Ausgabe 
(13.3.1897) 14
 
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winden. Schwieriger gestaltete sich die Feststellung desTodesjahres, als welches, wohl mit Recht, 689 angenom-men wird. Die von einigen mittelalterlichen Schriftstellernvermuthete Mitschuld Gozberts an dem Martyrium Kilianswird als grundlose Conjcctur nachgewiesen. Im Uebrigenwird das Dunkel, welches über der Person des Herzogsund seiner Nachkommen schwebt, nicht leicht gelichtetwerden, es müßte denn sein, daß neue Urkunden aufge-funden würden. Emmerichs Schrift ist ein werthvollerBeitrag zur Geschichte Frankens und ist in Folge dessennicht bloß für die Diöcese Würzburg, sondern auch fürdie bayerische Geschichtsforschung von hohem Interesse.

-r.Kurze Geschichte des -Ordens von derHeimsuchung Mariens genannt Salesianer -innen in Bayern , von seiner ersten Niederlassungin München bis Heute", betitelt sich eine reich illustrirte,bei Pustet in Regensburg gedruckte Jubiläumsgabe,welche ein ehemaliger Zögling der allgeliebtenboimsmdro", Maria Salesia Hammel, Oberin in Zangberg, zuihrem SOjährigen Profeßjubiläum darbietet. Dem reizendausgestatteten und fließend geschriebenen Büchlein, daswir allen ehemaligen Zöglingen der bayer. Salesianerinnen- klöster wärmstens empfehlen, entnehmen wir Folgendes:Der vom hl. Franz von Sales anno 1610 in Ännecy ge-gründete Orden ließ sich im Jahre 1667 in München nieder (erste Niederlassung in Deutschland) und bewohntedort zuletzt das jetzige Damenstift Amberg und Sulz-bach, später säkularisirt, wurden von München aus ge-gründet. 1783 mußten die Schwestern ihr liebgewonnenesund so segensreich wirkendes Kloster in München ver-lassen und rnit Jndcrsdorf vertauschen. Daß sie hier inJiwersdorf trotz aller Schwierigkeiten des Bleibens hatten,verdankten sie hauptsächlich dem thatkräftigen Eintretender - Kurfürstin Karoline. Im Jahre 1831 siedelten dieSchwestern '.nach Dietramszell über^ wo im Jahre 1837 diehochbetagte Oberin, Gräfin von Spreti, starb, die schonin Jndersdorf die Seele der ganzen Klostergemeinde war.Von hier aus wurde im Jahre 1838 Pielenhofen ( früherein Beruhardinerkloster) und anno 1845 Beuerberg ( ehe-maliges Augustinerkloster) gegründet. Von Beuerberg aus entstanden Niederlassungen in Thurnfeld (1859), inMoselweis (1863), ja sogar in Luxemburg und Böhmen. Pielenhofen sendete Schwestern 1857 nach Westphalen.Im Jahre 1862 endlich wurde das gegenwärtig weitLberdie Grenzen Bayerns bekannte Kloster Zangberä gegründet.Das herrliche, auf luftiger Höhe liegende Schloß, welchesdas ganze Schlachtfeld von Ampfing beherrscht, ursprüng-lich sehr ruinös, wurde allmälig in besseren Zustand ver-setzt, mit Anbauten, auch mit einer eigenen, schönen Kircheversehen, mit Gärten und Parkanlagen geichmückt, so daßes nach Wjährigem Bestand nicht blos zu den schönst ge-legenen, sondern auch zu den blühendsten Mädchen-Insti-tuten Bayerns, ja Süddeutschlands, gehörte; zu letzteremtrug nicht wenig bei der einheitliche Geist, der diesesKloster seit seinem Bestehen beherrscht; Zangberg kenntbis heute nur eine bouvo wero, nur eine msro äöposss.Mögen diese beiden Damen noch recht lange wirken zurEhre Gottes, zum Nutzen unserer weiblichen Jugend!

Leo Taxils Palladismus-Roman. Unterdieseni Titel ist soeben im Verlag der Germania (Berlin )der erste Theil eines Werkes von Hildebrand Gerber(?. H. Gruber 8. ll.) erschienen, in welchem der Verfasseres unternimmt, den Schwindel der ganzen CompagnieDr. Bataille, Leo Taxil , Diana Vaughan, Margiotta usw.klarznlegen und in seinen Einzelheiten zusammenfassendzu verfolgen. Der erste (erschienene) Theil (180 S.) enthältdas Vorwort, die orientirenden Vorbemerkungen, dieCharakteristik Dr. Batailles, des Werkes I-s äiabls auXIX siäols und dessen Fortsetzung, der Rsvus msllSllsIIö.Der zweite Theil wird Domenico Margiotta und seineEnthüllungen" in den Werken Xclriano I-smirn und I-skallaäiswe, der d ritte TheilMiß Diana Vaughan"und ihreEnthüllungen" imkallackium", in den ,,M-moiros ck'nno üx-l's.UguIists" und inI-s 38: Orispl" be-handeln. Jetzt, nach der glücklichen Entlarvung desSchwindels, und da die antifreimaurerische Bewegung in ,Folge des Trienter Congresses in eine neue Phase einzu- i

treten im Begriffe steht, ist der richtige Zeitpunkt ge-kommen, die ganze Angelegenheit in allen einschlägigenPunkten gründlich und actenmäßig aufzuklären.Dies geschieht in dem angekündigten neuen Werke. Hilde-brand Gerber (H. Grnber 8. ,1.) war zur Lösung dieserAufgabe besonders berufen. Hatte er doch den Feldzugder katholischen Presse, welcher nun mit der völligen Ent-larvung der Schwindler geendet hat, (durch die Artikelvoni 15. und 25. August der Köln . Volkszeitung und vom22. August der Germania ) eröffnet. Soweit aus Publi-cationen oder sonstigen öffentlichen Kundgebungen, auchvon freimaurerischer Seite, bekannt geworden ist, dürfte sichunter den auf demselben Gebiete schriftstellerisch thätigenKatholiken und selbst Nicht-Katholiken Niemand finden,der ihm an Kenntniß der einschlägigen Literatur, nament-lich auch der freimaurerischen, und an Sicherheit des Ur-theils über die einschlägigen Thatsachen gleichkäme. (Preisdes ersten Theiles: M. 1,60.)

I^vu^s kisrrs, ^pbroäits: Llosurs aatiguss. All.illustres par D. Oalbst, 12° pp. 392. Uaris, Bors!,1896.-. 3,80.

^ In letzterer Zeit hat kein anderes Buch in Frank-reich einen so reißenden Absatz gefunden: in wenigenWochen waren 70,000 Exemplare in 50 Austagen der ge-wöhnlichen Ausgabe verkauft; jetzt erschien der Romanauch in der OoUsotion Läouarä OuillsamsXxwpbös"mit Bildern: eine ungarische Uebersetzung von Göza Rüzsa(Pest, Sachs u. Pollak. st. 1,50), sowie eme deutsche (Pest,Grimm, st. 2,50) haben soeben die Presse verlassen. Warumverzeichnen wir diese Thatsachen? Nicht, weil das Bucheinen Werth hätte, sondern nur, um zu beweisen, daß dieGröße des Erfolges immer von der Größe der Schweinereiabhängt, in der die Literaten des modernen Frankreich mit einander wetteifern. Das Geschreibe des neuestenSchlammwälzers aus der Heerde Epikurs ist das zünftigsteBordell-Opus, das unter dem Vorwand, denCult dernackten Schönheit" im Gegensatz zum prüden Christen-thum wieder mehr zu Ehren zu bringen, einfach die vollstesinnliche Ungebundenheit in der schamlosesten Weise predigt.Wenn es so fort geht, wird Zola bald zu den anständig-sten Schriftstellern gehören. Daß die Bilder der illnstrirtenAusgabe, die jetzt an allen Schaufenstern Münchens prangt(und allerdings, was Schönheit des Druckes und der Aus-stattung anlangt, höchste Eleganz zeigt, und eines besserenInhaltes würdig wäre), an Unfläthigkeit dem Texte innichts nachstehen, ist klar. Die Sittenpolizei, die oft vielharmlosere Dinge aufgreift, dürfte sich doch fragen, obderartige literarische Novitäten nicht schon zurPorno-graphie" gehören: wir wüßten nicht, wie man an Un-zweidentigkeit noch mehr leisten könnte. Doch genug da-von! Nur eines noch: das ist die Literatur, die unseregebildete Welt" verschlingt und mit der sich die Verfassermühelos den Geldsack füllen, während der wahre Lieb-ling ernster Muse oft genug sich die Füße »lach einemVerleger vergeblich wund läuft und verhungert.

Die katholischen Missionen. Illustrirte Monat-schrift. Jahrgang 1897. 12 Nummern. Mk. 4,.Freiburg i. Br. Herder'sche Verlagshandlnng.Inhalt von Nr. 3: Die Missionen derWeißenVäter" in Deutsch-Ost-Afrika. Tinos, die Perle derCykladen. Die Krisis im Maschonaland. Nach-richten aus den Missionen: Asiatische Türkei (Lagein Armenien); Japan (Statistik): China (Fortschritte mder Ost-Mongolei); Philippinen (Mission auf Mindanao );Acgypten (Neue koptische Diöcese): Abessinien (DerFriede);West-Äfrika (Kamerun ): Siio-Amerika (Süd-Patagonien);Oceanien (Neu-Pommern ); Aus verschiedenen Missionen. Beilage für die Jugend: Sidya, der treue Sohn.(Forts.) Diese Nummer enthält 9 Illustrationenund eine Kartenskizze.

Berichtigung.

In dem ArtikelStilla von Abenberg " ist inBeilage Nr. 12 stattAgnes Ceslinger" zu lesenAgnesAislinger".

Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .