Ausgabe 
(10.3.1897) 13
 
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man sie aber in kundigen Kreisen für bloße Worte undbittet mich, nnr noch ein paar Monate zuzuwarten. Ichselbst bin nicht ganz dieser Ansicht. Auch 5zengsten-berg nicht, wie es scheint, obwohl ich nur einen Briefälteren Datums von ihm habe. Von Stahl weiß ichnichts. Ich meine allerdings, daß gegenwärtig derTeufel wieder einmal Gottes Hauskncchts-dienste thun und den Stall fegen muß, be-fürchte aber nebenbei die Geschichte von Göthc's Zauber-lehrling und glaube, das; man sich bald wird nachrettenden Tbatcn" umsehen müssen. Sonst erachteich jedes Wetter, das über dieKirchlichkeit"kommt, für Gewinn. Bei unserm verdammtenDoctrinarismnS, der mit Theorien experimentirt, Dächer,Giebel und Schnörkel ansetzt, während die Grundmauernherzustellen wären, kann nur recht preislicher Druck undrecht greifliches Elend helfen."

Im selben Briefe schrieb Harleß über die sog. cou-scrvativen Theologen, welche die moderne Gesellschaftgegen den Socialismus retten wollen, folgende Sätze,welche auch im katholischen Lager heute vollste Be-achtung verdienen:

Ja, lieber Freuiw, es geht abwärts, nach allenSeiten hin abwärts^ Es wird eine grausige Zeit kom-men, und oft blutet mir beim Blick auf meine Kinderfür sie das Herz. Die Theologen sind des Teufels mitihren rücksichtslosen, widerspruchsvollen Theoremen. Siesind in eine conservative Fortbildnerei hinein-gekommen, die den Destruktoren, ohne es zuwollen, in die Hände arbeitet. In einer Artunkcnschcr Znchtlosigkeit sorgen sie sich weniger um dieSalbe für Gilcad, um den Trost an Kranken- undSterbebetten, als um manumeuta Ibeolo^ion aoropormmiora. Und werden doch nur Knallhüttendaraus."

Wie man sieht, führte Harleß nach allen Richtungenhin eine sehr energische Sprache.

Recensionen nnd Notizen.

Hofs in ann Jak., Die Verehrung und Anbetung desallcrheiligstcu Sakramentes des Altars geschichtlichdargestellt. 8". SS. X -j- 294. Kempten, I. Koset1897. M. 3,00.

s Der Verfasser beschenkt uns mit einem willkom-menen Beitrag zur Geschichte der Liturgie, indem er dieEntwickelung desjenigen Cultus vor Augen führt, dervon jeher den innersten und tiefsten Kernpunkt der Gottes-verehrnng in der katholischen Kirche gebildet hat. Es sollmit diesem Lob dem Verfasser gewiß nicht vorgeworfenwerden, daß er etwa im Grunde zur Einführung neuerAndachten", womit wir ja schon hinreichend versehensind, verführen wolle. Seine Ausgabe war eine rein histor-ische und als solche verdient sie alle Anerkennung. Invier Abschnürn ist behandelt: Der Cultus des aller-heiligsten Sakramentes in den fünf ersten Jahrhundertender Kirche; die Zeugnisse der alten Liturgien in Ver-bindung mit der Ueberlieferung der wichtigsten liturgischenSchriftsteller vom 6. bis 12. Jahrhundert; die Ausge-staltung des eucharistischen Cultus vom 12. Jahrhundertbis zur Reformation; die Anbetung des Sakramentes inder Neuzeit. Daß die Uebertreibungen und oft lächer-lichen Geschmacklosigkeiten moderner Ändachtsformen nichtetwa einer tieferen Erkenntniß und innigeren Gottesliebe,sondern dem Trieb nach Aeußerlichkeit entspringen, wirdjeder ernste Katholik mit Bedauern zugeben. Hier hätteder Verfasser seinem begeistertenRückblick" noch einbitteres KapitelUeber den Geschmack in der Frömmig-keit" anfügen tonnen,

Der sel. ?. Petrus Canisius 8. ck., Apostel undPatron der katholischen Schulen Deutschlands . EinLebensbild zum 300jährigen Centeuarium feinesTodestages von GeorgEvers, früh. lnth. Pastor.8. 64 Seiten. SO Pfg, Osnabrück , Verlag vonB. Wehberg.

Viel zu wenig bekannt ist im Volke das Leben undaußerordentlich segensreiche Wirken des ersten deutschenJesuiten, dem nach dem Ausspruch eines spätern Augs -bnrgcr Bischofs es zu verdanken ist,was an katholischemGlauben in Oesterreich und Bayern noch vorhanden,"und der ein zweiter Apostel Deutschlands geworden ist.Wenn in evangelischen Kreisen jetzt Melanchthon als derLehrer Deutschlands " gefeiert wird, so sollte nnt nochviel mehr Recht dies bezüglich des sel. Canisius von denKatholiken geschehen. Das treffliche Schriftchen bildeteine doppelt willkommene Gabe anläßlich des in diesemJahre wiederkehrenden 300jührigen Todestages und derstattfindenden Wallfahrten zum Grabe des Seligen.

Raymund v. Fugacr,Die moderne Literaturund ihre Gefahren". (Heft 12 der FrankfurterBroschüren. Jahrg. 1896; brosch. einzeln ü SO Pf.)

U. Vorliegende praktische Broschüre ist vom Verfasserauf vielseitigen Wunsch herausgegeben worden, nachdemer über obiges Thema mit größtem Beifall aufgenommeneVortrage in Stuttgart und Mainz gehalten hat. In10 Capiteln unterwirft der verehrte Autor, der unermiid-liche Kämpfer für unsere katholische Sache, die heutigeLiteratur einer sehr sachgemäßen Kritik. Die heutigen Pro-dukte der materialistisch angehauchten Wissenschaft führtuns der Verfasser in lichtvoller Darstellung vor's Auge,indem er sowohl den Zweck, der in solchen Schriften ver-folgt wird, wie auch die Wirkung solcher Erzeugnisse aufden Einzelnen, wie auf das ganze Volk klar legt. Diemoderne Roman- und Novcllen-Literatur, die sogenannteschöne Literatur", die dem Ehebruch, der freien Liebe,dem Selbstmord, dem Zweikampf huldigt, erfährt einescharfe Kritik. In gut gewählten Beispielen zeigt derAutor, daß sie meist Grnndsatzlofigkeit, Gottentfremdungund den reinsten Unglauben predigt. Sehr gut sind dieferneren Ausführungen über die dramatische Literatur,über die Colportage-Romane, über die partei- und farb-lose Presse. Wie gefährlich diese werden kann. beweistdie Thatsache, daß kein Leser auf längere Zeit im Standeist, sich dem Einfluß solcher Literatur, den offenen oderversteckten Angriffen in solchen Blättern ganz zu ver-schließen. Mit beredten Worten fordert der verehrte Ver-fasser zum beständigen Kampf gegen diese Presse auf.Der Katholik unterstütze und fördere seine eigene, gutkatholische Presse, die der anderen nicht im Geringstennachsteht. In Anbetracht des niederen Preises und derguten Ausstattung dieser äußerst spannend geschriebenenBroschüre ist sie zur Anschaffung (in Schul-, Capitels- rc.Bibliotheken, wie auch als wertlwolle Perle für die eigeneBibliothek) wärmstcns zu empfehlen.

Jahrbuch für Philosophie und spekulativeTheologie. Herausgegeben von Dr. ErnstCommer, Professor an der Universität Breslau.XI. Bd. 3. Heft. Paderborn 1397, Schöningh.Inhalt: 1. Kinder in Polizei- und Gcrichtsgefäng-nissen. Von Dr. .jur. Raymund Zastiera, o. IW-. inWien . (Forts, folgt.) II. Zur neuesten philosophischenLiteratur. (Forts.) Von Kanonikus Dr. M. Gloßner inMünchen . III. Die angebliche Maugelbaftigkeit deraristotelischen Gottcslehre. (Schluß.) Von Rector Dr.Eugen Rolfes in Franweilcr. IV Die Neu-Thomisten.(Forts.) Von 0- Llax. 'ptwol. Guudisalv Feldner, O. kriurcl.in Lemberg. V. Zeitschriftenschan.

" Eine ueue Zeitschrift. Mitte März wird dieerste Nummer einer jährlich 12mal erscheinenden popnlär-uatnrwisseufchaftlichen Zeitschrift auf positiv-gläubiger, antidarwiuistischer Grundlage unter dem TitelNatur und Glaube" zur Ausgabe gelangen. Heraus-geber und Verleger ist der kgl. Lycealprofeffor Dsi. I. E.Weiß in Freising . Die erste Nummer dieser Zeitschriftwird in 68000 Eceiuvlareu versandt werden.

N,.au!w. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .