Ausgabe 
(6.3.1897) 12
 
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exemplaren. Zuzug von den Karpathen ist nicht anzu-nehmen. Daß sie sich trotz der Inzucht so gut entwickeln,schreibt der Vortragende außer der Ernährung haupt-sächlich der Bewegungsfreiheit zu. An der Diskussion überdiese interessante Thatsache betheiligten sich der Vorsitzende,Gchcimrath v. Zittel, H. v. Ranke und der Vortragende.Hierauf sprach Hr. Pros. Selenka über fossile Assen" (?itbs-vaittbropns eroetus Onbois). Ueber den Pithecanthropusist an dieser Stelle im vergangenen Jahre von KaplanBumüller referirt morden. Es möge ergänzend nachge-tragen sein. daß noch ein weiterer Backenzahn gefundenwurde und daß nach den in derselben Schicht vorkommen-den fossilen Ucbcrresten der Fund wahrscheinlich der jüngernTcrtiärperiode angehört. Die Fundgegenstände scheineneinem Individuum anzugehören. Auf Grund der Unter-suchungen an den Objekten selbst bezw. an Gipsabgüssenneigen die meisten Gelehrten der Ansicht zu, daß man esmit einem großen gibbonartigen Anen zu thun habe. Auchder Vortragende spricht sich in diesem Sinne aus, nurglaubt er, daß das Schädelvoluinen besonders groß zunennen se,. An den Vortrag schloß sich eine Diskussionan. Geheimrath v. Zittel ist für die Zusammengehörig-keit der 4 Funde und hält das Wesen ebenfalls für einenAffen. vr. Röse hält die Zähne ebenfalls für affen-ähnllch. Der Vorsitzende hebt hervor, daß die AngabeDubais ' über den Schädelinhalt wohl zu hoch gegriffensei. Es spricht nichts an den Fundobjekten dafür, daßjenes Wesen irgend ein Merkmal besessen hätte, das bisjetzt als Unterscheidungsmerkmal des Menschen vom Affennachgewiesen ist, z. B. die geknickte Schädelbasis, die cen-trale Lage des Hinterhauptsloches, im Verhältniß zu denArmen lange Beine usw. Mit dem Dank an die Vor-tragenden schloß die interessante Sitzung.

Neceus-ouen und Notizen.

». Die Fasten - Literatur dieses Jahres bringt unseinige Neuheiten aus dem Verlag von Fr. Pustet inRegensburg, die sicherlich zu den besseren Erscheinungendieser nur allzu üppig ins Kraut schießenden Gattunggezählt werden dürfen: Alph. Breiter behandelt ,,DasLeiden Christi: eine Tugendschule" in acht Fastenpredrgten.(VI -j- 144 SS. M..) Neues ist natürlich nicht zusagen, doch ist der tausendmal schon behandelte Stoff gutgruppirt, sind die angezogenen Scyriftstellen wirklich nam-haft gemacht und auch manche Stellen aus dem römischenBrevier passend angewendet. Das Jnhaltsverzeichniß gibtzugleich in angenehmer Weise die Disposition. In denScenen aus der Leidensgeschichte des Herrn werden dieTugenden der Gottesliebe (Gebet,Opfermuth), der Nächsten-liebe (Sanftmuth, Barmherzigkeit), der Selbstliebe (äußereuiid innere Abtödtung) erwogen; eine Einleitungspredigtstellt den Herrn als einen Aneiferer zum Tugendlebenund eine Schlußpredigt stellt ihn als Urbild der tugend-haften Seele dar. Benützt ist auch das vortrefflicheLebenJesu" von Meschler. Ebenfalls acht Predigten überDas glückliche Jenseits" bringt G. Dießel 0. 88. K.(SS. Vlll 175, M. 1,40), der auf homiletischem Gebietekein Nculing ist, sondern fast alle Jahre eine Fastengabeliefert. Seine Sprache ist sehr ernst und eindringlich, dieDisposition klar und logisch gegliedert. Die Themen deracht Vortrage sind: 1) Die Lehre des Glaubens über dasglückliche Jenseits. 2) Die Bewohner des Himmels sindfrei von allen Leiden. 3) Die Auserwählten führen imJenseits ein Leben voller Freude. 4) Das Wesen derhimmlischen Freude besteht in der innigen, unauflöslichenVerbindung mit Gott . 5) Die übrrgen Freuden desHimmels. 6) Die verschiedenen Wege, aus denen dieSeligen ihr Ziel erreicht haben. 7) Die Wirkungen, welchedie öftere Betrachtung des Himmels in uns hervorbringensoll. 8) Charfreitagspredigt: Was lehrt uns das Kreuzüber das glückliche Jenseits? Mart. Jäger hat sichals Gegenstand für sechs FastenpredigtenDie gemischtenEhen" (SS. VI -s- 160, M. 1,40) ausgewählt, eine heikleSache, denn die, welche es angeht, hören nicht gern davon;sicher ist auch noch niemals ein solcher, der nn Begriffestand, eine gemischte Ehe einzugehen, durch irgendwelcheGründe der Religion oder der Vernunft von der gewalt-thätjgen sogen.Liebe" abspenstig gemacht worden. Daß

es gleichwohl Pflicht des Seelsorgers ist, den Willen derKirche rund zu geben und vor Eingehung einer solchenVerbindung zu warnen, das läßt sich nicht bestreiten.Dieser Ausgabe wird das Buch in fachkundiger Weisegerecht : es dürfte den Gläubigen nicht weniger vortheil-haft sein, die ruhige und besonnene Auseinandersetzungzu lesen, wie sie selbe in Zweibrücken gehört haben, wo-selbst diese Predigten gehalten wurden.

In Nacht und Eis", von Fridtjof Nansen. 36Liefer-ungen L 50 Pfg. Verlag von F. A. Brockhaus inLeipzig.

** Der Leser des soeben erschienenen 5. Heftes desinteressanten Werkes wird finden, daß die Situation znBeginn der Fahrt für Nansen und seine Leute eine rechtbedenkliche war. Sowohl im Karischen Meer, dem ^Eis-keller", als auch weiter ostwärts an der sibirischen Küstewar Nansen nahe daran, mit der ,,Fram" im Eise steckenzu bleiben, dadurch mindestens ein Jahr zu verlierenoder der Expedition ein vorzeitiges Ende bereitet zu sehen.Weiter zeigt ein von dem berühmten Maler Sindrng nacheiner Photographie Nansen's gezeichnetes Bild einer Wal-roßjagd. wie auch die Thierwelt dem Eindringen derExpedition in jene ungastlichen arktischen Regionen Wider-stand zu leisten versuchte. Aber aus dem zweiten Voll-bildsDie Feier des Verfassungstages (17. Mai) in hohenBreiten" ersehen wir dann, daß die Framlente alle Än-fangsschwierigkeiten überwanden, auch in jenen höchstenBreiten den Humor nicht verloren und es sich nicht nehmenließen, den Ehrentag des Vaterlandes in möglichst fest-licher Weise zu feiern.

Martin Jos. (8. ch), Leben des hochwürdigen PetrriS

Johannes Beckx, Generals der Gesellschaft Jesu .

Ravensburg , Dorn 1897. 8°, 200 Seiten.

Das mit einem Titelporträt geschmückte, sehr elegantausgestattete Buch ist eine freie Uebertragung einer inflämischer Sprache erschienenen Lebensbeschreibung (vonA. M. Verstraeten 8 . ä.). Sie gibt ein treues und an-schauliches Lebensbild eines von den Seinen, wie auch inweitesten Kreisen hochverehrten, vorzüglichen Mannes, deszweiundzwanzigsten Generals der Gesellschaft Jesu , desk. Petr. Joh. Beckx (17951887). Geboren zu Sichem inBrabant, trat er 1819 in die Gesellschaft Jesu und wirktespäter 33 Jahre lang als Leiter und Vater dieses dieganze Erde umspannenden, vorzüglichsten aller religiösenOrden. Wer sich die religiös-wissenschaftliche Heranbild-ung eines Jesuiten in beliebter Weise als einen barbar-ischen, geistkuechtenden Drill, der aller Schrecken Inbegriffist, vorstellt, der dürfte aus der Lektüre dieses Buches,das uns überaus erquickt hat, eine heilsame Enttäuschungerfahren. Durch einen 18 jährigen Aufenthalt in Wien und dadurch, daß sich deutsche Blätter zur Zeit der Jesu-itenverfolgung viel und gehässig mit dem eifrigen ?. Beckxbeschäftigten, ist er auch bei uns viel bekannt geworden;darum wird die interessant geschriebene Biographie ohneZweifel auch in Deutschland und Oesterreich viele Freundefinden.

* Auf das Philosophische Jahrbuch, welchesauf Veranlassung und mit Unterstützung der Görres-gesellschast vr. Sonst. Gutberlet in Fulda herausgibt,möchten wir unsere Leser auch in diesem Jahre aufmerk-sam machen. Diese Zeitschrift empfiehlt sich ebensosehrdurch die Gediegenheit ihrer Abhandlungen und dieMannigfaltigkeit ihrer oft sehr eingehenden Referate undRecensionen, wie durch ihre umfassende Zeitschristenschau.Das uns eben vorliegende 1. Heft des 10. Jahrgangesenthält u. A. Aufsätze von E. Rolfes betr.die kontro-verse über die Möglichkeit einer anfangslosen Schöpfung",von I. Sträubüber die Gewißheit und Evidenz derGottesbeweise" und den Schluß der Abhandlungen vonM. Kohlhoferzur Kontroverse über bewußte und un-bewußte psychische Akte". Möge diese wichtige Zeitschriftwenigstens in die Leseeirkel noch mehr als bisher Auf-nahme finden!

Werantw. Redacteur: Ad, Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.