worden.

zu Hcilsbroun über 600 Manuskripte des verschieden-artigsten Inhaltes (Hocker I. c. bibiiotb. prust. Z 13st 17). Unter den handschriftlichen Heiligenleben findensich vorgetragen die Biographien des hl. Othmar, deshl. Otto, des hl. Heinrich, das Sammelwerk: Blüthender Heiligen (siores sunotorum) mit nahezu 200 Cha-rakterzeichnungen, Reden auf die Leiden der Heiligen mit40 Lebensgeschichten; es erscheint: Neues Passionale mitReden auf 77 Heilige.") Auch das Leben der hl.Kunigundis, des hl. Erzbischofes Tiemo von Salzburg(vergl. Theol.-prakt. Monatsschrift 1896, 697 ff.), deshl. Willibald und anderer Persönlichkeiten des bonisatian-ischen Zeitalters war dem Sammeleifer der Mönche vonHeilsbronn nicht entgangen (Hocker 1. v. dibl. 7 96).

Von den ältesten hier einschlägigen Druckwerken be-saßen sie: Viola. Lanotoruin, Straßburg 1487, 8sr-mon68 cls Lanotis von Jakob de Voragine 1484 (oonflKirchenlex. I, 183), ferner die Predigten des Domini-kaners Johann Herolt über das Kirchenjahr und dieHeiligen, erschienen zu Nürnberg , gekauft von dem AbteJohannes Wenk 1518 1529.

Wenn nun die Söhne des hl. Bernhard in Heils-bronn sich mit solchem Eifer den Studien hingegebenhaben, ist es da nicht höchst wahrscheinlich, daß sich dieersten Bewohner des Klosters Marienburg, welches imJahre 1488 von der Bürgermeisterswittwe KatharinaHabermayer von Weissenburg mit Hilfe einiger Jung-frauen aus dieser Stadt und aus Nürnberg gegründetworden war (Sax, Die Bischöfe und Reichsfürsten vonEichstätt I, 338), dorthin gewendet haben, um angesichtsdes Grabes einer seligen Stilla Aufschluß über die Lebens-schicksale dieser Persönlichkeit zu erhalten? Diese Ver-muthung wird noch gesteigert, wenn wir die Thatsacheins Auge fassen, daß der letzte katholische Abt des KlostersHeilsbronn , Johannes Schoppcr, als Humanist von Bru-schius hochgefeiert, im Jahre 1491 in Abenberg dasLicht der Welt erblickt hat. Frühzeitig trat der reich-talentirte Jüngling in das benachbarte Cistercienserklosterein, besuchte im April 1512 die Hochschule zu Heidelberg ,dem gewöhnlichen Studienorte der Novizen von Heils-bronn (Sammelblatt des histor. Vereins Eichstätt II, 25nach Töpke , Die Matrikel der Universität Heidelberg von1386-1662, 2 Bde.), und fertigte als Prior 1524 eintheologisches Gutachten für den zwischen Katholicismusund Lutherthnm hin- und herschwankenden MarkgrafenKasimir in Ansbach. Am 6. September 1529 wurdeSchopper von 19 wahlberechtigten Conventualen zum Abtevon Heilsbronn gewählt. Auf die Bereicherung derBüchersammlung verwendete er jährlich 25 fl. (Hocker1. o. I, 109; Strauß, Viri iusiAnsg p. 389).

Da nun die abenbergischen Aufzeichnungen der Stilla-Legende nach Form und Inhalt aus Einer Quelle ge-flossen sind, da ferner das älteste Manuskript der SchwesterMonika Farcketin aus dem Jahre 1593 die Jahreszahl1502 enthält, in welchem die Gemeinde Trominetzheiin

") Diese Handschrift wurde nach der Schlußbemerkungabgeschrieben von Hermann von Noßstall, welcher zurErklärung und Geschichte dieses Ortsnamens sich aufAventin beruft. Letzterer vollendete 1521 seine Annalen: imNovember 1522 begann er die Verdeutschung derselben,Chronik betitelt (Riezler, Joh. Turmairs sämmtl. WerkeI, XVill). Gerade Aventin bot (Chronik Buch VI o. 6,Riezler V, 315) die Geschichte der Jungfrau Bertha vonÄiburg. Ueber seine papstfeindliche Stellung und seinezahlreichen Fälschungen s. Vrst8. VI, 124. 235-263; VII,314; Riezler I, Xst. Hocker citirt I. o. bidl. p. 233 dieAusgabe der Chronik Aventins vom Jahre 1566.