Ausgabe 
(19.3.1897) 16
 
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Gattin Marianne benannte. Ihm folgte in der Regierungder Statthalter PilatuS und konnte also dort wohnen.

Mein es war dabei der große Mißstand, daß derOrt zu weit vom Tempel entfernt war, wo immer derHerd der Auflehnung gegen die römische Herrschaftglimmte. Der Landpfleger Sabinus wurde darin be-lagert, der letzte, Festus, mußte von dort flüchten, eswurde ihm aber der Weg verlegt, weil die Judenfürchteten, er möchte sich der Antonia, des Schlüssels zumTempel, bemächtigen: ein deutlicher Beweis, wie unsicherder Vergnügnngspalast trotz der nahen Thürme war undder Schwerpunkt in der Antonia lag. Daß Pilatusdieses übersehen hätte, ist nirgends bezeugt, sondern Philo,welcher eine Gesandtschaft seiner Glaubensgenossen nachNom führte, sonst aber in dem fernen Alexandria lebte,erzählt nur in seiner Apologie, daß derselbe an demPalaste des Herodes, dem Hause der Statthalter, dieKaiserbilder aushängen ließ und deßwegen bei Tibcriusverklagt wurde. Es ist höchst unwahrscheinlich, daß Pi-latus die Juden in der eigenen Wohnung sollte sich aufden Hals gehetzt haben, ist auch gar nicht gesagt.

Der Ort ist im Allgemeinen als Haus der Statt-halter, jedoch nicht als seine Wohnung bezeichnet, weil ereben in dem östlichen wohnte. Später wollten die Römerdie Bildsäule des Kaisers Caligüla im Tempel aufstellen,wo gewiß kein Landpfleger wohnte. Jener Palast istlängst spurlos verschwunden, ohne daß sich daran eineTradition geknüpft hätte.

Wohl aber heftete sich eine solche an ein Gebäude,das ungefähr einen halben Kilometer weiter oben undseit der Zerstörung Jerusalems außerhalb der Stadtmauerliegt, jetzt das armenische Kloster. Es ist dieses dasHaus des Hohenpriesters Kaiphas. Dort war unweitder Mauer eine Kirche erbaut worden, welche der hl.Hieronymus (Reise der hl. Paula) Erlöserkirche» Theo-dosius (530), Breviariüs (540) und ein JnnominatusPeterskirche (verschieden vomHahnschrei") nennen. Nach-dem sie von den Persern (615) zerstört worden, wurdesie von den Christen wieder errichtet, doch in einemkleineren Umfange und näher der großen Sionskirche.Johannes v. W., Epiphanias und ein Ungenannter(Lnarrabio locvrum) im 12. Jahrhundert nennen siejetzt Ditkoobrotrw; Theodorich v. W. ebenso und zu-gleich Erlöserkirche, welcher Name dann wieder gewöhnlichwurde (so M. Saundo 1310, Ludolf von Sudheim 1341,Zwinncr 1561). Durch alle Jahrhunderte zeigte mandort den Kerker, in dem der Herr in der Nacht gefangengesessen, sowie den Ort, wo Petrus ihn vcrläugnete,vielfach auch die Säule, an der Christus geschlagenworden (Epiphanius, Theodorich, Bousquet, Saundo).Bei Kaiphas wurde nach den evangelischen BerichtenChristus zuerst verhört und des Todes schuldig erklärt.Der Hohe Rath besaß ja eine große Gerichtsbarkeit, undnur die Vollstreckung eines Todesurtheils war ihm ent-zogen, wiewohl er mitunter auch über diese Schranke sichhinwegsetzte, wie wir es an der Hinrichtung des hl.Stephanus und Jakobus d. I. ersehen. Das Haus desHohenpriesters wurde durch Zusammenberufung des Syn-cdrinms daher zu einem Richthaus, xraaboriuru, undwird auch so genannt (z. B. bei Innominabuo; 1,63k6l6rinag68 (1231), 1,68 6b6miu68 6t k6l6rlUUA6g(1265), ?6l6rinaF68 6b kardouim (1280). Das eigent-liche AmthanS im Umfange des Tempclbezirkes war zurNachtzeit mit diesem geschlossen und deßhalb nicht zu-gänglich. Es ist demnach sehr erklärlich, daß später auf

das Haus des Kaiphas auch das übertragen wurde, wasin dein des Pilatus geschehen war. Theodorich vonWiirzburg sah dort einen Stein mit der Inschrift: IstsIocu8 vocabur litflosbrotus 6b bio Dominno tuibsuäioatrw, offenbar den nämlichen, der früher in derAntonia war. Das Verhör und das Urtheil war daund dort, und selbst die Geißelung konnte um so leichterauch dem Hause des Kaiphas zugeschrieben werden, alsdieser mit dem Herrn höchst feindselig verfuhr und soseinen Bütteln ein schlimmes Beispiel gab, wie Pilatusden Soldaten.Sie fingen an, ihn anzuspeien und mitFäusten zu schlagen." (Mark. 14, 65.) Da ist kaumzu zweifeln, daß sie es in dem nächtlichen Kerker bisAnbruch des Tages noch ärger getrieben und auchGeißeln zur Hand genommen haben.

Die Verwechslung der zwei Gerichtshänser geschahaber erst im 12 . Jahrhundert und dauerte nicht 100Jahre. Ein Ungenannter (beiläufig 1145 ) unterschiednoch die zwei praoboria, doch schon beide auf dem Sion:DU morickioin 6sb mono 8ioa, ubi 6aol6»ia toriuo8g,8. Nariaa. D oimstro Irrbors illiuo 68b oaxstla, ubituib xraatorium 6b Obri 8 tU 3 suäieabuo. . . . Lxbra6Lol68ig.ni 68b parva occlesig., ubi xraotorinm tuib,in huo Dorninua üaZellabrw, spinia oorona.tu8 atgu61 Uu 8 U 8 6b bin tuib ckonnw Ogixbg.6. Johannes vonWiirzburg ( 1147 ) kennt nur mehr eines: Dominuo ra-äuotu8 68b g.ä montoiu 8iou, ubi buno erab xrg.6-borium kiiabi, uuneuxabuiu Dibbo8brobu8. 08b6uciituraub6M bockio Ioou8, ubi xruotoriuiu 6b burrm Davidtuorab. lu oockmu praotorio keinem bor uogavit.Diibs praatoriuiu iu looo Huoüam tig.Z6lIa.bu8, 8pin6g,ooroua punZibur; 6unä6in locuia ctssiZuab oapollao.ut6 inasorom ecaiemam 8ivu (Oap. IX). EugesippusFratellus, Archidiakon von Antiochia ( 1150 ): Obrmruiuäuaunb in 8ion ack kilabi praeborium, ubi 6b kotrrmbor 6um nogavib, 6t 1uZi6N8 in cav6rnriiu, Zug.6inoäo Zalli oanbu8 appsliabur vuIZ.aritsigus Oalilaoa.Llonbs 8ion flssuin oxprobriio atkliotuw, vorboribug68.68UIN, cabonig b6nbuiu kilabi su88u in DoiZobba.N6vi äacknrunb. Hiemit stimmen Epiphanius ( 1170 ),Theodorich von Würzbnrg ( 1172 ), Phokas ( 1185 ) undeine Anzahl Ungenannter fast wörtlich überein?) Darauserhellt auch, daß Epiphanius nicht in eine frühere Zeitgehört, wo auch die Gebäulichkeiten andere waren.Theodorich hat noch das Besondere, daß er das Hansdes Pilatus eigens auf dem Wege zum Ostthore er-wähnt. Eine Mittelstellung nehmen der angelsächsischePriester Säwulf gleich zu Anfang der fränkischen Er-oberung ( 1202 1203 ) und ein griechischer Ungenannterein. Ersterer nennt auf Sion die Abendmahls- undHahnschrei-Kirche, schweigt aber bedeutsam von einemRichthaus. Ebenso schweigt der Grieche, obschon er denKerker Christi und anderes nennt (^uioö rhv «7-avöoi!, ßreo« cguXll/.'g ro5 Xpwrob, «oroo PLN',2^«-roö Xpanoo, v 1:00 npLosiüroo Li.uLwv x«i. ivü

Reliquien der hl. Birgitt« in Rom.

Ueberscht aus dem Schwedischen von Georg Binder,Priester der Erzdiöcese München-Freising(Schluß.)

Des Altares Ausstattung sowohl wie alle Ver-schönerungen scheinen nicht sehr hergehalten zu haben,

°) Der letzte war der Magister Thetmar (1215), dernur 4 Tage in Jerusalem verweilte.