Ausgabe 
(10.3.1897) 13
 
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fr eimaurerische Embleme und verherrlicht die Weisenaller Zeiten, Christus mitinbegriffen. Es ist ja bekannt,daß König Maximilian als Kronprinz während seinerStudienzeit in Göttingen sich mit dem Gedanken trug,aus der katholischen Kirche auszutreten undProtestant zu werden. Professor Dahlmann warnte ihn!

Harlest nahm sich einmal den Muth und warnte denKönig vor der Freimaurerei. Da kam er aber schön an.Härtest selbst berichtet darüber also:Was ich Lummoüber seine Bureaukratie und die Geheim-bündlcrei, in Lnc-oie Frei maurer ei gesagt, glaubter mir nicht. Sie haben ihn freilich in nächsterNähe umgarnt. Auch wird der Werth jeder offenenAussage damit ruinirt» daß man darüber wieder anderefragt, welche Grund genug haben, die Wahrhaftigkeit zubeftrcitcn. Danke Gott , daß Du nicht hier bist. Esist eine schweinische Pest-Atmosphäre, reich an Gewitter-stoff, der seiner Zeit schwerlich befruchtend explodirenwird ..."

Ueber seinen Freund, den Cultnsministcr Zwehl,und. über Löhcr urtheilt Harleß in einem Briefe vom

19. Februar 1858:

. Zwehl kann Dich über die hiesigen Vor-kommnisse freilich, nicht vollständig oricntiren. Theilskennt er sich auf unserem Boden nicht aus, theils kennter seine eigene Stellung nicht. Er weist schwerlich, daßihm bereits ein besonderer Spitzel zu seiner Bewachunggestellt ist. Was ihm fehlt, ist der Muth wahrer Energie.Aber möchte ein ehrlicher Mann sonst so sein, wie erwolle, bei diesem System argwöhnischer Spionage kommtKeiner auf. Man kann ja die unsichtbaren Sykophantennicht vackcn. Die Folge ist eine allgemeine Demorali-sation oder Despcration. Daß Zwehl in Bezug aufSybel nicht bedenklich ist, nimmt mich Wunder.Was meine Meinung über Löhcr betrifft, so halte ichihn für eine gute ehrliche Seele. Eine Widerstandskraftist er nicht. Aber, wie gesagt, ich wüßte auch gar nicht,wo eine solche bei der hier herrschenden Corruption her-kommen sollte.. Sie müßte nebenbei viel macchiavellist-ische Kunst besitzen..."

Sehr interessant ist folgende Schilderung vom

20. April 1856 über dieNordlichter":

. . . Der große Haufe sogenannter Notabili-tät e n hier ist in meinen Augen Janhagel, dem ichweder Verkehr noch Aeußerungen zu Theil werden lasse.Da sie sich darüber ärgern, geschieht es auch manchmal,daß sie Aeußerungen -erfinden. Die lügenhafte Frauv. S. z. B. erfindet oder colportirt Dergleichen um solieber, da seit Jahren meine Frau allen Verkehr mit ihrabgebrochen hat. Aber gegen Zwehl (Cnltnsminister) undWagner (Professor der Zoologie st 1861) habe ich michgeäußert. Und zwar mein aufrichtiges Bedauern, wennDu hierher kommen solltest, obwohl Zwehl mir sagte, erwisse nichts über Absichten dieser Art. Die Gründe sinddieselben, welche Du in Deinem Briefe nennst. Es isthier Alles so niederträchtig verfilzt, daß nur eine Kriselösen kann, bei welcher voraussichtlich die in bester Ge-sinnung Bethciligten am meisten leiden werden."

Wie man sieht, kämen bei Harleß die Frauen derNordlichter " um kein Haar besser weg, als die Pro-fessoren selbst. Sie waren ihmJanhagel". ProfessorLöher wollte für König Ludwig II. eine Insel ent-decken und hatte Reisen unternommen, um ein absolutesKönigreich ausfindig zu machen, das man unter Um-ständen gegen Bayern austauschen könne. Es hat Löher

schon in viel früherer Zeit Anlaß zu verschiedenen Pro-jekten gegeben. Harleß schreibt am 4. Mai 1854:. . . Was Löher betrifft, so will ich Facta nennen.Die Quelle ist ganz sicher. Nur dafür will ich nichteinstehen, daß Löher der einzige Autor der zwei nachherauszuführenden Vorschläge ist. Der König hatte einesehr bedeutende Summe zur Durchführunggenialer"wissenschaftlicher Forschungen in Aussicht gestellt. Rubrik:Projektenmacherei und wissenschaftförderndeKlystir spritze. Löher in Verbindung mit dem Sym-posium sollte Vorschläge machen. Die seinigcn, wurdemir erzählt, fielen so aus, daß selbst Liebig mit derScheere kam. Genannt wurden mir zwei: Ernennungeiner Commission, Reisezeit drei Jahre, fabel-hafte Summe, Zweck: Erforschung der Wiegedes Menschengeschlechts, nämlich Tibet. Oderznr Erweckung norddeutscher Sympathien":Fertigung eines Wörterbuchs der plattdeutschen Sprachedabier in Btünchen. (Als ob Kosegartcn nicht existire.)Das sind die Facta. ..."

Alle jene Bayern , welche von den Nordlichtern ge-fürchtet wurden, wurden verleumdet, ihre Schwächen aus-gekundschaftet. Harleß selbst und der Minister v. Zwehlwurden der Spionage unterworfen.

Am 11. Februar 1858 schreibt Harleß:

. . . Der Ansgang der Gencraisynoden hat meineStellung hier um gar nichts gebessert. Jn's Angesichtsagt man mir alles mögliche Schmeichelhafte, aber eigent-lich gelte ich erst jetzt für ein antänt varridla. Manhat eine Art Spitzel-Regime errichtet, von dem ich leiderweist, obwohl ich es nicht wissen soll. Denn au Schwatz-haftigkcit übertrifft unsere Hauptstadt jeden Krähwinkel.Ich wäre schon längst losgebrochen, müßte ich nicht hiemitso und so viel Vertrauensmänner compromittiren."

Ueber eine protestantische Conferenz u»Neichenbach berichtet Harleß am 24. Mai 1854:Stahl konnte über Neichenbach nichts sagen, ohneins Blaue zu reden. ... Klirsoth war es, welcherdie Landeskirchen vor den Gefahren der sie stützendenTerritorialgewalt warnte, und Huschte, welcher widerMißachtung der lutherischen Landeskirchen und unbe-rechtigten Bruch mit ihnen sich anssprach. Kurz: Eswaren schöne Tage, in welchen manche Hoffnung neuauflebte, an welchen der bankerotte, theologische Diplomatund diplomatische Theologe Bunsen sich schwer geärgerthätte. Was würde er erst sagen, wenn er wüßte, das;mein geistreicher katholischer Pflegesohu erklärte, er wollelieber in unserer lutherischen Kirche betteln gehen» alsdurch Vermittlung königlicher Huld eine Versorgung inder unirteu preußischen Kirche annehmen? Denn da, inder lutherischen Kirche, fühle und erkenne er die Stim-mung der alten, echten Karholicität.

Was die deutsche lutherische Kirche betrifft, so muß ichfreilich empfinden, das; ich mit Sachsen nicht bloß große,persönliche (äußere) Vortheile, sondern auch Verbinduugs-fäden aufgab, die dort sicherer als anderswo Gott inmeine Hände gelegt hatte. Doch zerrissen sind sie nicht.Ich habe nur gelernt, daß Gott zu seinem Werk nichtgerade diesen oder jenen Menschen braucht. Die in Sachseneingeleiteten, unscheinbaren, liturgischen Konferenzen inDresden bestehen noch. Gibt Gott Gedeihen, so werdensie in ihrer weiteren Entwicklung gewissen Leuten mehrzu schaffen machen, als der ganze Pomp des geräusch-vollen evangelischen Kirchentages. Dies aber nur solauge, als Gott uns in der Demuth erhält und uns