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kkärlkch; dagegen ist ihre Behauptung, daß in demselbendie ersehnte Uebergaugsform faktisch gefunden sei, alsunbegründet und unwissenschaftlich zurückzuweisen, wie sichaus dem Obigen klar ergibt. Ob in der „üfttiioorrntstroxug ersetmo"-Frage überhaupt je ein definitivesUrtheil, das absolut über jeden Zweifel erhaben ist, ge-fällt werden kann, läßt sich mit Sicherheit nicht voraus-sehen. Vielleicht kommen auf Java noch mehrere zuge-hörige Mundstücke zu Tage.
Werden die in Frage stehenden Skclettreste alsmenschliche aufgefaßt, so besteht allerdings die Schwierig-keit, daß wir es in diesem Falle vielleicht mit einemtertiären Menschen zu thun hätten, dessen Existenz zwarschon vielfach behauptet wurde, sich aber nie beweisenließ. Allein erstens ist es nach Jäckel noch »verwiesen,ob der Fund dem jüngsten Tertiär oder dem ältestenQnartär angehört. Dann steht auch die Frage nochoffen, ob wohl auf Java, also circa 7—8" vorn Acgnatorentfernt in maritimem Klima, die Eiszeit ganz zur gleichen.Zeit wie auf den nördlich gelegenen Continenten ein-gesetzt hat oder ob nicht der dortige Ausgang des Tertiärzeitlich zusammenfällt mit unserer ersten Epoche der Eis-zeit resp. ob sich die tertiäre Fauna dort unter, günstigerenBedingungen nicht länger erhalten hat. Im übrigen istes kein Dogma, daß es einen tertiären Menschen unterallen Umständen nicht geben dürfe, wiewohl man in dieserBeziehung nach bisherigen Erfahrungen nicht vorsichtiggenug sein kann.
Sei dem allem, wie ihm wolle, eines rathen wirden verehrten Lesern der Pestzeitnng an. Lasse sichjeder noch zur rechten Zeit eine auf Erz eingcgrabenefachmännische und notariell beglaubigte Beurkundungdarüber ausstellen, daß er wirklich und ohne Zweifel einwirklicher und normaler Mensch ist und keine Uebergangs-form zum Geschlechte der Affen, darstellt. Lasse er sichdiese Urkunde dann mit ins Grab geben, sonst könnte esihm in einigen Jahrhunderten oder Jahrtausenden, wenneinmal ein glücklicher Forscher seine alten Knochen ans-gräbt, leicht passiren, daß er ebenso despektirlich behandeltwird, wie das „betrübte Beingcriist von schon so manchemalten Sünder" und wie neuesten? der kitstacoiikl'ri'pn«ereotiw selig — denn vor dem Fortschritte der Wissen-schaft ist heutzutage nichts mehr sicher.
Socialistische Theorien des Alierthnmö.
(Schlich-.)
tk. Platon habe, so meint Aristoteles , mit stimmVorschlage offenbar die größtmögliche Einheit des Stau un-beabsichtigt. Wäre dieser Wunsch bcrcchr.'gt, so nw.Veman, immer weitergeb..nd, den Staat tu eine Familieund schließlich die Familie in einen Einzelnen m r.. m: u in.Aber dann sei kein Staat mehr da. Auch sei dabeivorausgesetzt, daß alle Tbeile des Sl. ates von mein erArt seien. Alle zugleich tonnten nicht herrschen; ein ab-wechselndes Herrschen aber müßte nach Plmons eigenenGrundsätzen, die nicht wollten, daß Schuster und Zimmer-mann sich etwa gegenseitig in ihren Verrichtungen ab-lösten, schlechter sein, als die ständige Herrschaft einesEinzigen. Der Staat müsse gerade auf die Vielheit,auf die Menge eingerichtet sein.
Platon habe als Ideal der Einbeit bezeichnet, daßalle Bürger zusammen dieselben Objekte „mein" und„nicht-mein" nennen könnten. Bei Weiber-, Kinder- undGütergemeinschaft dürfe aber niemals ein Einzelner sagen:
„Das ist mein Kind, mein Weib, mein Eigenthum,"sondern nur alle vereint dürften sagen: „Dassind unsre Frauen, unsre Kinder, das ist unserEigenthum".
Sehr fein ist folgende Bemerkung des Aristoteles:Je mehr eine Sache vielen gemeinsam gehörte, destoweniger werde für dieselbe gesorgt. Jeder denke, einanderer kümmere sich darum, gerade wie auch im Haus-wesen eine zahlreiche Dienerschaft ihren Dienst oftschlechter versehe, als eine solche, die aus weniger Köpfenbestünde. Bei der Kindergemeinschaft bekomme zwarjeder Bürger an die tausend Söhne; diese gehören jedochzu gleicher Zeit allen andern Bürgern, so daß der Ein-zelne bei etwa 500 Bürgern nur den öOOsten Theil desInteresses für die Kinder haben würde, welches er sonstfür seine ihm allein eignenden Kinder aufwenden würde.Es sei fürwahr besser der natürliche Vetter zu jemandzu sein, als so ein Allerweltssohn.
Ferner werde es trotz dem, was Platon dagegenvorschreibt, nicht zu vermeiden sein, daß manche Personendoch ihre wirklichen Brüder, Väter, Mütter und Kinderin Folge der Aehnlichkeit errathen. . Daher bestünde. —hier verwerthet Aristoteles seine Vorstudien — bei einigenVölkern Nordafrikas thatsächlich Wcibergemeinschaft, aberdie Kinder würden nach der Aehnlichkeit unter die Bäte»-vertheilt.
Und wenn sich Eltern und Kinder nicht erkennen,so würden Äißhandlnngcn, Todtschlag, Schimpfredenzwischen natürlichen Eltern und Kindern nicht leicht zuvermeiden sein, und dies sei unter allen Umständen ver-werflicher, als wenn solches unter Leuten vorkäme, diesich ferner stünden.
Die allgemeine Liebe und Zunngnng, welche durchdie Kindergemeinschaft erreicht werden solle, werde nichterzielt. Wenig Süßigkeit würde in viel Wasser gemischtwerden, so daß man das Tröpfchen Liebe für alleKinder nicht heransschmccke. Außer durch Dinge, welcheman sein Eigen nenne, werde Sorgfalt und Liebe auchnoch durch Dinge geweckt, auf die sich die Sehnsuchtrichten könne. Anf Rcichskinder ober verwende manj keine Sehnsucht. Und da das Gleiche von der Francn-t gcmeinschaft gelte, würde durch beide Einrichtungen nur! das erreicht werden, daß die gegenseitige Liebe unter den^ Menschen kälter werde.
! Von der Gütergemeinschaft im besondern lasse sichs stcstn: Wenn alle StaaGEmger für sich arbeiten müssen,' w-'r-sen die Besstverhaltuisse schwierig. Denn nickn alles g.. iest.ai, nicick alle arbeiten gleich viel; das führe zuj Uuzustieden'-eit bei denen, welche weniger genießen undi mepr arbeiten. Wieviel Unanncbmlichkeiten die Gemein-schaftlichstit im Gefolge habe, könne man bei Reisegesell-schaften sehen, die sich über Kleinigkeiten und gewöhnlicheDinge am ersten in die Haare gerathen. Die Diener,welche in der Regel um uns seien, ärgerten uns mehrals andere, mit welchen wir seltener zu thun haben.
Der Genuß einer Sache werde durch den Eigen-bcsitz derselben erhöht. Denn die Selbstliebe sei natürlich,unnatürlich nur die Selbstsucht, die sich selbst über Gebührliebe. Ein hoher Reiz liege auch darin, mit seinemEigenthnme den Verwandten» Freunden und Bekanntensich gefällig erweisen zu können; das falle beim Com-munismus weg.
Ebenso seien zwei Tugenden bei Frauen- und Güter-gemeinschaft nicht weiter möglich, die Enthaltsamkeit und