Ausgabe 
(13.3.1897) 14
 
Einzelbild herunterladen

99

von denjenigen der erwachsenen Affen durchaus abweichen".(Naturwissenschaftl. Wochenschrift X, 46.) Martin hattenäherhin behauptet, daß die Schläfenregion, welche hinterdem Jochfortsatze unterhalb der beginnenden Schläfenlinieliegt, beim Menschen und ähnlich beim Javaschädel eineebene, fast senkrecht gerichtete Fläche bilde, beim H 5 I 0 -lmt63 und 'IroZloä^tss aber eine ganz charakteristischeCouvexität zeige, was dann von Virchow bestritten wurde.Demgegenüber weist Martin an einer Zeichnung, dieFrontaldurchschnitte (am Schädel eines Schweizers,Australiers, des Neandertalers und eines Hzckobatoo)durch die von ihm bezeichnete Schädelpartie (direkt hinterdem kroo. 08813 krönt, senkrecht zur deutschenHorizontalebcne) darstellt, deutlich nach, daß die vordereSchläfenpartie beim Il^losiatW ein ganz anderes Reliefzeigt, als beim Menschen, wie er auch früher behauptethatte." Dieses wird zurückgeführt auf den verschiedenenVerlauf der Schläfeulinien, welche beim Javaschädelübrigens nicht ganz erhalten, sondern von Martin re-construirt worden sind.Dabei stellt sich heraus, daßhier der Verlauf der Inntzao tsmxoral 68 von dem amLFIodutss gänzlich abweicht und eher dem am Menschengleicht." (Centralblatt für Anthropologie I, 3.)

(Schluß folgt.)

Reliquien der hl. Birgitt» in Rom.

Uebersetzt aus dem Schwedischen von Georg Binder,Priester der Erzdiöcese München-Freising.

Während der Einsender der nachstehenden Ueber-setzung an derGeschichte der bayerischen Birgittenklöster"arbeitete, welche nun in diesem Jahre in denVerhand-lungen des historischen Vereines für Oberpfalz undRegensburg' ") erschienen ist, fand sich in einigen italien-ischen und deutschen Zeitungen eine Notiz, daß man inder Kirche SanLorenzo in Panisperna in Rom einige Reliquien der hl. Birgitta von Schweden gefunden haben soll.

Diese in der Folge auch in schwedische Zeitungenübergegangene Neuigkeit veranlaßte den Herrn Reichs-antiquar Hildebrand von Stockholm, daß er denschwedischen Gesandten am Quirinal in Rom , Ex-cellenz Baron Carl von Bildt, um Aufschluß überden Vorfall ersuchte. Die Folge war, daß Herr Baronvon Bildt diplomatisch genaue Nachforschungen überdie Reliquien der hl. Birgitt« in Rom anstellte,deren Ergebniß er in einer Monographie niederlegte,welche den Titel trägt: 8 . LirZittas vollsteri Korn".

Die Monographie erschien 1893 in Stockholm inVitztsrlrets Hiotoria 0 . ^utiHultetsllstg-äsmieiig nauirnckedlaä", zugleich aber auchals Separat-Abdruck in der Königl. Buchdruckerei zuStockholm .

Als im Jahre 1894 der bayerische ReichsgrafCarl Theodor von und zu Sandizell, dessenAhne Wolfgang von Sandizell 14871525Bruder im bayerischen Birgittenklöster Alto Münster war, in Rom mit dem schwedischen Gesandten zusammen-traf und von dessen Forschungen erfahren hatte, über-sandte er bald nach seiner Rückkehr nach Bayern demEinsender dieses, von dessen Arbeiten über die hl. Bir-

') Auch als Separat-Abdruck erschienen und zu habenin der I. I. Lentner'schen Buchhandlung (E. Stahl fr.)in München .

gitta und den Birgitten-Orden er Kenntniß Haffe ,die genannte Broschüre und später die Ermächtigung zwVeröffentlichung derselben in Deutschland .

Der Inhalt der Monographie folgt nun in getreuerUebersetzung zugleich mit den Anmerkungen. Wir ent-halten uns jeder Besprechung und fügen nur bei, daßHerr Baron von Bildt die im Eingänge aufgestellteBehauptung, daß die hl. Birgitt« sehr wahrscheinlichim Kloster der Clarissen bet Sän Lorenzo inPanisperna gestorben sei, auf Anregung des Unter-fertigten nunmehr dahin richtig gestellt hat, daß sie nichtim Clarissenkloster, sondern in ihrer Wohnung an derPiazza Faruese gestorben sei, wie aus dem in dervatikanischen Bibliothek befindlichen Urocsoouo 6 a.-irolli^ationia 8 . LirAittas mit Evidenz hervor-gehe. Der Zeuge MagnusPetri, Kaplan der Heiligen,habe in einem Berichte erklärt, daß er beim Tode derhl. Birgitt« gegenwärtig war, welcher stattgefundenhabein äomo apuä Oampuur klare, üb»ipsa. Dort, am Blumenmarkte (Ouvapo

cli kiori) ander Piazza Farnese ist heute noch dieDamno 8 . LirZittas" nebst der Kirche 8 . Lri-giäs, mit vielen Erinnerungen an die Heilige.

* *

Birgitt«'s älteste Biographen haben nicht be-richtet, in welchem Hause in Rom sie starb, und dieAngaben darüber sind deßhalb strittig. Die eine derzwei Bullen, welche Papst Bonifaz IX. am 9. Oktober1391 aus Anlaß ihrer Canonisation ausfertigte, und inwelcher er gewisse Ablässe für diejenigen festsetzte, welchean den Festtagen der Heiligen die Kirche Sän Lorenzoin Panisperna besuchen, sagt nämlich, daß sie starbin dem bei dieser Kirche gelegenen Clarissenkloster. Da-mit stimmt auch die im Kloster bewahrte und bis aufden heutigen Tag fortlaufende Tradition Lberein.

Aber anderseits beweisen die Inschriften in demHause an der Piazza Farnese , welches 1383 voneiner römischen Dame, Francesca Papazuri, demKloster Wadstena geschenkt-wurde, und wo später dasHospital der hl. Birgit'.ta eingerichtet wurde, daß siedort starb. Auch hierüber findet sich eine Tradition, undder Raum, wo sie starb, wird immerfort den Besucherngezeigt. Ebenso kommt in den von der Aebtissin vonWadstena für das Hospital gegebenenConstitutionen"die Meinung zum Ausdruck, die sich hierauf bezieht.

Noch andere Beweise können für beide Ansichtenangeführt werden, aber mir scheint es auf Grund der päpst-lichen Bulle wahrscheinlich, daß sie im Clarissenklosterstarb?) Eiuestheils ist dasselbe zur Zeit das älteste,anderntheils stimmt dies mit anderen Umständen übereilt,für welche innerhalb der Grenzen dieses Aufsatzes keineRechenschaft gegeben werden kann.

Sicher ist indeß, daß Birgitt« den 23. Juli 1373starb, und daß ihr Leib nach ihrer eigenen Anordnungdie folgende Nacht zur Panisperna-Kirche gebrachtwurde, sei es nun, daß dies geschah von dem Hause ander Piazza Farnese aus oder von dem nahegelegenenKloster, sowie daß ihr Leib die folgenden Tage untergroßem Zulauf des Volkes feierlich ausgestellt wurde.Wunder konnten bei einer solchen Gelegenheit nicht fehlen,

I Eme bestimmte Ansicht wage ich nicht auszu-sprechen bevor ich Gelegenheit habe. die in der k. Biblio-thek aufbewahrte HandschriftUroosssus 6 anoin 2 g>tioiusLrixickas cks Lnseia" einzusehen, welche vielleichtdie Losung der Frage geben kann.